Mafia nutzt Maltas Casinofirmen für Geldwäsche

, September 10, 2017

Blick auf Valletta

Malta ist Urlaubsziel und Steueroase zugleich. (Bildquelle)

Europol hat in einem Bericht einen Fall aus dem Jahre 2015 publik gemacht, als Mitglieder der italienischen Mafia rund 2 Milliarden Euro über auf Malta niedergelassene Glücksspielanbieter gewaschen hatten. Damals waren sechs Online Casinos mit dem Fall in Verbindung gebracht und geschlossen worden, darunter Betuniq, Betsolution4U and Fast Run Limited. Mitglieder der kalabrischen ’Ndrangheta hatten ein Netzwerk aus Strohfirmen aufgebaut, über das Gelder aus Drogengeschäften geschmuggelt wurden. Eine weitere Infiltrierung der Branche durch die Mafia konnte im Zuge der Ermittlungen ebenfalls nachgewiesen werden. Das Antigeldwäschegesetz der EU wurde jüngst um einen Absatz zum Thema Online Glücksspiel ergänzt. Im Rahmen der Anti-Mafia-Offensive der EU und der Neuerungen im Geldwäschegesetz könnten nun weitere Ermittlungen auf den Glücksspielsektor in Malta zukommen. Allein 2016 hatten sich die Meldungen illegaler Aktivitäten auf der Insel verdoppelt.

 

Neues Antigeldwäschegesetz erfasst auch Online Casinos

Vor zwei Monaten wurde das Antigeldwäschegesetz der EU von landbasierten Casinos auf Online Casinos ausgeweitet. Europol warnt, dass mit dieser Neuerung eine große Flut an Meldungen bei der Malta’s Financial Intelligence Analysis Unit (FIAU), der Antigeldwäschebehörde Maltas, eingehen könnte. Der Glücksspielsektor müsste sich in diesem Fall auf weitere Ermittlungen gefasst machen. Die 4. Antigeldwäsche-Richtlinie der EU wurde zwar bereits 2015 beschlossen, trat jedoch erst am 26. Juni 2017 vollständig in Kraft. In Artikel 3 Nummer 14 definiert die EU den Begriff des Glücksspiels so:

„[…] Wettaktivitäten, die an einem festen Standort oder durch die Zuhilfenahme bestimmter Instrumente über eine längere Distanz angeboten werden, etwa über eine elektronische oder andere technologische Anfrage des Kunden.“

Ein Anstieg der Meldungen scheint vor allem in Anbetracht des relativ geringen Aufkommens in der Vergangenheit wahrscheinlich. So wurden in dem 8-jährigen Untersuchungszeitraum von Europol weniger als 1.000 Hinweisen auf verdächtige Geldbewegungen bei der FIAU registriert. Lediglich 63 Fällen wurden genauer untersucht. Diese Zahlen fallen im Vergleich zu anderen Ländern und angesichts Maltas starkem Finanzsektor mit seinem Ruf als Steueroase und verhältnismäßig großen Bankensystem sehr gering aus. Der Europol-Bericht deckt den Zeitraum von 2006 bis 2014 ab.

 

Kriminalitätsstrukturen auf Malta auslandsdominiert

Die Zahlen der FIAU für 2016 bestätigen die Zukunftsprognose von Europol. Die Behörde erklärte, im vergangenen Jahr insgesamt 565 Meldungen erhalten zu haben. Dies entspricht einem Anstieg von 284 Meldungen und 101 % im Vergleich zum Vorjahr. 39 der Hinweise wurden an die maltesische Polizei weitergeleitet, um dem Verdacht auf Geldwäsche nachzugehen. Aber nicht nur in der Anzahl der gemeldeten Vorfälle unterscheidet sich Malta von den übrigen EU-Staaten. Während andere Behörden meldeten, dass ein Großteil der Kriminalität auf Staatsbürger des eigenen Landes zurückzuführen sei, registrierte die FIAU doppelt so viele Anzeigen gegen Ausländer als gegen Einheimische. So seien die in Frage stehenden Konten nicht auf Malteser angemeldet, sondern in den meisten Fällen auf Italiener oder Briten. Ähnlich verhält es sich übrigens in Zypern. Auch dort fielen die von Banken, Rechtsanwälten und anderen Finanzdienstleistern gemeldeten verdächtigen Transaktion sehr niedrig aus.

 

Strohfirmen für Drogenhandel

Mario Gennaro vor Gericht

Clan-Oberhaupt Mario Gennaro (Bildquelle)

Obwohl die Details des Falls von 2015 mit und mit ans Licht kommen, ist das genaue Ausmaß der Mafia-Aktivitäten auf Malta noch unbekannt. Europols geheimdienstlicher Bericht zur Finanzkriminalität enthüllt, dass insgesamt sechs Mitglieder des kalabrischen Mafiasyndikats ’Ndrangheta ein Netzwerk aus Schattenfirmen auf Malta aufgebaut hatten. Alle operierten offiziell im Bereich Online Glücksspiel und verfügten über eine Lizenz der MGA, fungierten jedoch lediglich als Briefkastenfirmen für die Mafia. Auf diese Weise wurden Gelder aus illegalen Geschäften wie etwa Drogenhandel verschleiert. Nachdem es der Polizei gelungen war, das über Italien kontrollierte Netzwerk auf Malta zu sprengen, wurden die sechs ausführenden Mitglieder des Syndikats nach Italien ausgeliefert und dort der Geldwäsche angeklagt. Darunter ist auch Mario Gennaro, Oberhaupt des Clans aus Kalabrien. Dieser lebt nach seiner Kooperation mit den Behörden im Zeugenschutzprogramm der italienischen Polizei. Insgesamt wurden damals Bargeld, Immobilien und Unternehmensanteile an Poker- und Wettfirmen im Wert von zwei Milliarden Euro beschlagnahmt.