, 02.10.2015

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Deutsche Sport Lotterie

Viele Profi-Sportler in Deutschland haben das Problem, dass sie von ihrem Beruf nicht leben können. Vor allem Profis der meisten olympischen Sportarten verdienen selbst nach dem Gewinn einer Goldmedaille nur wenige hundert Euro im Monat durch ihren Sport. Der Olympiasieger sowie mehrfache Welt- und Europameister im Diskus, Robert Harting, hatte eine Idee, wie er etwas dagegen unternehmen könnte. Er rief Anfang des Jahres 2015 das Projekt Deutsche Sportlotterie (DSL) ins Leben. 30 Prozent der Einnahmen sollten in die Sportlerförderung fließen. Nach gut einem Dreivierteljahr zieht das Projekt keine erfolgreiche Bilanz. Die DSL steht nun vor einer ungewissen Zukunft.

Robert Harting

Robert Harting, deutscher Olympia-Sieger (Bildquelle: Wikpedia/Flickr)

Die Idee hinter der DSL ist durchaus lobenswert. Jeden Freitag sollen die Gewinner gezogen werden. Ein Los kostet 2,50 Euro. Der Höchstgewinn liegt bei einer halben Million Euro. Die Gewinnchance auf den Hauptgewinn liegt bei eins zu drei Millionen. Jedes fünfte Los gewinnt. Die Betreiber rechneten im ersten Jahr mit einem Umsatz von 28 Mio. Euro. Pro Jahr sollten davon 12 Mio. Euro an die Stiftung Deutsche Sporthilfe gehen. Der Rest sollte über einen Schlüssel an die rund 5.000 deutschen Spitzenathleten gehen, so dass diese gut 1.000 Euro im Monat an Unterstützung bekämen.

Philipp Lahm und Henry Maske als Gesellschafter

Und auch die Geschichte der DSL begann gut. Im November 2014 hatte man alle notwendigen Genehmigungen für den Lotteriebetrieb erhalten. Im Februar 2015 erfolgte der Startschuss. In fünf Jahren wollte die DSL einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro generieren. Dafür müssten etwa 770.000 Menschen jede Woche für durchschnittlich 5 Euro Lose der Deutsche Sportlotterie kaufen. Prominente Gesellschafter wie Fußball-Profi Philipp Lahm oder der Ex-Profiboxer Henry Maske unterstützen das Projekt in der Öffentlichkeit.

Doch nun gelangten erste Umsatz-Zahlen der DSL nach etwa einem Dreivierteljahr an die Öffentlichkeit. Wie der Westdeutsche Rundfunk herausfand, solle die Lotterie aktuell schon einen Fehlbetrag von 3,8 Mio. Euro aufweisen. Die Zahl der Online-Spieler soll bei weniger als 12.000 liegen. Der Gesamtumsatz liege seit Februar bei weniger als 500.000 Euro. Der Fehlbetrag sei nicht durch Eigenkapital gedeckt. Wie könne es bei diesen Zahlen mit der DSL weitergehen?

Schwarze Null doch schon erreicht?

Der Sportlotterie-Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter Gerald Wagener räumte ein, dass der Start nicht optimal verlaufen sei. Aber die Deutsche Sportlotterie widersprach am 29. September mit einer Pressemitteilung den Gerüchten über den großen Fehlbetrag. Gerald Wagener:

“Solche Aussagen sind schlicht und ergreifend Unsinn. Es ist zwar richtig, dass wir unsere Ziele noch nicht erreicht haben, allerdings haben die Umsätze in den letzten Wochen durch Maßnahmen unseres Partners Lotto Hessen sehr stark angezogen, so dass wir jetzt bei einer schwarzen Null stehen dürften.“

Bei dem Fehlbetrag solle es sich zudem nicht um Verluste im operativen Geschäft handeln, sondern im Wesentlichen um durch die Gesellschafter und Associated Partner finanzierte Anlaufinvestitionen. Die Markteinführung habe über zwei Jahre Vorbereitungen gekostet, in der keine Geschäfte getätigt werden und somit auch keine Einnahmen generiert werden konnten. Die über 3 Mio. Euro seien ein Darlehen, welche von den Gesellschaftern und Associated Partnern der DSL zur Verfügung gestellt wurden. Diese dürften erst zurückgezahlt werden, wenn die Lotterie genug Überschüsse erwirtschaftet habe. Bevor es aber Überschüsse gibt, müssen jährlich 30 Prozent der Umsätze an den deutschen Spitzensport gezahlt werden.

Für eine erfolgreiche Zukunft möchte man weitere Partner ins Boot holen. Hier hofft die DSL auf alle oder einzelne Gesellschaften des Deutschen Lotto-und Toto-Blocks. In Verbindung mit der Hamburger Olympiabewerbung hofft man auch auf mehr Unterstüzung aus der Politik und vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). So wollen Gesellschafter wie Philipp Lahm zu diesem Thema das Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel suchen. Man habe diese Chance zur umfassenden Förderung der Athleten in Deutschland nicht nur erkannt, sondern werde sie nun auch vorantreiben.