, September 8, 2017

Red Squad von Counter Logic Gaming

Die Spielerinnen von Counter Logic Gaming gehören zu den wenigen erfolgreichen Frauen in der Branche. (Bildquelle)

Der auf Rennspiele spezialisierte Softwareentwickler SimBin UK hat mit „Women & Wheels“ ein eSports Turnier ausschließlich für Frauen an den Start gebracht. Über das Netzwerk “Steam” soll der Wettkampf noch diesen Herbst stattfinden. Zu gewinnen gibt es unter anderem einen Fahrsimulator als Autositz im Wert von 3.000 €, ein Set aus Lenkrad und Fußpedalen von Fanatec sowie, kurioserweise, ein Coachingprogramm zur Bewältigung von Stress und anderen Problemen von Epiphany Junkie. Mit dem Event will SimBin mehr Frauen ermutigen, im Bereich eSports und Computerspiele aktiv zu werden. Dieser Philosophie folgend, fließt ein unveröffentlichter Teil der Einnahmen an Wohltätigkeitsorganisationen, die zum Wohl von Frauen arbeiten. Bisher werden eSports und wettbewerbsmäßiges Computerspielen noch stark von Männern dominiert. Die großen Ligen sind eine Männerdomäne und Frauen beteiligen sich nur selten an ihnen. Zwar gibt es immer wieder Versuche, das Umfeld frauenfreundlicher zu gestalten, doch bisher treten Frauen fast ausschließlich bei kleinen Nebenveranstaltungen an.

 

Wesentlich mehr Männer als Frauen auf Profilevel

eSports hat in den letzten Jahren einen beeindruckenden Aufstieg vom belächelten Zeitvertreib zum professionellen Milliardenbusiness hingelegt. Turniere und Weltmeisterschaften sind zum Zuschauersport geworden, der riesige Hallen füllt. In den meisten Fällen handelt es sich bei den eAthleten allerdings traditionell um Männer, vor allem bei den erfolgreichen Berufsspielern. Aus diesem Grund werden die Rufe immer lauter nach einer stärkeren Einbindung von Frauen in den Sport. Zwar gibt es zunehmend Turniere extra für Frauen, die parallel zu den Hauptevents abgehalten werden, und auch gemischte Veranstaltungen haben schon stattgefunden. Doch ihre Verbreitung beschränkt sich auf wenige Veranstalter und Disziplinen, darunter zum Beispiel Counter-Strike.

 

SimBin verbindet Spielspaß und Gleichberechtigung

Der Rennspielentwickler SimBin gehört zu denjenigen Akteuren auf dem Markt, die die Geschlechterproblematik erkannt und in Angriff genommen haben. So hat SimBin eine weibliche Beteiligung von lediglich 7 % bei seinen Rennspielen registriert. Mit Women & Wheels will das Unternehmen nun darauf aufmerksam machen und ein besseres Spielumfeld für Frauen schaffen. Allan Speed, Geschäftsführer der SimBin Studios UK, kündigte das Turnier als wichtigen Meilenstein der Gleichberechtigung in der Computerspielewelt an:

„Bei Women & Wheels geht es darum, Gutes zu tun und sich dabei gut zu fühlen. Es geht um echte Renn-Action und Spaß am Spiel, aber auch darum, ein starkes Fundament und eine gute Basis für Frauen zu etablieren, und sie darin zu unterstützen, ihre Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein weiterzuentwickeln. Schließlich fließen unsere Einnahmen auch anteilig an wohltätige Projekte. Wir haben es also mit einem echten Wendepunkte in der Geschichte von eSports zu tun.“

Frauen in eSport mehr fördern

Die Veranstaltung von Women & Wheels wurde auf der diesjährigen European Women in Games Conference in London bekannt gegeben. Die siebte Ausgabe der Konferenzreihe fand vom 5. bis zum 6. September in der East London Arts and Music Academy statt. Marie-Claire Isaaman, Geschäftsführerin von Women in Games und Pädagogin an der Norwich University of the Arts, versprach dem Event ihre volle Unterstützung, kreidete jedoch gleichzeitig die Ungleichverteilung der Geschlechter an, die eine solche Veranstaltung erst nötig mache:

„Es ist eine Schande, dass wir ausschließlich weibliche Teams, Ligen und Wettkämpfe bei eSports überhaupt brauchen. Aber solange sich die Branche noch im Wachstum befindet, das Geschlechterverhältnis noch nicht ausgeglichen ist und keine Schritte unternommen werden, Cyber-Mobbing und Frauenfeindlichkeit zu verhindern, sind solche Veranstaltungen eine tolle Möglichkeit, Frauen mehr einzubinden und ihnen die Möglichkeit zu geben, Communities zu bilden, Selbstbewusstsein aufzubauen und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.“

Nur wenige Frauen haben es in den letzten Jahren geschafft, sich bis zum höchsten Profilevel hochzuspielen. Eine von ihnen ist die Südkoreanerin Kim “Geguri” Se-yeon, die es als erste Frau in OGNs Overwatch APEX Liga geschafft hat. Counter Logic Gaming ist hingegen eines der wenigen Teams, das auch eine Mannschaft nur aus Frauen ausbildet. Doch solche Lichtblicke sind bisher die Ausnahme.