, March 7, 2014

Downtown Grand Casino, Las Vegas

Foto: http://www.reviewjournal.com/

Ja, Sie haben richtig gelesen. In Las Vegas verklagt gegenwärtig der Autohändler und Grundstücksspekulant Mark Johnston, 52, das Downtown Grand Casino, da er am Super Bowl Wochenende 500.000 US$ an den Spieltischen verloren hat. Seiner Auffassung nach sollte er nicht für die Verluste aufkommen müssen, da er während des Glücksspiels vollkommen betrunken war. Der Kalifornier glaubt, dass er seine Klage gewinnen kann, denn die Gesetze für das Gaststättengewerbe in Nevada verbieten den Casinos, Betrunkene spielen zu lassen oder ihnen kostenlose Drinks zu servieren. Genau das ist aber im Downtown Grand passiert: Herrn Johnston wurden kostenlose Drinks serviert, und das Casino lieh ihm darüber hinaus Geld zum Spielen.

Das Grand Casino versucht seine Schulden einzutreiben, aber Herr Johnston verweigert die Zahlung und will das Casino darüber hinaus verklagen, seinen Namen durch den Schmutz gezogen zu haben. Sein Anwalt wird Augenzeugen befragen und sich außerdem auf das Überwachungsvideo beziehen, um zu beweisen, dass sein Klient tatsächlich total betrunken war.

Jetzt hat sich auch das Gaming Control Board von Nevada eingeschaltet, um diesen Fall unter die Lupe zu nehmen. Sean Lyttle, der Rechtsanwalt von Herrn Johnston sagte: „Dies ist mit Sicherheit ein sehr ungewöhnlicher Fall. Ich selbst habe eine solche Geschichte noch nie gehört, wo jemand so betrunken ist, dass er seine Karten nicht mehr erkennen kann, und wo ihm das Casino trotzdem weiterhin Drinks serviert und ihm Kredit gewährt.“

Herr Johnston war sich bis zum folgenden Tag nicht einmal bewusst, wieviel Geld er am Abend zuvor im Casino verloren hatte.

Dieser Fall ist allerdings nicht der erste seiner Art. In vielen verschiedenen Ländern haben Glücksspieler versucht, Casinos für ihre Verluste zu verklagen.

In Österreich ging letztes Jahr der 38-jährige Vorarlberger Jürgen Netzer vor Gericht, um das Casino in St. Gallen zu verklagen. Er forderte 1,6 Millionen Euro von der Spielbank in der Schweiz, da er als Spielsüchtiger nicht vom Casino gesperrt wurde. Er verspielte knappe vier Millionen Euro, gewann im Jahr 2005 den Jackpot und verspielte daraufhin auch diese 3,5 Millionen Franken.

Der Glücksspieler fuhr ca. 250mal pro Jahr in die Schweiz, um dort an vier oder fünf Automaten gleichzeitig zu spielen. Er nahm sogar einen Freund mit, der ihn beim Spiel unterstütze und die Automaten im Auge behielt.

Der Prozess wurde vorläufig vertagt.

Ebenfalls letztes Jahr ging der Geschäftsmann und High Roller Harry Kakavas in Australien vor Gericht, um das Crown Casino zu verklagen. Herr Kakavas ist spielsüchtig und hat insgesamt über 20,5 Millionen australische Dollars beim Glücksspiel verspielt. Zwischen Juni 2005 und August 2006 allein verspielte er knappe 1,5 Millionen australische Dollars, meistens beim Baccarat Spiel.

Herr Kakavas behauptete, dass das Crown Casino ihn skrupellos verlockt habe und ihm darüber hinaus einen privaten Jet kostenlos zur Verfügung gestellt habe.

Während er im Crown Casino spielte, war er bereits vom Star Casino in Sydney gesperrt und hatte sich von Banken, Freunden und Familienmitgliedern Millionen von Dollars geliehen, um seiner Spiellust nachzugehen.

Der High Court wies jedoch die Klage einstimmig ab. In dem Urteil hieß es, dass das Crown Casino nicht skrupellos gehandelt habe und dass Herr Kakavas durchaus in der Lage gewesen sei, rationale Entscheidungen zu treffen. So habe er es beispielsweise ab und zu geschafft, eine „Pause“ beim Glücksspiel einzulegen.

Es gibt auch in Deutschland verschiedene Fälle von Glücksspielern, die versucht haben, eine Spielbank zu verklagen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Casinos heutzutage sehr strenge Einlasskontrollen durchführen und ihre Angestellten besonders darauf schulen, Spielsüchtige so schnell wie möglich zu erkennen. Jedoch ist es wesentlich komplizierter, Spielsüchtige im Internet zu identifizieren, da trotz einer Anmeldung mit persönlichen Daten und Bank- oder Kreditkartenangaben eine gewisse Anonymität besteht und ein Spieler sich bei vielen verschiedenen Online Casinos anmelden kann. Die Gefahren der Spielsucht werden allerdings immer mehr publik gemacht, und selbst Online-Anbieter sind verpflichtet, ihre Spieler auf die Gefahren der Spielsucht hinzuweisen.

Es bleibt abzuwarten, welches Urteil in Las Vegas im Fall von Herrn Johnston und dem Grand Casino gefällt werden wird.