, August 17, 2017

Danylo Ishutin beim Spielen

Danylo Ishutin ist einer der besten Dota 2 Spieler der Welt und unterlag dennoch dem Bot. (Bildquelle)

Bei der Dota 2 Weltmeisterschaft „The International“ vom 7. bis 12. August 2017 in Seattle hat die NGO OpenAI zum ersten Mal ihren eSports-Bot vorgestellt. Die künstliche Intelligenz der Organisation hat im direkten Wettkampf einige der besten Computerspieler der Welt in dem beliebten Strategiespiel Dota 2 besiegt, darunter den ukrainische eSports-Star Danylo “Dendi” Ishutin. Dendi gehört zu den unangefochtenen Topspielern in seiner Disziplin und musste sich dennoch zweimal dem Programm geschlagen geben. Das Forschungsteam um Gründer und Geldgeber Elon Musk gibt an, für das Training und den Lernprozess des Bots nicht mehr als zwei Wochen gebraucht zu haben. OpenAI hat bereits angekündigt, für das nächste Jahr ein „Team“ aus Bots aufzustellen, das in den üblichen 5-gegen-5 Turnieren bei Dota 2 gegen eine menschliche Mannschaft antreten soll. Interessierten Spielern will die Organisation außerdem ihre Roboter zu Übungszwecken zur Verfügung stellen.

 

AI immer einen Schritt voraus

Das Testspiel gegen den Dota 2 Profi Danylo Ishutin umfasste zwar noch nicht das komplette Arsenal der Spielmöglichkeiten des Taktik-Shooters, doch die Überlegenheit des Computers war deutlich zu erkennen. Den Erfolg des Dota 2 Bots erklären die Wissenschaftler von OpenAI mit dem enormen Lernpotenzial und der Geschwindigkeit des Programms. Mitgründer und technischer Leiter von OpenAI Greg Brockman führt dazu aus:

„Man kann erkennen, wie schnell das Programm ist und dass kein Mensch seine Aktionen genauso gut ausführen kann. Gleichzeitig ist es aber auch ein Stratege und kann den nächsten Schachzug seines Gegners vorhersehen.“

Der mehrfach unterlegene Dendi beschreibt seine Erfahrungen und Gefühle im Spiel gegen das Programm als zwiespältig. Zum Teil habe sich die Partie fast „menschlich“ angefühlt, zum Teil aber auch „wie etwas anderes“. Trainiert wurde das Programm durch ein sogenanntes „self-play“. Bei diesem Ansatz spielt der Computer gegen sein Ebenbild, eine Kopie von sich selbst, um so einen unermesslichen Erfahrungsschatz anzuhäufen. Das Prinzip erklärt Greg Brockman so:

„Wenn man als Anfänger gegen einen Profi spielt, zum Beispiel Tennis gegen Serena Williams, dann wird man vernichtend geschlagen und merkt gar nicht, was man hätte besser machen können. Spannend wird es erst, wenn ein Gegner genau gleich stark ist. Denn dann fängt man an eine neue Strategie zu entwickeln und das spiegelt sich auch in der eigenen Leistung wider.“

Bots auch bei Poker und Co. auf dem Vormarsch

Multiplayer Online Battle Arenas wie Dota 2 gehören zu den komplexesten und temporeichsten Spielen überhaupt. Spieler benötigen teilweise Jahre, um alle Tücken und Feinheiten des Spiels zu beherrschen. Eine künstliche Intelligenz ist hingegen in der Lage, die 113 spielbaren Charaktere von Dota 2, ihre Stärken und Schwächen, ihre Gerätschaften und Waffen innerhalb kürzester Zeit zu verinnerlichen und im passenden Moment einzusetzen. Dies stellt die kurze Zeit, die das OpenAI-Programm gebraucht hat, um Weltklassespieler wie Dendi auszuspielen, eindrucksvoll unter Beweis. Aber auch in anderen populären und strategisch extrem fordernden Spielen haben Computerprogramme schon Spieler von Weltrang besiegt. So musste sich Schachweltmeister Garri Kasparov bereits 1990 dem Programm „Deep Blue“ geschlagen geben, während Ke Jie, der 19-jährige Weltranglistenerste im Brettspiel „Go“, diesen März von dem Go-Bot „AlphaGo“ besiegt wurde. Im Poker verhält es sich ähnlich. Die künstliche Intelligenz „Libratus“ schlug im Januar vier der besten Pokerspieler der Welt.

 

Elon Musk warnt vor Roboterherrschaft

Elon Musk

Technik-Unternehmer Elon Musk (Bildquelle)

Elon Musk, Investor und Mitbegründer von OpenAI, ist Geschäftsmann und Unternehmer. Der gebürtige Südafrikaner hat unter anderem in den Elektroautohersteller Tesla investiert und fungiert mittlerweile als dessen CEO. OpenAI gründete Elon Musk 2015. Er gilt als vehementer Verfechter der Theorie, dass künstliche Intelligenz eine Bedrohung für die Gesellschaft darstelle und kontrolliert werden müsse. Der 46-jährige Multimilliardär warnt immer wieder vor den Fallstricken künstlicher Intelligenz und stuft ihr Risiko sogar höher ein als aktuell die Gefahr, die von Nordkorea ausgeht. Mit seinen Investitionen und Unternehmen verfolgt er das Ziel, künstliche Intelligenz zum Vorteil der Gesellschaft einzusetzen. Durch automatisierte Prozesse und den Einsatz von Computerprogrammen könne man etwa Arbeitsplätze einsparen und stattdessen ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen. Seine Warnungen vor Bots gelten in der Szene jedoch als unbegründet.