, 21.07.2016

Interpol Aktionen gegen illegale Sportwetten

Bei Interpol Aktionen gegen illegale Sportwetten rund um die EM 2016 kam es vor allem in Asien zu Festnahmen und Beschlagnahmung von Wettgeldern (Bildquelle).

Im Zuge von Aktionen und Razzien gegen illegale Sportwetten während der Fußball EM 2016 kam es weltweit zu mehr als 4.100 Festnahmen. Gelder in Millionenhöhe wurden beschlagnahmt. Dies teilte die internationale Polizeiorganisation Interpol am Montag dieser Woche mit. Die Verhaftungen werden als Erfolg im Kampf gegen organisierte Kriminalität gesehen, ein ehemaliger Polizeioffizier äußert aber auch Kritik an der Vorgehensweise.

Interpol geht gegen illegale Sportwetten vor

Nach Angaben von Interpol war die internationale Polizeiorganisation an den Festnahmen von mehr als 4.100 Menschen beteiligt, die in illegale Sportwetten rund um die Fußball Europameisterschaft 2016 verwickelt waren. Insgesamt sind Gelder in der Höhe von 13,6 Million US-Dollar (12,3 Millionen Euro) beschlagnahmt worden. Die groß angelegten Operationen konzentrierten sich hauptsächlich auf Asien: In China, Malaysia, Singapur und Vietnam gingen die Beamten gegen illegale Wettbuden vor. Aber auch in Frankreich, Italien und Griechenland kam es zu Aktionen. Interpol nannte die Operationen erfolgreich. “Die Zahl der Beschlagnahmungen ist die höchste und bedeutendste unter ähnlichen Operationen in den letzten Jahren”, heißt es. Nach Einschätzungen haben die Täter insgesamt illegale Sportwetten Umsätze in der Höhe von 649 Millionen US-Dollar (rund 590 Millionen Euro) verbucht.

SOGA und Aces gegen illegale Sportwetten und organisierte Kriminalität

Die diesjährige Fußball EM ist aber nur ein Teil eines groß angelegten, internationalen Vorgehens gegen illegale Sportwetten und Netzwerke von Buchmachern. Bereits seit 2007 läuft die Interpol Aktion SOGA, was für “Soccer Gambling” steht. Seitdem kam es bereits zu Festnahmen von 12.500 Menschen und es konnten 3.400 illegale Wettbüros geschlossen werden. Parallel zu SOGA existiert die zweite Operation “Aces”, die sich auf Kambodscha, Thailand, Korea, Vietnam und die Philippinen konzentriert. Hier kam es zur Verhaftung von 33 Personen und die Fahnder haben internationale Netze im Visier. Ihr Augenmerk gilt Internetseiten zu illegalen Sportwetten und Wetten sowie auf Betrug spezialisierte Callcenter. Bei der Aktion beschlagnahmte Computer und Mobilfunktelefone werden derzeit ausgewertet, wie Interpol bekanntgibt. Hauptkommissar Chan Lok-wing, Leiter der Abteilung für organisierte Kriminalität und die Chinesische Mafia in Hongkong, kommentierte das Vorgehen wie folgt:

“Die SOGA Operationen dienen nicht nur der Bekämpfung illegalen Glücksspiels, sondern auch der organisierten Strukturen hinter dieser und anderen Formen der Kriminalität.”

Als aktueller Vorsitzender der Asien-Pazifik Expertengruppe für organisierte Kriminalität fügte er hinzu, dass die Polizei in Hongkong Interpol auch weiterhin dabei unterstützen werde, kriminelle Strukturen auf nationaler, regionaler und globaler Ebene zu identifizieren und zu bekämpfen.

Illegale Sportwetten und Glücksspiele online in China auf dem Vormarsch

Die Festnahmen aufgrund von Interpol Aktionen kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem das kriminelle Wettgeschäft in China ein neues Rekordmaß erreicht. Illegale Sportwetten florieren und 2016 wurden bereits Millionen von Yuan umgesetzt – ein Nebeneffekt des chinesischen Interesses am internationalen Fußball.
Jim Anderson, Chef der Interpol-Einheit zur Bekämpfung von Korruption und Finanzverbrechen, fasst Umstände so zusammen:

“Illegales Glücksspiel schafft enorme Profite für organisierte kriminelle Netze, die oft mit Korruption, Menschenhandel und Geldwäsche in Verbindung stehen.”

Die Erfolge der Interpol Fahnder stehen aber auch in der Kritik. Gegenüber der Presseagentur AP sagte Chris Eaton aus Australien, ehemaliger Polizeioffizier und Experte für Betrug und illegale Sportwetten, dass der Polizei bei solchen Aktionen nur die kleinen Fische ins Netz gingen. Entgegen der ursprünglichen Absicht würden die großen Syndikate aus solchen Festnahmen gestärkt hervorgehen, da die Konkurrenz abgefischt wurde.
Für Jim Henderson von Interpol ist die internationale Zusammenarbeit dennoch wichtig. Er betont, dass SOGA und Aces ohne globalen Informationsaustausch und den Einsatz der nationalen Behörden nicht möglich wären. In Hongkong führt die Abteilung für organisierte Kriminalität und die Chinesische Mafia zusätzlich Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung durch und versucht mit Radio- und Fernsehwerbung illegale Sportwetten und Glücksspiel einzudämmen.

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