Umfrage zum Mindestabstandsgesetz: Ist die Schließung von Spielhallen sinnvolle Prävention?

, Dezember 1, 2016

Spielautomaten

Spielautomaten der Löwen Gruppe (Bildquelle).

Für die dritte Ausgabe der Publikation Glücksspielbarometer der Löwen Entertainment GmbH hat das Beratungsunternehmen Smartcon eine Umfrage zur Schließung von Spielhallen durchgeführt. Aufgrund des Inkrafttretens des Mindestabstandsgesetzes im Juli 2017 wird mancherorts das Angebot an Spielhallen halbiert. Laut Online Befragung hält die Mehrheit der Bevölkerung Schließungen aber für eine wirkungslose Maßnahme bei der Glücksspielprävention. Statt Prävention findet eine Abwanderung zu Online Angeboten statt. Als Auftraggeber der Umfrage spricht sich Löwen Entertainment für Schutz- und Hilfsmaßnahmen vor Ort aus.

Mindestabstandsgesetz soll eigentlich die Spielsuchtprävention fördern

Die neuen Landesspielhallengesetze schreiben vor, dass Spielhallen einen gewissen Abstand zum nächstgelegenen Glücksspiel Anbieter einhalten müssen. Damit das Mindestabstandsgesetz eingehalten werden kann, müssen viele Spielhallen schließen. Fachleute gehen von einer Halbierung des Marktes staatlich lizenzierter Spielhallen aus. Die einzelnen Bundesländer haben unterschiedliche Vorschriften und gehen verschieden mit den Schließungen um. Der Mindestabstand führte zur Ankündigung etlicher Klagen (wir berichteten). In der Bevölkerung und bei Suchtforschern wird ein positiver Effekt zur Spielsuchtprävention angezweifelt.

Repräsentative Umfrage zu Präventionsmaßnahmen

Im Rahmen des Glücksspielbarometers ließ Löwen Entertainment im September 2016 insgesamt 1.000 Online Interviews durchführen. Die Stichprobe war repräsentativ für die bundesdeutsche Gesamtbevölkerung: 320 Teilnehmer hatten mindestens einmal in ihrem Leben an einem Geldspielautomaten in einer Spielhalle oder Kneipe gespielt, während es die restlichen 680 Teilnehmer bis zu diesem Zeitpunkt noch nie getan hatte. Zusätzlich erfolgte eine Befragung von 61 Spielgästen. Das Ergebnis: Die Befragten halten die Schließung von Spielhallen aufgrund des Mindestabstandgesetzes für „eine übertriebene Maßnahme ohne Effekt.“ 85 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass

„die meisten Spieler trotzdem immer einen Weg finden, um zu spielen.“

88 Prozent sahen die Gefahr, dass Schließungen Spieler auf Online Angebote und illegale Spielstätten ausweichen lassen.

Bestehende Maßnahmen als wirkungsvoller eingestuft

Weiterhin schreibt die Mehrheit der Befragten den existierenden Schutzmaßnahmen und Hilfsangeboten in Spielhallen eine weitaus bessere Wirkung zu. 77 % sind der Meinung, dass problematisches Spielverhalten durch psychologische Präventionsberater vor Ort und Aktionen wie „Spiel bewusst“ verhindert werden kann. 84 Prozent der befragten Spielgäste stimmten dem ebenfalls zu. Beim Vergleich von Online Angeboten und Spielhallen ergab sich, dass 75 Prozent der Befragten im Internet kaum soziale Kontrolle sehen, während knapp 90 Prozent von Spielhallenbesuchern mit den Maßnahmen zum Spielerschutz in ihrer Stamm-Spielhalle zufrieden sind.

Ausweichverhalten aufgrund von Spielhallenschließungen

In der Umfrage bestätigte sich die Vermutung, dass eine Ausdünnung der Spielhallen durch das Mindestabstandsgesetz zu einem Ausweichverhalten bei Spielern führt. Ein Großteil von 72 Prozent der befragten Spielgäste gab an, notfalls in eine andere Spielhalle zu gehen, sollte die eigene Stamm-Spielhalle von einer Schließung betroffen sein. 30 Prozent erklärte Online Glücksspiele zu einer Ausweichmöglichkeit.

Mindestabstandsgesetz beeinflusst Expansion des Marktes

Von 2012 auf 2014 reduzierte sich die Anzahl der Spielhallenstandorte in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Arbeitskreises gegen Spielsucht aus Unna unter der Leitung von Jürgen Trümper und Christiane Heimann. Diese aus gesundheitspolitischer Sicht positive Entwicklung hat nach Ansicht der Studienleiter ihre Ursache im Inkrafttreten des ersten geänderten Glücksspielstaatsvertrags und den jeweiligen Landesgesetzen der Bundesländer. Allerdings wird sich der Spielhallenmarkt bis zum Auslaufen sämtlicher Übergangsregelungen Mitte 2017 weiterhin auf hohem Niveau bewegen. Für die Studienleiter ist klar: Erst die Zukunft wird zeigen, mit welcher Konsequenz die Länder und Kommunen die Gesetze umsetzen können. Befreiungen, Härtefallregelungen oder Klagen der Betreiber könnten die Intention des Gesetzgebers, den Spielhallenmarkt im Sinne des Spielerschutzes zu reduzieren, unterlaufen.