Japanisches Parlament berät über Legalisierung von Casinos

, Dezember 2, 2016

Pachinko

Haben die beliebten Pachinko-Glücksspielhallen in Japan bald ausgedient? Setzt sich die Regierungspartei LDP durch, könnte noch dieses Jahr der Betrieb von Casinos legalisiert werden! (Bildquelle)

In Japan sind Glücksspiele bisher eigentlich verboten. Dennoch ist Japan mit einem Umsatz von 140 Milliarden Euro einer der größten Glücksspielmärkte der Welt. 100 Millionen Japaner sind verrückt nach Spielen wie Sportwetten, Pferderennen, Lotterien und Pachinko, die alle nicht unter die Glücksspielgesetzgebung fallen. Seit geraumer Zeit arbeitet die Regierung an einem neuen Gesetz, mit dem Casinos legalisiert werden sollen. Seit dieser Woche ist das Gesetz Thema im Parlament. Die liberaldemokratische Partei LDP von Ministerpräsident Shinzo Abe hofft, das Gesetz bis Mitte Dezember durchzubekommen.

 

Trotz eines Verbotes sind Glücksspiele in Japan allgegenwärtig. Knapp 60 Prozent der Einnahmen stammen aus den 16.000 Spielhallen mit fast 400.000 Pachinko- und Pachislot-Automaten. Diese beiden Spiele fallen offiziell trotz möglicher Sachgewinne nicht unter das Gesetz. Pachislot ist die japanische Version der Slotautomaten, Pachinko eine Mischung aus Geldspielautomat und Arcade-Spiel.

 

Sachpreise können nach dem Pachinko gegen Geld getauscht werden

 

Beim Pachinko fallen Metallkugeln in einen Automaten. Die Kugeln fallen durch ein Labyrinth aus Stiften, Kanälen und Klappen nach unten. Der Spieler versucht, sie mit einem Hebel in ein Trefferloch zu steuern. Zu gewinnen gibt es keine Geldpreise, dafür aber wertvolle Sachpreise wie beispielsweise Goldbarren. In der unmittelbaren Umgebung der meisten Spielhallen gibt es dann Händler, die diese Gewinne gegen Bargeld ankaufen. Verkäufer und Ankäufer bekommen sich bei dieser Transaktion häufig gar nicht zu sehen. So kann durch dieses Schlupfloch das Verbot der Geldgewinne umgangen werden.

 

Angesichts einer gigantischen Staatsverschuldung fordert die Wirtschaft der Industrienation schon seit Jahren die Zulassung von Casinos. Viele Gelder gingen bisher beispielsweise nach Südkorea, dem Nummer-Eins-Reiseziel für japanischen Casino-Fans. Angedacht ist der Bau großer Komplexe in Tokio und in Osaka mit Hotels, Kinos und Einkaufspassagen. Um private Investoren anzulocken, sollen in den Regionen Sonderzonen mit abgesenkten Steuersätzen entstehen. Dies soll nicht nur wirtschaftliche Impulse in Milliardenhöhe mit sich bringen, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen. Die Resorts könnten zudem den Tourismus ankurbeln. Mit den Einnahmen will Japan auch die Infrastrukturmaßnahmen für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio finanzieren.

 

Buddhistischer Koalitionspartner befürchtet einen Anstieg der Spielsucht

 

Um das Gesetz durchzubringen, braucht die LDP allerdings die Unterstützung ihres buddhistischen Koalitionspartners Komeito. Dieser hat die Sorge, dass sich durch die Legalisierung von Casinos die Spielsucht im Land verschlimmern könnte. Die oppositionelle DPP-Partei will das Gesetz auf jeden Fall verhindern. Von der Glücksspiellobby und den Medien in Japan werden die Risiken der Spielsucht kaum thematisiert. Offiziell gibt es eine solche Krankheit gar nicht. Doch als Folge der Überalterung verzocken immer mehr Senioren ihr Geld aus purer Langeweile an den Automaten. Laut einer Studie des Magazins Asahi seien etwa 5 Mio. Japaner, etwa fünf Prozent der Bevölkerung, glücksspielsüchtig. Auch der Pachinko-Industrie drohen Einbußen, da viele Spieler in Zukunft wegen der besseren Gewinnchancen in die Casinos wechseln könnten.

 

Die Polizei befürchtet, dass die berüchtigte japanische Mafia, die Yakuza, ins Casino-Geschäft einsteigen werde, sobald diese legalisiert seien. Das Wort „Yakuza“ hat seinen Urspung im Glücksspiel. Es wird oft mit dem wertlosen Blatt „8–9–3“ im Kartenspiel Oichokabu erklärt. Lange Zeit erpresste die Mafia Schutzgelder von der Pachinko-Industrie und bereicherte sich am Umtausch der Sachgewinne in Geld. Erst in den Neunzigerjahren wurde die Yakuza durch die öffentliche Aufsichtsbehörde Secta aus dem Pachinko verdrängt. Die Secta erteilt Lizenzen und überwacht die Sicherheit der Spielhallen. Die Behörde ist fest in der Hand ehemaliger Polizisten. Doch seit dem Ausstieg aus dem Pachinko hat die Yakuza ein neues Betätigungsfeld gefunden: Die Mafia betreibt landesweit zahlreiche illegale Casinos. Allein im Großraum Tokio soll es aktuell mehr als 1.000 überwiegend von der Yakuza organisierte Untergrundcasinos geben.

 

Internationale Casino-Anbieter zeigen großes Interesse an den Lizenzen

 

Das neue Gesetz wäre nur der erste Schritt. Sollte die LDP mit ihrer Initiative Erfolg haben, gilt es danach Regularien und Lizenzen für Anbieter zu schaffen. Internationale Konzerne wie das Hard Rock Café International, MGM Resorts International oder Las Vegas Sands haben schon ihr großes Interesse bekundet. Auch Genting Singapore oder Melco Crown Entertainment würden sich womöglich um eine Lizenz bewerben. In Japan selbst wollen Universal Entertainment von Glücksspiel-Mogul Kazuo Okada und das Unternehmen Sega Sammy natürlich auch eine Casino Lizenz in ihrem Heimatland. Sega Sammy arbeitet aktuell an der Eröffnung des Paradise City Casonos in Incheon, Südkorea.

 

Japan könnte der zweitgrößte Casinomarkt der Welt hinter der chinesischen Insel Macao werden. Die US-Investmentbank Union Gaming Group schätzt das anfängliche Umsatzpotenzial auf jährlich 7,4 Milliarden Euro, weit mehr als in Las Vegas. Der Melco Crown CEO Lawrence Ho sagte zu dem geplanten Gesetz:

“Jeder will nach Japan. Die Gesetzgebung scheint nun endlich Fortschritte zu machen. Ich persönlich habe für dieses Gesetz schon seit vielen Jahren Lobbyarbeit betrieben. Unser Unternehmen hat großes Interesse. Wenn wir dürfen und das Glück haben, werden wir definitiv an dem Regulierungs-Prozess teilnehmen.“