, 12.01.2017

Fachverband Glücksspielsucht

Der Fachverband Glücksspielsucht (FAGS) zieht gegen die Casino Merkur-Spielothek und die Gauselmann Gruppe vor Gericht. (Bildquelle)

Der Fachverband Glücksspielsucht aus Bielefeld hat eine Unterlassungsklage gegen die Casino Merkur-Spielothek, ein Tochterunternehmen der Gauselmann Gruppe, eingereicht. Der Verband behauptet, dass der Spielhallenbetreiber Anträge auf Spielersperren von Kunden, die sich auf eigenen Wunsch in den Merkur Spielhallen sperren lassen wollen, zurückweisen würde. Der Verband mahnte den Glücksspiel-Anbieter deshalb ab. Der Fall soll ab dem 7. März verhandelt werden.

 

Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Bielefelder Fachverbandes, erklärt gegenüber der Neuen Westfälischen:

„Besucher von Spielhallen in Bielefeld und Paderborn haben sich an uns gewandt. Sie wollten sich für das Glücksspiel an Automaten sperren lassen, weil sie spielsüchtig sind. Ihnen wurde aber gesagt, man müsse sich dafür erst an die Gauselmann Zentrale in Espelkamp wenden.”

Zudem habe man den Betroffenen falsche Adressen zum Thema Glücksspielsucht gegeben.

 

Gauselmann Gruppe kommentiert kein schwebendes Verfahren

 

Ein Gespräch der beiden Parteien mit einem Richter vor der IHK Bielefeld brachte keine Einigung. Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, will die Gauselmann Gruppe aktuell keinen Kommentar abgeben. Laut dem Sprecher der Gruppe, Mario Hoffmeister, seien die in der Klage gestellten Forderungen aber auf alle Fälle mit dem geltenden Recht in NRW nicht vereinbar und somit unrechtmäßig.

 

Der Fachverband Glücksspielsucht hatte sich schon im März 2016 mit einem Schreiben an die Casino Merkur-Spielothek gewandt. Dem Glücksspiel-Anbieter sei es nicht untersagt, hieß es darin, Sperren über Spieler zu verhängen. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sei dem Landesrecht übergeordnet. Die Beziehungen zu den Spielern würden sich außer nach dem Spielhallenrecht vor allem nach dem allgemeinen Zivilrecht richten, also insbesondere auch nach dem BGB.

 

Betreiber muss der Entstehung von Glücksspielsucht vorbeugen

 

Der Verband verweist auf das im Glücksspielstaatsvertrag verankerte Sozialkonzept und argumentiert, dass sich daraus eine Rücksichts-Pflicht ergebe. Ein Spielhallenbetreiber sei verpflichtet, die Spieler zu verantwortungsbewusstem Spiel anzuhalten und der Entstehung von Glücksspielsucht vorzubeugen. Der Spieler müsse also vom Spiel ausgeschlossen, also gesperrt werden, wenn er süchtig oder suchtgefährdet sei.

 

Die Vorsitzende des Fachverbandes, Ilona Füchtenschnieder, verweist auf das Bundesland Hessen. Hier gibt es eine landesweite Sperrdatei für Spieler in Spielhallen. Zudem kontrollieren Mitarbeiter die Ausweise aller Besucher einzeln und vergleichen die Daten mit dem zentralen System. Fast 13.500 Menschen sind darin nach Angaben des Sozialministeriums inzwischen erfasst und haben sich sperren lassen. Rechnet man diese Zahl auf Nordrhein-Westfalen hoch, wären das 40.000 Menschen. Zudem stoße das Instrument der Selbstsperre bei den Betroffenen auf eine große Akzeptanz.

 

Gauselmann führt in Baden-Württemberg Face Check System für Spielerschutz ein

Die Gauselmann Tochter Casino Merkur-Spielothek ist nach eigenen Angaben mit über 250 Entertainmentcentern Marktführer in Deutschland und darüber hinaus in acht weiteren europäischen Ländern aktiv. 1957 legte Paul Gauselmann mit seiner nebenberuflichen Tätigkeit als selbstständiger Automatenaufsteller den Grundstein für die heutige Unternehmensgruppe Gauselmann. Den Anfang zum international tätigen Filialunternehmen mit mehr als 500 Casino Merkur-Spielotheken im In- und Ausland machte das Unternehmen 1974. Firmengründer Paul Gauselmann eröffnete damals in Delmenhorst die erste eigene Filiale. In der Firmengeschichte nahm die Gruppe das Thema Spielerschutz immer sehr ernst. Gerade erst Ende 2016 hatte Gauselmann ein neues Pilotprojekt für mehr Jugend- und Spielerschutz eingeführt. In Baden-Württemberg arbeiten schon 18 Spielhallen mit dem neuen Face Check System aus dem Hause Gauselmann. Bei dieser Eintrittskontrolle scannt eine Kamera die Gesichter von Besuchern und wertet biometrische Daten aus. Als nächstes sollen auch Spielhallen in NRW mit der neuen Kontrolle ausgestattet werden.

 

Der Fachverband Glücksspielsucht e.V. ist ein bundesweit tätiger Verband, der 1998 gegründet wurde und dem Wissenschaftler, Ärzte, Juristen, Psychotherapeuten, Suchttherapeuten und als juristische Mitglieder auch Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Rehabilitationseinrichtungen angehören. Der Verband versteht sich als Interessenvertretung der Belange Glücksspielsüchtiger und ihrer Angehörigen. Er verfolgt u.a. das Ziel, die individuellen und gesellschaftlichen Folgen der Glücksspielproblematik zu thematisieren und einzuschränken.

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