, December 8, 2016

tipp3 Tippschein - Glücksspiel und Sportwetten

Oberösterreich und Kärnten führen strengere Gesetze für Glücksspiel und Sportwetten ein (Bildquelle).

Die österreichischen Bundesländer Kärnten und Oberösterreich verschärfen Ihre Glücksspiel und Sportwetten Gesetze. Mit einer Ausweitung der Kontrollmöglichkeiten will Kärnten gegen illegales Glücksspiel vorgehen. Einsätze von mehr als 70 Euro erfordern in Zukunft eine Wettkarte und die Wettbüros müssen ein elektronisches Wettbuch führen. Außerdem sind sie dazu verpflichtet, Suchtgefährdeten Beratungsgespräche anzubieten. Das Kärntner Gesetz hat den Landtag passiert und tritt am 1. Januar 2017 in Kraft. In Oberösterreich gelten bereits ab dem 1. Dezember 2016 ähnliche Regelungen.

Die Neuerungen des Kärntner Glücksspielgesetzes in der Übersicht

Mehr Befugnisse für Kontrollorgane in Kärnten

Am vergangenen Donnerstag, den 1. Dezember 2016, hat der Landtag im österreichischen Bundesland Kärnten ein neues Glücksspielgesetz verabschiedet, das schon jetzt als das schärfste in Österreich gilt. Dieses hatte die Landesregierung bereits 2015 beschlossen, wegen mehrfacher Kritik steckten die Verhandlungen im Landtag aber fest. “Es hat einige Zeit gedauert, endlich wurde es verabschiedet”, kommentiert der zuständige Landesrat Gernot Darmann (FPÖ) die Verabschiedung. Mit einer Übergangsfrist von sechs Monaten gilt das neue Gesetz zu Glücksspiel und Sportwetten in Kärnten ab dem 1. Januar 2017.

tipp3 Sportwetten Terminal

tipp3 Sportwetten Terminal (Bildquelle).

Im Bundesland Kärnten gibt es nur drei Glücksspiel Betreiber mit einer offiziellen Konzession. Entsprechend kämpfen die Behörden gegen illegale Glücksspielautomaten. Immer wieder kommt es zu Razzien der Polizei und Finanzpolizei mit Beschlagnahmung von Geräten. Die Regulierung von Glücksspiel und Sportwetten soll jetzt mit einer Ausweitung der Kontrollen verbessert werden. Kärnten hatte bereits zwei freiberufliche Mitarbeiter als Kontrolleure eingestellt, die pro Einsatz bezahlt werden. Insgesamt gibt es ein Budget von 100.000 Euro pro Jahr für Kontrollen. Nach dem neuen Gesetz dürfen die Kontrolleure auch in die Wettbüros, was ihnen bislang untersagt war. Außerdem können die Kontrollorgane Computer und Terminals beschlagnahmen. Dadurch sollen illegale Anbieter, Spielautomaten und Terminals ermittelt werden. Gernot Darmann führt aus:

“Wir wissen, dass in Hinterzimmern gewisser Wettbüros illegales Glücksspiel angeboten wird. Dieses können wir jetzt besser bekämpfen.”

Wettkarte und Wettbuch für den Spielerschutz

In Wettbüros und Wettannahmestellen wie Trafiken wird der Spieler- und Jugendschutz verstärkt. Damit garantiert niemand unter 18 Jahren spielt, sind die Betreiber zu Ausweiskontrollen bei Jugendlichen verpflichtet. Neu sind auch Wettkarten und Wettbuch: Für Spieler, die mehr als 70 Euro für eine Wette einsetzen, muss eine eigene Wettkarte ausgestellt werden. Die Wettlokale müssen elektronisch über die Wetten Buch führen. Das betrifft auch Trafikanten, die beispielsweise das Sportwettspiel tipp3 anbieten. Albert Kreiner, der oberste Jurist der Kärntner Landesregierung, erläutert:

“Ab 70 Euro Einsatz muss eine personalisierte Wettkarte erstellt und ein Wettbuch geführt werden.”

Dadurch sollen Identität und Wettgeschäfte lückenlos und fortlaufend festgehalten werden.

Verpflichtung zu Beratungsgesprächen für Suchtgefährdete

tipp3 Tippschein in der Trafik

tipp3 Tippschein in der Trafik (Bildquelle).

