, January 16, 2017

„Brains vs. AI Poker Tournament“

Gewinnt die Künstliche Intelligenz Libratus erstmals beim Poker gegen Profis? Nach 2 Tagen liegt der Bot weit vorne! (Bildquelle)

Immer wieder schicken Wissenschaftler Künstliche Intelligenzen bei Brett- oder Geschicklichkeitsspielen in den Wettkampf gegen Profis. Beim Schach oder Go konnten die Computer beispielsweise schon die besten Spieler der Welt besiegen. Auch beim Poker wird seit Jahren an sogenannten Bots gearbeitet, welche eines Tages dem Menschen überlegen sein sollen. Seit dem 11. Januar spielt die neuste Künstliche Intelligenz mit dem Namen Libratus in Pennsylvania beim „Brains vs. AI Poker Tournament“ ihr erstes Turnier gegen Pokerprofis.

 

Für die Menschen treten die vier Pokerprofis Jason Les, Dong Kim, Daniel McAuley und Jimmy Chou an. 20 Tage lang wird Heads-Up No-Limit Texas Hold’em gespielt. Am 30. Januar ist das Turnier nach etwa 120.000 Händen zu Ende. Die Matches werden live auf Twitch übertragen. Auf den Gewinner warten 200.000 Dollar. Der Glücksfaktor soll weitgehend eliminiert werden, indem es duplizierte Decks gibt. In zwei parallelen Matches werden jeweils die gleichen Hole Cards und Community Cards ausgeteilt, wobei die Hole Cards vertauscht werden.

 

Libratus wurde 15 Mio. Stunden Pokerspiel gefüttert

 

Entwickelt wurde Libratus von der „Carnegie Mellon“-Universität (CMU) in Pittsburgh, Pennsylvania. Hinter dem Programm stehen Professor Tuomas Sandholm sowie sein Student Noam Brown. Das Duo arbeitet mit dem Pittsburgh Supercomputing Center zusammen und Libratus wurde mit Daten aus 15 Mio. Stunden Pokerspiel gefüttert.

 

Bisher taten sich die Wissenschaftler mit Künstlichen Intelligenzen beim Poker noch schwer. Dinge wie die Varianz, das Bluffen, die Unberechenbarkeit des Menschen oder das Erhöhen der Einsätze machten den Programmierern zu schaffen. Ein Computer kann nur sehr schwer einschätzen, welche Auswirkungen die Karten auf der Hand seines Gegners auf das Pokerspiel haben können. Auch hat die Software Probleme damit, dass beim Poker nicht alle 52 Karten ausgegeben werden und manche Karten als „Burn Cards“ beim Dealer verbleiben.

 

Poker-Bots werden mit dem Nash-Gleichgewicht optimiert

 

Immer mehr Entwickler optimieren nun ihre Künstlichen Intelligenzen mit dem Nash-Gleichgewicht. Diese mathematische Spieltheorie geht auf den Mathematiker John F. Nash zurück, dessen Leben und Theorie im Hollywood-Film “A Beautiful Mind” von 2001 mit Russell Crowe in der Hauptrolle thematisiert wurde. Bei dieser berühmten Theorie gilt es, in nicht-kooperativen Spielen die Strategie zu finden, welche die Gegenspieler weitgehend daran hindert, ihre eigenen Strategien im Laufe des Spiels zu ändern.

 

Die Algorithmen von Libratus sind nur mit den Regeln des Pokerspiels ausgestattet, aber nicht mit dem Wissen über gängige Spielstile und Strategien von Pokerprofis. Damit seien die Züge des Computers für die Gegenspieler nicht einfach vorherzusehen, da Menschen vom gewohnten Umgang mit den Karten ausgehen. Der Pokerprofi Jason Les, der schon in Testspielen gegen Libratus angetreten war, bezeichnete seine Erfahrung gegen die Maschine als Schinderei.

 

Libratus liegt nach zwei Tagen mit 150.000 Dollar in Führung

 

Kann der Computer nun auch beim Pokern den Menschen schlagen? Bereits am ersten Tag erspielte sich der von der „Carnegie Mellon“-Universität geschaffene Bot 81.716 Dollar. Die menschlichen Pokerspieler gewannen lediglich 7.228 Dollar. Nach dem zweiten Wettkampftag lag Libratus sogar mit 150.000 Dollar in Führung.

 

Beim Schach hatte schon im Jahr 1996 die künstliche Intelligenz Deep Blue den Schachweltmeister Garry Kasparov besiegt. Bis zum Jahr 2015 galt auch das chinesische Brettspiel Go noch als von Computern unschlagbar. Doch dann besiegte das Programm AlphaGo aus dem Hause Google zuerst 2015 den amtierenden Europameister Fan Hui und dann im März 2016 den südkoreanischen Großmeister Lee Seedol.

 

Künstliche Intelligenzen sollen bei medizinischer Forschung eingesetzt werden

 

Die Künstliche Intelligenzen der Entwickler sollen aber nicht nur zum Pokerspielen genutzt werden. Die Programme sollen in Zukunft auch bei komplexen Auktionen genutzt werden können, in welchen Firmen und private Bieter darauf angewiesen sind, ihre möglichen Gewinne oder Verluste im Vorhinein einschätzen zu können. Auch in der medizinischen Forschung soll der Einsatz von Künstliche Intelligenzen in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.

 

2015 war die „Carnegie Mellon“-Universität schon mit einer Software gegen Pokerspieler angetreten. Damals spielte der Poker-Bot „Claudico“ in einem Texas Hold’em Wettkampf gegen vier Poker-Profis, darunter auch den WSOP-Bracelet-Gewinner Doug Polk. Der Wettkampf ging über 80.000 Hände No-Limit Hold’em Heads-Up. Am Ende setzten sich die Menschen recht deutlich durch und erspielten 7.327 Big Blinds. Informatikprofessor und Claudico-Entwickler Dr. Toumas Sandholm sprach am Ende aber trotzdem von einem statistischen Unentschieden. Grund hierfür sei laut dem Wissenschaftler, dass die vier Poker-Profis 9,15 BB/100 Hände Gewinn gemacht hatten, aufgrund der hohen Varianz jedoch nur mit 92 Prozent Zuversicht von einem Sieg gesprochen werden konnte.

 

„Jetzt haben wir eine übermenschlich gute Poker-Software“

 

Zudem erklärte Dr. Toumas Sandholm gegenüber der Seite TheVerge.com:

“Wir hätten schon vor zwei Jahren einen anderen Bot einsetzen können. Aber das war damals nicht das Ziel. Erst heute sind wir soweit, dass wir nicht nur eine Künstliche Intelligenz an den Pokertisch setzen, die sich mit den Profis messen kann, sondern eine übermenschlich gute Software wie Deep Blue oder Watson.“