, 08.11.2017

Firmengründer Paul Gauselmann vor Schloss Benkhausen in Espelkamp

Firmengründer Paul Gauselmann und sein Unternehmen sollen die Dienste von Offshore-Profis genutzt haben. (Bildquelle)

Die sogenannten Paradise Papers sorgen aktuell weltweit für Schlagzeilen. Die Dokumente enthüllen, auf welche Weise milliardenschwere Unternehmen wie Apple & Co. die Steuergesetze aushebeln und über Offshore-Firmen außerhalb ihrer nationalen Grenzen operieren. Neben großen internationalen Namen sind auch mehrere deutsche Firmen und Privatpersonen aufgelistet, darunter das Automatenunternehmen Gauselmann aus dem nordrhein-westfälischen Espelkamp. Dem Konzern wird vorgeworfen, mit einer Lizenz der Isle of Man das in Deutschland geltende Verbot von Online Glücksspielen zu umgehen. Auch wird gemutmaßt, das Unternehmen habe mit Verschleierungstechniken Steuern sparen wollen. Gauselmann weist alle Vorwürfe klar von sich und betont, dass man stets offen und ehrlich über alle Geschäftsaktivitäten informiert habe. Die Praxis, über in Malta, Gibraltar oder der Isle of Man lizenzierte Firmen Online Casinos zu betreiben oder Produkte zu vertreiben, ist übrigens Gang und Gäbe in der iGaming-Branche und wird nicht nur von Gauselmann genutzt. Sie verläuft stets im Einklang mit den dort geltenden Gesetzen.

 

Gauselmann weist Vorwürfe klar von sich

Die Gauselmann-Gruppe ist eines der letzten großen Familienunternehmen in Deutschland. Gründer Paul Gauselmann startete sein Geschäft vor über 60 Jahren und wird seitdem tatkräftig von seiner Frau und seinen drei Söhnen unterstützt. Der 83-Jährige und seine Geschäftsführung seien sehr verärgert darüber, als Traditionsunternehmen in die Schlagzeilen geraten zu sein und ließen über ihren Unternehmenssprecher erklären, sich keiner illegalen Aktivitäten schuldig gemacht zu haben:

„Wir halten uns an Recht und Gesetz und werden das auch in Zukunft tun.“

Das Unternehmen stellte klar, zu keiner Zeit gegen das Gesetz und stets transparent gehandelt zu haben:

„Die jeweiligen Unternehmen sind offen und transparent gegründet worden. Ihre Existenz und die Beziehung zur Gauselmann Gruppe sind den zuständigen Behörden offengelegt und daher bekannt.“

Konkret handelt es sich bei den Vorwürfen um die 2010 gegründete Edict Egaiming IoM Ltd., die heute unter dem Namen Alliance Gaming Solutions Ltd. bekannt ist. Sie ist eine Tochterfirma der Gauselmann-Gruppe und hat ihren Sitz auf der Isle of Man. Mit einer gültigen Lizenz der Insel vertreibt Alliance Online Glückspielprodukte wie Online Spielautomaten der Gauselmann-Marke Merkur in ganz Europa. Dabei ist die Firma jedoch nur Lieferant, nicht aber Anbieter der Spiele. Gauselmann betonte in seiner Stellungnahme, dass man allen Geschäftspartnern gegenüber noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen habe, die Spiele nur dort anzubieten, wo dies auch erlaubt sei. Eigene Online Casinos betreibt Gauselmann für den deutschen Markt nur in Schleswig-Holstein. Das Bundesland ist das einzige Gebiet in Deutschland, das über seine eigene Glücksspielgesetzgebung Online Casinos lizenziert hat. Mittlerweile bekunden jedoch immer mehr Bundesländer ihr Interesse daran, Online Glücksspiel zu lizenzieren und zu regulieren und auf diese Weise eine neue Einnahmequelle zu erschließen.

