Glücksspielunternehmen diskutieren neue Maßnahmen zur Suchtprävention

, September 14, 2017

Europas Glücksspielbranche tagt in London.

Im OXO Tower in London trafen sich Europas führende Glücksspielregulierer und -anbieter. (Bildquelle)

Zahlreiche europäische Glücksspielregulierer und -anbieter haben am 12. September in London an der Veranstaltungsreihe World Regulatory Briefing (WrB) teilgenommen. In diesem Jahr lag das Hauptaugenmerk der Konferenz auf den Neuerungen im Bereich „Verantwortungsbewusstes Glücksspiel“ und Maßnahmen zur Suchtprävention. Die Konferenz wurde traditionsgemäß von Clarion Events organisiert und gilt als richtungsweisend für neue Trends in der Glücksspielbranche.

 

Betreiber haben eine soziale Verantwortung

Mit jeder neuen technischen Entwicklung steigt die Gefahr der digitalen Abhängigkeit. Welche Maßnahmen können Glücksspielanbieter treffen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und damit nachhaltig verantwortungsbewusstes Glücksspiel zu betreiben? Mit dieser Frage beschäftigten sich die führenden europäischen Anbieter am Dienstag. Der OXO Tower mit Blick auf die Themse lieferte die Bühne für eines der meistbeachteten Events für Online-Glücksspielanbieter im Netz.

 

Tim Miller, Executive Director der Gambling Commission in Großbritannien, betonte in seinem Vortrag vor allem die soziale Verantwortung der Glücksspielbetreiber. Trotz aller Bemühungen zur Suchtprävention herrsche noch immer zu viel Ungewissheit über das Verhalten von Glücksspielern und die gesellschaftliche Anerkennung dieses Wirtschaftszweiges. Die Mehrheit der Briten sei dafür, dass jeder Erwachsene freien Zugang zum Glücksspiel habe. Knapp 70 Prozent der Befragten gaben jedoch auch an, dass sie das Glücksspiel als bedrohlich für das Familienleben ansehen.

 

Tim Miller, Geschäftsführer der Gambling Commission

Tim Miller                    (Bildquelle)

„Es gibt immer noch viel Zuspruch für das Glücksspiel als lockeren Zeitvertreib, aber eben auch große Sorgenfalten über die Art und Weise, wie es angeboten wird. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Menschen In Großbritannien glücklich sind, dass das Glücksspiel existiert. Es sollte jedoch fairer und sicherer werden.“

 

Tim Miller ist seit 2016 verantwortlicher Executive Director der UK Gambling Commission. Bei der großen WrB-Konferenz erinnerte er in seinem Vortrag an die negativen Auswirkungen einer Spielsucht und die damit verbundenen Einzelschicksale.

 

Miller nannte zahlreiche Gründe dafür, ein Glücksspielunternehmen nachhaltig aufzubauen. Die sozialen Werte einer Firma seien nicht nur wichtig, um ein verantwortungsbewusstes Glücksspiel zu unterstützen. Kunden würden diese nachhaltige Ausrichtung auch mit Vertrauen zurückzahlen. Als Beispiel nannte er die Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren. Zahlreiche Studien haben ergeben, dass diese Altersgruppe beim Online-Shopping nicht in erster Linie auf den günstigsten Preis setzt. Den jungen Erwachsenen sei es wichtiger, sich mit dem Unternehmen identifizieren zu können. Gleiches gelte auch für die Berufswahl. Daher betonte Miller:

„So if you want to attract the brightest and the best to come and work for you in future, if you want to appeal to savvy, engaged consumers, the values that your companies demonstrate will be a significant factor in your future success. And being socially responsible is at the core of these values.“

 

Green Gaming setzt neue Maßstäbe zur Suchtprävention

Die soziale Verantwortung von Glücksspielanbietern war auch das Hauptthema bei der Podiumsdiskussion mit Jesper Karrbrink, CEO bei Mr. Green, und Richard Flint von Skybet. Passend dazu verkündete Karrbrink den Start von Green Gaming. Mit dieser neuen Software können Glücksspieler zukünftig das eigene Glücksspielverhalten regulieren. Mit speziellen Einstellungen können wöchtenliche Limits festgelegt werden. Die gesetzten Einsatz- und Verlustlimits können erst nach sieben Tagen erneuert werden. Außerdem werden Zocker benachrichtigt, wenn das eigene Spielverhalten gefährliche Muster aufweist.

Karrbrink machte deutlich, dass das verantwortungsbewusste Glücksspiel in seinem Unternehmen oberste Priorität hat. Nachhaltigkeit sei nicht nur wichtig, sondern würde auf langfristige Sicht auch zum Unternehmenserfolg beitragen. Einen Großteil seiner Zeit verbrachte er zuletzt mit Mitarbeitergesprächen. Das gesamte Unternehmen müsse hinter diesem nachhaltigen Ansatz stehen. Mitarbeiter des Sportwettenanbieters Skybet teffen sogar regelmäßig auf Menschen mit Spielsucht und werden so für das Thema sensibilisiert.

 

Interne Kommunikation ist von großer Bedeutung

Die interne Kommunikation war auch ein großes Thema beim Vortrag von Hillevi Stuhrenberg, CSR-Koordinator bei Betsson. Sie hob die Bedeutung der internen Kommunikation in allen Unternehmensbereichen hervor. Jeder Mitarbeiter müsse die firmeneigene Strategie für ein verantwortungsbewusstes Spielen verinnerlichen. Stuhrenberg ist bei Betsson für Maßnahmen zur Suchtprävention sowie für die gesellschaftliche Verantwortung des Anbieters von Online Casinos und Sportwetten zuständig.

 

Betsson gehört zur BML Group und ist eines der weltweit führenden Glücksspielunternehmen. Stuhrenberg gab auch Einblicke in die Arbeitsabläufe des Großkonzerns. So verwendet Betsson unter anderem die Software Jira zur internen Projektverfolgung. Auf diesem Weg können Mitarbeiter zu jedem Zeitpunkt selbst online nachvollziehen, welchen Fortschritt die Projekte zum verantwortungsbewussten Spielen machen. Zudem erhalten alle Mitarbeiter ein spezielles Training zur Prävention von Spielsucht. Durchgeführte Studien der Unternehmensgruppe haben ergeben, dass Kunden grundsätzlich zufriedener sind, wenn Sie ihr Einzahlungslimit selbst festlegen können.

 

Von diesem Zugriff auf wertvolle Studien sind Glücksspielanbieter in Afrika noch ein gutes Stück weit entfernt. Online Casinos und Sportwettenanbieter boomen jedoch auf dem Kontinent. Daher findet das nächste große WrB-Event im April 2018 in Uganda statt. Ziel ist es, den lokalen Anbietern neue innvoative Ideen zu vermitteln. Internationale Teilnehmer haben hingegen die Chance, ihr Portfolio zu erweitern und einen neuen Markt zu erschließen.