, November 17, 2017

O.J. Simpson vor dem Bewährungskomitee

O.J. Simpson soll nach seiner Entlassung für Aufruhr in einem Casino gesorgt haben. (Bildquelle)

Der Ex-NFL Star O.J. Simpson wurde erst am 1. Oktober dieses Jahres aus der Haft entlassen und sorgt schon wieder für die nächsten Schlagzeilen. Berichten zufolge soll sich der 70-Jährige im The Cosmopolitan Casino in Las Vegas derart danebenbenommen haben, dass er lebenslanges Hausverbot in dem Luxuskomplex erhalten hat. Das Casino hält sich bedeckt, was die Details des Vorfalls angeht, doch angeblich soll Simpson alkoholisiert gewesen sein. Sein Anwalt bestätigte zwar das Hausverbot, wies jedoch die Alkoholmutmaßungen von seinem Mandanten. Der ehemalige Runningback der Buffalo Bills rückte neben seinen sportlichen und schauspielerischen Erfolgen vor allem mit dem Gerichtsprozess um den Mord an seiner Ex-Frau und deren neuem Partner in den Fokus der Öffentlichkeit.

 

Alkoholgenuss könnte O.J. wieder hinter Gitter bringen

Das Cosmopolitan Hotel und Casino in Las Vegas

Das Cosmopolitan in Las Vegas (Bildquelle)

Der Vorfall, der erst jetzt auch in Deutschland bekannt wurde, ereignete sich bereits am 8. November. Das Cosmopolitan Hotel and Casino befindet sich auf dem berühmten Las Vegas Strip und beherbergt neben dem normalen Casino- und Hotelbetrieb auch mehrere Bars gehobener Klasse, in denen O.J. seit seiner Entlassung regelmäßig verkehrt haben soll. Mitarbeiter des Etablissements sollen gegenüber Reportern berichtet haben, dass das Verhalten von O.J. Simpson das Eingreifen der Security nötig gemacht habe. Dabei sollen auch Gläser zu Bruch gegangen sein. Der Ex-Footballer soll unter Alkoholeinfluss gestanden und sich „renitent“ verhalten haben. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, dann verstößt der 70-Jährige damit gegen seine Bewährungsauflagen. Diese untersagen ihm den überhöhten Genuss von Alkohol und anderen Drogen. Im schlimmsten Fall könnte er wieder inhaftiert werden, um die verbleibenden 24 Jahre seiner Haftstrafe abzuleisten. Der Anwalt des gebürtigen Kaliforniers erklärte jedoch, dass er sich das Hausverbot gegen seinen Mandanten nicht erklären könne und auch ein Alkohol- und Drogentest, den O.J. am Tag nach dem Casinobesuch ablegte, negativ ausgefallen sei.

 

9 Jahre Haft für bewaffneten Raubüberfall

Der 70-Jährige hatte knapp neun Jahre im Lovelock Correctional Center, dem Staatsgefängnis von Nevada eingesessen. Im Juli wurde bekannt, dass er wegen guter Führung vorzeitig entlassen würde. Ursprünglich hatte sein Urteil auf die Höchststrafe von 33 Jahre gelautet, nachdem er eines bewaffneten Raubüberfalls und der Körperverletzung für schuldig befunden wurde. 2007 hatte er zwei Männer gemeinsam mit seinen Komplizen unter vorgehaltener Waffe zur Herausgabe von Fanartikel gezwungen, nachdem er gewaltsam in deren Hotelzimmer im Palace Station Casino in Las Vegas eingedrungen war. Die Gegenstände sollen Eigentum des Sportlers gewesen sein. Das finale Urteil war 2008 ergangen. Seit seiner Entlassung lebt der ehemalige Footballstar in einer Gated Community in Nevada und wird von einem Bewährungshelfer begleitet. Seine Entlassung fand nur wenige Stunden vor dem fatalen Amoklauf von Stephen Paddock während eines Musikfestivals auf dem Las Vegas Strip statt, bei dem über 50 Menschen starben.

 

Doppelmord bis heute ungesühnt

O.J. bei einer Demonstration vor Gericht

O.J. bei einer Demonstration vor Gericht (Bildquelle)

Der Mord an Nicole Brown und ihrem damaligen Partner Ron Goldmann 1994 zählt bis heute zu den großen Fällen der amerikanischen Kriminalgeschichte. Nicht zuletzt, weil es sich bei dem Angeklagten um O.J. Simpson gehandelt hat. Obwohl die Beweislast gegen Simpson erdrückend war, darunter eine spektakuläre Flucht vor der Polizei sowie Blutspuren der Opfer auf seinem Grundstück und an seiner Kleidung, wurde er freigesprochen. Entscheidend dabei war unter anderem ein Handschuh, der vor Gericht nicht passte. Ein großes Thema im Prozess war außerdem vermeintlicher Rassismus der Ermittler. Nach dem Urteil kam es zu einer Diskussion über das in den USA übliche Geschworenensystem, bei dem Anwälte und Staatsanwälte um die Gunst von Laienrichtern buhlen. Simpson veröffentlichte 2006 unter dem Titel „If I Did It“ ein Buch, in dem er beschreibt, wie er als Täter vorgegangen wäre, hätte er das Verbrechen denn begangen. In einem Zivilprozess wurde O.J. Simpson schließlich tatsächlich für schuldig befunden und zu Schadensersatzzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe an die Familien der Verstorbenen verurteilt.