, April 1, 2016

Mark de Jong

Der ehemalige Tennis-Profi Mark de Jong geriet wegen seiner Spielschulden nun in Mordverdacht. (Bildquelle: https://www.flickr.com/photos/ravanloon/6094206273/)

Der niederländische Millionär und Tennissponsor Koen Everink war Anfang März dieses Jahres von seiner Tochter in der Küche seines Anwesens in Bilthoven erstochen aufgefunden worden. Bisher war noch unklar, warum und von wem er ermordet worden war. An Ostern wurde nun Mark de Jong, Coach des aktuell besten niederländischen Tennisprofis Robin Haase, im Zusammenhang mit dem Mordfall auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol festgenommen. Nach der Verhaftung wurde bekannt, dass de Jong Online Poker Spielschulden bei Everink gehabt haben soll.

Der 29-jährige Mark de Jong, der früher selbst als Profi Tennis spielte und wegen einer Verletzung seine Karriere beenden musste, gilt als derjenige, der Koen Everink als Letzter lebend gesehen hat. De Jong soll sich am 3. März mit Freunden in Everinks Haus das Fußballspiel Feyenoord Rotterdam gegen AZ Alkmaar im Fernsehen angesehen haben. Einen Tag später wurde Everink tot mit mehreren Messerstichen in seiner Küche gefunden.

In den Niederlanden als notorisch schlechter Spieler bekannt

Der niederländische Poker-Journalist Frank Op de Woerd deckte auf, dass Tennistrainer de Jong wohl in seiner Freizeit viel Online Poker spielte. Hauptsächlich Low Limit Cash Games bei PokerStars, aber auch Live Poker in Casinos. De Jong war in der Poker-Community in den Niederlanden offenbar als notorisch schlechter Spieler bekannt, der Poker als pures Glücksspiel betrachtet habe. Er soll wohl etwa 70.000 Hände auf PokerStars gespielt, dabei rund 63.000 Dollar verloren und sich von Everink rund 80.000 Euro geborgt haben. Zudem sei de Jong am Rande der Australian Open im Januar im Crown Casino Melbourne in zahlreiche Cash Games verstrickt gewesen sein. Everink soll das Geld nun zurückgefordert haben. Er habe damit gedroht, die Medien von de Jongs Spielsucht zu unterrichten. War das eventuell das Motiv für einen Mord?

Nachdem die Polizei die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen hatte, wurde de Jong als einer der Ersten befragt. Er sagte aus, dass er nach dem Fußballspiel vor dem Haus von Everink verdächtige Personen beobachtet habe, die seiner Meinung nach nichts Gutes im Sinn hatten. Die Polizei hat ihm diese Version wohl zwar nicht abgekauft, lies ihn aber dennoch nach Miami reisen, wo sein Schützling Robin Haase, aktuell Nummer 58 der ATP Weltrangliste, die Miami Open spielte. Haase musste das Turnier aber wegen einer Knieverletzung abbrechen. Als de Jong aus Miami zurückkehrte, wurde er am Flughafen verhaftet.

Everink wurde schon 2012 Opfer eines versuchten Totschlags

Everink verdiente sich sein Geld durch den niederländischen Reiseveranstalter „Eliza Was Here“. Im Jahr 2012 verkaufte er seine Anteile und soll danach ein Vermögen von 15 Mio. Euro besessen haben. Im gleichen Jahr wurde er bei der Rave-Veranstaltung „Sensation White“ in der Amsterdam Arena von dem marokkanischen Kickboxer Badr Hari angegriffen. Everink erlitt eine gebrochene Nase, einen gebrochenen Knöchel sowie schwere Verletzungen an der Augenhöhle. Hari, der ein guter Freund des PokerStars-Botschafters und Fußball-Profis Cristiano Ronaldo ist, wurde wegen versuchtem Totschlag angeklagt. Zwischen beiden Vorfällen soll es aber keine Verbindung geben.

Tennis-Profi Haase selbst hatte von der Festnahme seines Trainers gar nichts mitbekommen. “Ich bin Business-Klasse geflogen und deshalb früher als er ausgestiegen. Ich bin geschockt. Mehr kann ich dazu nicht sagen”, meinte der zweimalige Kitzbühel-Sieger Haase, der seit Ende 2014 von de Jong gecoacht wird. Haase bekräftigte, dass er am 3. März nicht im Haus von Everink gewesen war. Haase war auch mit Everink befreundet: „Er wollte wieder eine Firma gründen. Ich dachte, er hat seinen Frieden gefunden. Ich hatte keine Anzeichen verspürt, dass er bedroht wurde oder etwas in der Art“,

Am Samstag wird der Tennistrainer de Jong in Utrecht dem Haftrichter vorgeführt. Dieser soll dann entscheiden, ob er in Gewahrsam bleibt.