, 05.10.2017

Fußballer und Katalane Gerard Piqué

Gerard Piqué ist bekennender Katalane. (Bildquelle)

Nachdem es am Rande des umstrittenen Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien heftige Ausschreitungen zwischen Separatisten und spanischer Polizei gegeben hat, schaltet sich nun auch der FC Barcelona in die Politik ein. Der Hauptstadtclub Kataloniens beteiligt sich als Reaktion auf die Unruhen im Zuge des Referendums am vergangenen Wochenende seit Dienstag am Generalstreik gegen die Polizeigewalt. Das Trainingsgelände des Clubs, die Ciutat Esportiva Joan Gamper, bleibt geschlossen, während das Spiel gegen Las Palmas letzten Sonntag ebenfalls hinter verschlossenen Türen und ohne Fanbeteiligung stattfand. Im Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien hatten bei der Abstimmung 90 % der Katalanen für eine Abspaltung vom Mutterland gestimmt. Obwohl der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy das Referendum als illegal bezeichnete, will das Regionalparlament in Barcelona unter der Führung von Regierungschef Carles Puigdemont in den nächsten Tagen die Unabhängigkeit ausrufen.

 

Verein und Spieler gespalten

Ex-Barcelona Trainer Pep Guardiola

Ex-Barcelona Trainer Pep Guardiola (Bildquelle)

Obwohl der FC Barcelona das Referendum befürwortet hat und die Gewalt aufs Schärfste verurteilt, ist der Verein uneins im Hinblick auf den genauen Umgang mit der Situation. Präsident Josep Maria Bartomeu entschied sich für die Austragung der Partie gegen Las Palmas und provozierte damit den Rücktritt seines Vizepräsidenten Carles Vilarrubí und Jordi Monés, dem Leiter der Sportmediziner. Bartomeu argumentierte, mit dem Spiel mehr Aufmerksamkeit für die Lage im Land zu erregen als mit einer Absage. Außerdem hätte die Liga Barcelona im Falle einer Verweigerung sechs Tabellenpunkte abgezogen. Seine Ex-Kollegen kritisierten hingegen die Austragung trotz Polizeigewalt und der Tatsache, dass die Gäste kurzfristig eine spanische Flagge auf ihre Trikots hatten nähen lassen. Aber nicht nur die Vereinsspitze, auch die Spieler sind gespalten. So gilt Gerard Piqué als vehementer Verfechter der Unabhängigkeit, während viele seiner Mitspieler sich für die Austragung des Spiels ausgesprochen hatten. Pep Guardiola, langjähriger Barça-Trainer, ist ebenfalls bekennender Separatist.

 

FC Barcelona eine Hochburg des Katalanismus

Der FC Barcelona ist nicht erst seit gestern in die Politik seiner Heimat verwickelt. Bereits der Schweizer Gründer des Vereins, Hans Gamper, war ein Sympathisant der katalanischen Unabhängigkeit, erklärte im Zuge dessen Katalanisch zur Vereinssprache und änderte seinen Namen zu Joan Gamper. Im Camp Nou lebte der katalanische Nationalismus auch in Zeiten des spanischen Diktators Franco weiter und sogar die katalanische Flagge wurde bei Spielen gehisst. Der Grund für den Unwillen Kataloniens, als Teil Spaniens aufzugehen, liegt im Jahre 1714, als die Region sich zum Ende des spanischen Erbfolgekriegs trotz heftigem Widerstand dem spanischen Zentralstaat unterordnen musste. Verteidiger Gerard Piqué ist langjähriger Befürworter der Unabhängigkeit und hatte offen für das kontroverse Referendum geworben. Aktuell steht sein Rücktritt aus der spanischen Nationalmannschaft zur Debatte, falls der Verband seine nationale Gesinnung ablehnt.

Piqué gab in einer Pressekonferenz am Mittwoch bekannt, dass er aus eigenen Stücken nicht die Nationalmannschaft verlassen werde. Diesen Gefallen wolle er seinen Kritikern nicht tun.

 

Barça droht Rauswurf aus der La Liga

Sollte es tatsächlich zur katalanischen Unabhängigkeit kommen, stellt sich die Frage nach dem Verbleib des FC Barcelonas in der Primera División, der höchsten spanischen Fußballliga. Ligachef Javier Tebas, der als Real Madrid Fan gilt, soll bereits angekündigt haben, die Beteiligung des Clubs an der spanischen Liga sei ausgeschlossen und mit dem Sportrecht des Landes unvereinbar, sollte Katalonien autonom werden. Viele Fans fürchten nun um die Zukunft ihres Vereins, dessen Partien gegen seinen Erzfeind Real Madrid, die sogenannten El Clásicos, schon so oft das Aufeinandertreffen von Zentralstaat und Separatisten symbolisiert haben. Der FC Barcelona, einen der bekanntesten und erfolgreichsten Fußballvereine der Welt, bangt zudem um seinen Starspieler Lionel Messi, dessen Vertrag 2018 ausläuft. Eine offizielle Vertragsverlängerung steht noch aus. Anfang August hatte der FC Barcelona bereits seinen Stürmer Neymar an Paris-Saint-Germain verloren.