 

Online Glücksspiel ist rechtliche Grauzone in Deutschland

Das Problem an der ganzen Sache ist jedoch, das Online Casinos in Deutschland offiziell per Gesetz verboten sind. Dennoch gilt in der Praxis eine Art stillschweigende Toleranz gegenüber Anbietern, die mit einer europäischen Lizenz in Deutschland aktiv sind. Auch gibt es kein Gerichtsurteil, das Online Glücksspiel je für strafbar erklärt hat. Eine nichtdeutsche Lizenz ist nicht automatisch illegal, sondern eine legale Erlaubnis, neue Märkte zu erschließen. Selbstverständlich ist eine solche Zulassung an bestimmte Regeln gebunden und unterliegt der Aufsicht der jeweiligen Glücksspielbehörde, sodass Firmen mit Sitz im Ausland sich stets an die Gesetze ihres Lizenzierungslandes zu halten haben. Als Reaktion auf den Vorwurf der Illegalität forderte die Gauselmann-Gruppe von der deutschen Politik außerdem, für einheitliche Gesetze zu sorgen und Online Glücksspiel nach dem schleswig-holsteinischen Beispiel endlich zu regulieren.

 

13,4 Millionen Dokumente zu Offshore-Firmen

Die Isle of Man auf der Karte

Die Isle of Man liegt zwischen Irland und Großbritannien. (Bildquelle)

Die Paradise Papers gehen auf das Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) zurück. Journalisten renommierter internationaler Zeitungen wie der New York Times, des Guardians und der Le Monde sollen rund 13,4 Millionen Dateien zusammengetragen haben. Aus Deutschland waren die Süddeutsche Zeitung, der WDR und der NDR beteiligt. Das Netzwerk will herausgefunden haben, wie sich diverse internationale Großverdiener und Milliardenunternehmen von der Anwaltskanzlei Appleby und dem Treuhänder Asiaciti Trust bei der Einrichtung von Briefkastenfirmen in Offshore-Steueroasen beraten haben lassen sollen, um auf diese Weise ihre Einnahmen geringer besteuern zu müssen. Die Paradise Papers wurden rund 1,5 Jahre nach den sogenannten Panama Papers veröffentlicht, denen nur ein halbes Jahr später, im Herbst 2016, die Bahamas Liste gefolgt war. Alle drei Listen haben Daten und Informationen zu den Steuertricks der oberen Zehntausend ans Licht befördert, darunter Adressen von Briefkastenfirmen in Steueroasen wie Gibraltar, Malta, der Isle of Man oder in der Karibik. Prominente, Politiker, Sportler, Geschäftsleute, Adelige und Investoren finden sich in den Unterlagen wieder. Die Informationen gehen in allen Fällen auf Karteien von Anwaltskanzleien zurück.

 

Die Queen, Trump-Mitarbeiter und jede Menge weitere Namen

Nicht nur Gauselmann findet sich in den Enthüllungen wieder, sondern auch viele weitere deutsche Namen wie die Autovermietung Sixt, die Deutsche Post, die Deutsche Bank, Siemens, Allianz und Bayer. Auch Altkanzler Gerhard Schröder wird erwähnt, der 2009 einen Posten bei einer Firma mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln innehatte. Für Gauselmann sind die Enthüllungen besonders unerfreulich, hatte das Unternehmen doch erst dieses Jahr sein 60. Firmenjubiläum gefeiert. Zu diesem Anlass hatte man eine riesige Zeltstadt am Firmensitz aufbauen lassen und sowohl Mitarbeiter und Geschäftspartner als auch Besucher mehrere Tage lang bestens unterhalten und über die Arbeit in der Automatenwerkstatt informiert. Auch auf internationaler Ebene liest sich die Liste der Steuersparer beeindruckend. Selbst die Queen ist genannt. Sie soll über ihren Berater mehrere Millionen Privatvermögen auf den Cayman Islands und in Bermuda gelagert haben. Und auch diverse Minister und Berater von US-Präsident Donald Trump finden sich in der Liste wieder, teilweise mit Verbindungen nach Russland. Firmen wie Facebook, Apple, Nike und Uber sollen ebenfalls auf die Dienste von Appleby zurückgegriffen haben.

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