Das neue Kärntner Gesetz zu Glücksspiel und Sportwetten sieht weiterhin Beratungsgespräche vor, zu denen die Wettbetreiber verpflichtet sind. Besteht bei intensiven und häufigen Spielern der Verdacht auf Sucht und die Gefährdung des Existenzminimums, so muss ein Beratungsgespräch angeboten werden. Im schlimmsten Fall ist eine Sperrung durchzuführen. Wiederrum sind davon auch die Trafiken betroffen. Wer mehrere Wettlokale betreibt, muss sogar eigene Beauftragte für Spielsucht und Prävention einstellen, damit diese sich mit dem Problem beschäftigen. Hier ist auch tipp3 betroffen. Auf eine Anfrage des ORF kommentierte Siegfried Jost, Büroleiter des FPÖ-Landesrats Gernot Darmann: “Es ist die Frage, wie das umgesetzt wird.” Schätzungen zufolge gibt es in Kärnten rund 5.000 Spielsüchtige und Spielsuchtgefährdete.

Verbot von Live-Wetten

Zum Jahreswechsel sind in Kärnten auch die häufig in der Kritik stehenden Live-Sportwetten untersagt, also kurzfristige Sportwetten auf Begebenheiten während eines Sportereignisses. In Zukunft sind nur Wetten auf ein Endergebnis oder Teilzeitergebnis möglich. Das neue Gesetz verbietet außerdem Wetten, bei denen die Menschenwürde verletzt wird. Um Geldwäsche zu verhindern, müssen Wettanbieter den Behörden Bonität und Zuverlässigkeit nachweisen.

Reaktionen auf das verschärfte Gesetz

Die neuen und strengen Auflagen stoßen in der Branche auf Unverständnis. Jürgen Irsigler, Geschäftsführer des Unternehmens Admiral Sportwetten, kritisierte die Politik für die in seinen Augen zunehmende Abwälzung von Kontrollaufgaben an die Betreiber von Wettbüros und Lokalen. Als betroffenes Unternehmen werde Admiral Sportwetten aber eine kompetente Person als Spielsucht- und Präventionsbeauftragten einstellen.

Der Sportwetten Anbieter tipp3 reagierte ebenfalls prompt und verweigert sich der Einführung der Wettkarten und Wettbücher auf eigene Weise. Philip Newald, der tipp3 Geschäftsführer, beschreibt die interne Lösung:

“Das Kärntner Gesetz ist neu, wir müssen uns erst damit befassen. Wir werden ab sofort in Kärnten nur mehr Tipps bis zu 70 Euro ermöglichen. In Oberösterreich ist seit 1. Dezember ein ähnliches Gesetz in Kraft getreten, da handhaben wir die Sachlage genauso.”

Die Trafikanten in Kärnten können nicht verstehen, wieso sie zur Suchtberatung verpflichtet werden sollen, zumal Prävention und das Anbieten von Beratung gegen das eigene Geschäft arbeiten können. Als Sprecher der 440 Kärntner Trafikanten empört sich Harald Pichler:

“Wir Trafikanten achten sehr wohl auf Auffälligkeiten und halten den Jugendschutz ein. Aber für Suchtprävention sind wir nicht zuständig. Wir sind ja keine Psychologen, die in den Trafiken in einem Eck eine Suchtberatungsoffensive starten und Spielerschutz-Beauftragte ins Geschäft bestellen.”

Grüne Politiker und Suchtberatungsstellen begrüßen das Gesetz

Kundin am Wettterminal

Kundin am Wettterminal (Bildquelle).

Positive Reaktionen auf die Verschärfung des Glücksspiel und Sportwetten Gesetzeslage in Kärnten gibt es von Suchtberatungsstellen. Ernst Nagelschmied, Leiter der Suchtberatung in Klagenfurt, betonte jedoch, er hielte es für sinnvoll, Sportwetten und Glücksspiel gesetzlich gleichzustellen, wie es etwa in Deutschland der Fall ist. Derzeit gelten Sportwetten in Österreich nicht als Glücksspiel. Dadurch könnten auch österreichische Spielsüchtige besser geschützt werden. Außerdem stelle sich die Frage nach einer flächendeckenden Kontrolle des neuen Gesetzes.

Mit Verabschiedung des Gesetzes forderten die Grünen eine Ausweitung der sogenannten “Bannmeile” rund um Kärntner Wettlokale. Wie auch in Deutschland gilt ein Mindestabstand zu Einrichtungen wie Schulen, Schülerhorten und Heimen, Bahnhöfen und Sportstätten. Dieser beträgt 100 Meter. Die grünen Politiker fordern, auch Kindergärten, Jugendzentren und Betreuungseinrichtungen sowie Krisenzentren mit in die Liste aufzunehmen.

Während die Grünen in Kärnten der Verabschiedung des Gesetzes zustimmten, kritisierte der Abgeordnete Hartmut Prasch das Verbot von Live-Wetten, da die Ausweichmöglichkeit auf Online Sportwetten Anbieter nach wie vor gegeben sei.

Similar Guides On This Topic