Gericht verhängt einstweilige Verfügung gegen PPC Poker Tour

, Januar 10, 2017

PPC Poker Tour Aruba

Anfang November 2016 hatte sich der Gewinner des PPC Aruba Main Events Stephen Deutsch (in der Mitte) noch über sein Preisgeld in Höhe von fast 134.000 Dollar gefreut! (Bildquelle)

Am 17. Dezember des vergangenen Jahres postete der Pokerprofi und Journalist Brent Philbin auf TwoPlusTwo, dass vier der sechs Final Table Teilnehmer des PPC Poker Tour Main Events in Aruba immer noch auf ihre Preisgelder warten. Das Turnier war schon in der ersten November Woche 2016 ausgetragen worden. Die vier Spieler hatten daraufhin Klage gegen die Veranstalter Bryan Oulton und Thomas „Sandy“ Swartzbaugh eingereicht. Nun bewilligte das Gericht von Maryland eine einstweilige Verfügung gegen die PPC.

 

Unter den Klägern gegen die „Players Poker Championship“ (PPC) Poker Tour befindet sich auch der Gewinner des Main Events Stephen Deutsch, der immer noch auf sein Preisgeld in Höhe von fast 134.000 Dollar wartet. Bei dem Turnier im Hilton Aruba Resort & Casino in Palm Beach, Aruba, mit einem Buy-In von 2.400 Dollar hatten Anfang November 266 Spieler teilgenommen. Ein Preispool von 500.000 Dollar war garantiert worden. Die vier Spieler, die das Event auf den Plätzen 1, 4, 5 und 6 beendet hatten, erhielten nach dem Turnier nur jeweils 10.000 Dollar in bar und die Information, dass der Rest in wenigen Wochen auf ihre Bankkonten überwiesen werden sollte. Doch bis heute haben sie keine weiteren Zahlungen erhalten und gingen vor Gericht.

 

Kläger werfen PPC organisierten Betrug und das Betreiben eines Schneeballsystems vor

 

In der Klage wird den Veranstaltern organisierter Betrug und das Betreiben eines Schneeballsystems vorgeworfen. In der vergangenen Woche bewilligte das Landesgericht von Maryland eine einstweilige Verfügung gegen Oulton und Swartzbaugh. Beiden wird vorerst verboten, an gewerblichen Aktivitäten jeglicher Art mitzuwirken. Zudem wurde festgestellt, dass sie den Spielern Stephen Deutsch, Michael Lerner und Joan Sandoval mindestens 173.000 Dollar schulden. Der Vierte im Bunde, John Ott, wartet für sein Abschneiden noch auf über 32.000 Dollar. Zudem fordern die Kläger noch jeweils 75.000 Dollar Schadensersatz.

 

In der Verfügung heißt es unter anderem:

„Die PPC hat ein komplexes internationales Schneeballsystem aufgebaut, welches mit Pokerturnieren und mehreren Casinos zu tun hat. Das Ganze geht mindestens seit einem Jahr, vielleicht sogar seit knapp vier Jahren. Es ist nun offensichtlich, dass das Schneeballsystem nicht mehr funktioniert und am Ende ist. Die Players Poker Championship hat das Vertrauen der Kläger missbraucht und jetzt kommen die betrügerischen Taktiken in ihrem gesamten Ausmaß ans Tageslicht.“

 

Auch das Maryland Live! Casino wird angeklagt

 

Auch das Maryland Live! Casino, welches einige PPC Events veranstaltet hat, wird in der Verfügung erwähnt. Das Casino soll bei dem Betrug mitgeholfen haben sowie fahrlässig gehandelt haben. Ein Mitarbeiter des Casinos soll zum PPC Aruba Main Event gereist sein, um sich um die Kooperation zu kümmern. Er sollte unter anderem dafür sorgen, dass die Final Table Teilnehmer mit einem „Maryland Live“-Patch spielen.

 

Mac VerStandig, der Anwalt der Pokerspieler erklärte:

„Meine Klienten, die beim Aruba Main Event mitgespielt haben, sind ehrliche Pokerspieler. Mindestens ein normalerweise seriöses US-Casino hat eng mit der PPC zusammengearbeitet und Bescheid gewusst. Diese Ungerechtigkeit ist erschreckend. Die Einreichung einer Zivilklage gegen organisierte Kriminalität fällt keinem Anwalt leicht. Die Tatsachen in diesem Fall sind aber so eindeutig, dass sie uns keine andere Wahl lassen. Somit haben wir eine detallierte Klage eingereicht.“

 

Veranstalter sind untergetaucht und löschen ihre Twitter-Accounts

Im Zuge der Enthüllungen von Brent Philbin kam auch ans Licht, dass es bei der PPC Tour in jüngster Zeit schon des Öfteren zu Verzögerungen bei der Preisgeld-Auszahlung gekommen war. Auch einige Mitarbeiter und gesponserte Pros scheinen immer noch auf ihre Gelder zu warten. Die beiden Veranstalter sind untergetaucht und reagieren weder auf Anrufe oder auf E-Mails. Oulton und Swartzbaugh haben alle Kommentare auf ihrer Facebook-Seite zu den Auszahlungsproblemen sowie auch ihre Twitter-Accounts gelöscht. Laut eines aufgetauchten Dokuments befanden sich die beiden Köpfe hinter der PPC aktuell auf der Suche nach neuen Sponsoren und Investoren. Auch habe man wohl weitere Casinos kontaktiert, damit man bei dem Kooperations-Partner PPC Poker-Freerolls anbieten dürfe. Im Gegenzug sollten die Casinos dann mit Preispaketen die PPC Live-Events sponsern.

 

Die Betreiber der PPC haben wohl die Spielergelder nicht vom Firmenvermögen getrennt und stattdessen damit Investoren ausbezahlt oder das Geld schlicht verbraucht. Dieses Vorgehen erinnert an den Fall Full Tilt Poker, der nach dem Black Friday im Jahr 2011 an die Öffentlichkeit kam. In den USA schlossen die Behörden damals zahlreiche Online Pokerräume und froren die Gelder der Spieler ein. Full Tilt musste kurz später Bankrott anmelden. Zahlreiche Verantwortliche aus der Managementebene waren durch Privatentnahmen in zweistelliger Millionenhöhe von den Spielerkonten für den Bankrott des Pokerraums entscheidend mitverantwortlich gewesen. Aus Sicht der geprellten Spieler war auch Full Tilt Poker nichts weiter als ein betrügerisches Schneeballsystem.