, 13.07.2017

Frankfurter Börse

Der Glücksspielkonzern Novomatic könnte bald an der Frankfurter Börse gelistet sein. (Bildquelle)

Der Softwaregigant Novomatic aus dem österreichischen Gumpoldskirchen liebäugelt offenbar mit einem Börsengang. In Fachkreisen heißt es, das Unternehmen denke über ein Listing am London Stock Exchange oder der Frankfurter Böse nach. Über eine Zweitnotierung in Wien wird ebenfalls spekuliert. Sollten Gründer und Multimilliardär Johann Graf und seine Führungsriege sich tatsächlich für den Börseneintritt entscheiden, könnte der Konzern mit rund 6 Millarden Euro bewertet werden. Obwohl eine offizielle Bestätigung seitens Novomatic noch aussteht, häufen sich die Berichten über derartige Pläne sowohl in den österreichischen als auch in den deutschen Medien. Alternativ soll der Konzern auch den Verkauf von Firmenanteilen an eine Beteiligungsgesellschaft in Betracht ziehen.

 

30 % Firmenanteile im Gespräch

Die Spekulationen um einen Börsengang des österreichischen Glücksspielunternehmens halten bereits eine Weile an. Die Rede ist von einer Initial Public Offering (IPO) in Höhe von 20 bis 30 % der Firmenanteile Novomatics und soll für die zweite Hälfte dieses Jahres geplant sein. Das IPO bezeichnet die Neuemission von Aktien, sprich das erstmalige Anbieten dieser zum Verkauf an der Börse. Bei einer geschätzten Unternehmensbewertung von ca. 6 Milliarden Euro kämen bei einer Emission Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro in Umlauf. Sollte der Konzern tatsächlich diesen Schritt wagen, so würde es sich um eine der größten Emissionen eines österreichischen Unternehmens überhaupt handeln, gemessen seit der Finanzkrise 2007 sogar um die größte.

 

Novomatic-Gründer drittreichster Glücksspielunternehmer

Novomatic-Gründer Johann Graf

Johann Graf (Bildquelle)

Gemessen an dem Vermögen von Novomatic-Gründer Johann Graf, das sich auf rund 6,8 Milliarden US-Dollar belaufen soll, prognostizieren Analysten eine Bewertung des Konzern mit rund 6 Millarden Euro. Die finanzielle Bewertung eines börsenotierten Unternehmens kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Eine Möglichkeit bezieht das Vermögen des Mehrheitseigners, in diesem Fall also von Gründer Johann Graf, mit ein. Dieser wurde erst dieses Jahr im Forbes Ranking der reichsten Glücksspielunternehmer der Welt auf Platz 3 gelistet. Er ist nach Red Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz der reichste Mann Österreichs. Für 2017 soll Novomatic laut Insiderinformationen zudem einen Betriebsgewinn vor Steuerabzug von 600 Millionen Euro erwarten. Um für die Zukunft neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen, würde sich ein Börsengang anbieten.

 

Expertenteam soll alles in die Wege leiten

Bei den Vorbereitungen seiner potenziellen Börsennotierung soll Novomatic sich gleich ein ganzes Team an professionellen Bankingexperten mit ins Boot geholt haben. So soll das Familienunternehmen bei seinem Börsengang die Unterstützung der Bank of America und Credit Suisse in Anspruch nehmen. Außerdem sollen UBS, UniCredit und die Commerzbank ebenfalls an den Vorbereitungen beteiligt sein. Der Finanzdienstleister Macquarie Group Limited nimmt zudem eine beratende Funktion als unabhängiger IPO-Experte wahr. Die rechtliche Beratung soll hingegen die US-amerikanische Wirtschaftskanzlei Skadden übernehmen. Laut Angaben des Unternehmenssprechers von Novomatic ist der Konzern bereits seit einiger Zeit auf dem Kapitalmarkt vertreten, bisher habe es sich allerdings um Anleihen, also um die Beschaffung von Fremdkapital, gehandelt.

 

Ungewisse Lage in Deutschland stellt Novomatic vor Herausforderung

Die aktuell angespannte Lage im deutschen Glücksspielwesen durch das Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags wird auch bei Novomatic aufmerksam verfolgt. Mit der Eindämmung der Spielhallendichte in Deutschland werden auch Verluste für den Hersteller einhergehen, obwohl Deutschland einer der wichtigsten Märkte für Novomatic ist. Die Nachfrage nach Spielautomaten aus der Novomatic-Produktion dürfte infolge der zu erwartenden Schließungen zurückgehen. Damit werden neue Einnahmequellen ,wie etwa an der Börse, umso wichtiger. Obwohl die ausschlaggebende Mindestabstandsregelung in vielen deutschen Bundesländern bereits am 1. Juli in Kraft getreten ist, erhalten dennoch viele Betreiber zunächst einen Duldungsbescheid oder werden als Härtefälle anerkannt.

Similar Guides On This Topic