, September 28, 2017

Tom Watson, stellvertretender Parteivorsitzender der Labour Party

Tom Watson von der Labour Party bittet Großbritanniens Buchmacher zur Kasse. (Bildquelle)

Mit einer neuen Pflichtabgabe für Glücksspielfirmen will die britische Labour Party das Problem Spielsucht in den Griff bekommen. Dies gab der stellvertretende Parteivorsitzende der Sozialdemokraten, Tom Watson, auf der Jahreshauptversammlung der Partei bekannt. Im Rahmen der angestrebten Neuerung sollen britische Buchmacher eine verpflichtende Abgabe an einen Fonds entrichten. Dieser wiederum soll der Bekämpfung von Spielsucht durch das staatliche Gesundheitssystem dienen. Zu den möglichen Maßnahmen gehören Forschungsgelder, die Finanzierung von Therapien und anderen Behandlungen sowie Aufklärungskampagnen. Die Association of British Bookmakers hat sich dem Vorschlag gegenüber bereits offen gezeigt und eingewilligt, eine solche Abgabe zu zahlen. Voraussetzung ist allerdings, dass diese „angemessen“ ausfällt. Die Labour Party mit Jeremy Corbyn als Vorsitzendem ist neben der Conservative Party eine der beiden größten Parteien im Vereinigten Königreich. Aktuell befindet sie sich in der Opposition. Premierministerin Theresa May stellt mit ihren Tories die konservative Regierung.

 

Den Teufelskreis der Sucht durchbrechen

Die Labour Party steht dem Thema Glücksspiel grundsätzlich kritisch gegenüber. So sprach Tom Watson in diesem Zusammenhang auf der Jahresversammlung seiner Partei im südenglischen Brighton von einem „zerstörerischen Teufelskreis der Sucht“. Diesen gelte es nun zu durchbrechen. Das Mittel zum Zweck sehen die Sozialdemokraten in der neuen Abgabe. Laut einer neuen Studie der UK Gambling Commission sind rund 2 Millionen Briten spielsüchtig oder weisen zumindest ein problematisches Spielverhalten auf. Die Untersuchung verzeichnete zudem in den letzten drei Jahren einen Anstieg von einem Drittel bei den Betroffenen über 16 Jahren. Angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklung ist die Regierung bemüht, die Problematik in den Griff zu bekommen und Spielsucht einzudämmen. Ein möglicher Weg ist die von der Labour Party vorgeschlagene Abgabe. Die bisherige freiwillige Abgabe in Großbritannien in Höhe von 0,01 % des Gewinns hat sich als nicht zielführend erwiesen. Anbieter konnten diese an gemeinnützige Organisationen wie etwa GambleAware abführen.

 

Mehr Gelder für staatliches Gesundheitssystem

Die Labour Party will prüfen, inwieweit der National Health Service, das staatliche Gesundheitssystem des Vereinigten Königreiches, die Behandlung von spielsuchtkranken Menschen übernehmen kann. Mit den zusätzlichen Geldern sollen neben Forschungsarbeiten im Bereich Spielsucht auch ganz konkret die Kapazitätsgrenzen der Krankenhäuser ausgebaut und die Einrichtungen mit der nötigen Infrastruktur zur zielgerichteten Behandlung von spielsuchtkranken Patienten ausgestattet werden. Des Weiteren müssen Mitarbeiter außerhalb der Krankenhäuser sowie Beratungsstellen, Alltagsbegleiter und Seelsorger finanziert werden. Vor allem der von den Sozialdemokraten angeprangerte Fokus von Anbietern auf einkommensschwache Personengruppen und Gemeinden soll mit der zusätzlichen Aufmerksamkeit und Vorsorge verhindert werden. Bisher gibt es mit der „National Problem Gambling Clinic“ im Londoner Bezirk Fulham lediglich eine einzige Einrichtung, die sich ausschließlich der Behandlung von Spielsucht widmet.

 

Buchmachervereinigung zeigt Zustimmung

Die Association of British Bookmakers erklärte Tom Watson und seinem Vorstoß in einem Statement ihre Unterstützung. So heißt es in der Meldung:

„Wir stehen einer angemessenen, verpflichtenden Abgabe für die Glücksspielindustrie, die zur Finanzierung von Spielsucht aufgewendet werden soll, nicht abweisend gegenüber. Wir fordern schon lange, dass die Branche zusammenarbeiten muss, um die Zahl der Spielsüchtigen zu reduzieren und in den öffentlichen Fokus zu rücken, dass die Mehrheit der Betroffenen zwischen verschiedenen Formen von Glücksspiel hin- und herwechselt.“

Die Antispielsucht-Organisation GambleAware zeigte sich ebenfalls erfreut über den Vorstoß der Sozialdemokraten. Zur wirksamen Bekämpfung dieser psychischen Erkrankung brauche es allerdings mehr als nur die Einbeziehung des staatlichen Gesundheitssystems, heißt es seitens der Organisation. Die Regierungsbehörde Public Health England sowie alle untergeordneten Einrichtungen auf Gemeindeebene müssten zusammenarbeiten, um die weitreichenden Auswirkungen von Spielsucht auf das komplette Leben der Betroffenen erfolgreich zu bekämpfen.

 

„Unsichtbare Epidemie“ in Großbritannien bannen

Tom Watson appelliert nicht zum ersten Mal an die Integrität der Glücksspielfirmen. Er fordert einen radikalen Kurswechsel der Anbieter, die sich bewusst die Anfälligkeit und Abhängigkeit vieler Menschen zu Nutze machten. Dieser „unsichtbaren Epidemie“ gelte es Einhalt zu gebieten, wie der stellvertretende Parteivorsitzende auf der Versammlung seiner Partei forderte:

„Einige Glücksspielanbieter sind von Gier geleitet und haben es bewusst auf die ärmsten Gemeinden unseres Landes abgesehen. Und das in Zeiten, wo bereits hunderttausende Existenzen von Spielsucht ruiniert worden sind.“

Er fügte hinzu:

„Spielsucht ist eine Krankheit und es ist an der Zeit, dass wir sie endlich ernst nehmen.“

Darüber hinaus prangerte Tom Watson an, dass sogar Daten erhoben würden, die einkommensschwache Spieler sowie solche, die bereits eine Suchterkrankung hinter sich haben, identifizierten. Diese Personen seien leichte Beute und ein derartiges Vorgehen müsse unter allen Umständen verhindert werden. Anbieter seien für ihren Missbrauch von Macht und Vertrauen zur Verantwortung zu ziehen. Nach Ansicht der Labour Party solle der gesamte Glücksspielsektor gleich der Tabakindustrie behandelt werden, sprich Werbung und öffentlichkeitswirksame Sponsoringverträge mit beispielsweise Fußballvereinen sollten eingeschränkt werden. Ein weiteres großes Thema sind die Einsatzgrenzen der sogenannten „fixed-odds betting terminals“, kurz FOBTs. Die Labour Party fordert eine Herabsetzung der aktuellen 100 Pfund auf lediglich 2 Pfund.