, September 30, 2017

CEO Breon Corcoran von Paddy Power Betfair

CEO Breon Corcoran fürchtet um den Ruf seiner Branche. (Bildquelle)

Der irische Buchmacher Paddy Power Betfair unterstützt als erstes Glücksspielunternehmen das Vorhaben der britischen Regierung, die Einsatzgrenzen der umstrittenen „fixed-odds betting terminals“, kurz FOBTs, radikal zu reduzieren. Dies gab CEO Breon Corcoran in einem Schreiben an Tracey Crouch, Ministerin für Kultur, Medien und Sport, bekannt. Es wird erwartet, dass die Einsatzgrenzen für FOBTs von bisher 100 Pfund alle 20 Sekunden auf lediglich 2 Pfund gesenkt werden. Durch die außerplanmäßigen Neuwahlen in diesem Juni haben sich die anstehenden Beratungen im Parlament zu FOBTs auf diesen Herbst verschoben und sind nun für Oktober angesetzt. Corcoran folgt mit seiner Positionierung seinem Vorgänger Stewart Kenny, der bereits 2009 als CEO von Paddy Power Lobbyarbeit gegen die kontroversen Wettterminals betrieben hatte. Beide befürchten einen Imageschaden für die ohnehin oft kritisierte Glücksspielbranche, wenn die Diskussion um FOBTs anhält und klare Regeln fehlen, die keinen Raum mehr für den Vorwurf der Spielsuchtbegünstigung lassen.

 

Reduzierung auf 10 Pfund zum Schutz der Glücksspielbranche

Zur Vermeidung weiterer negativer Presse sei es laut Geschäftsführer Breon Corcoran unerlässlich, die Einsatzgrenzen von FOBTs signifikant zu reduzieren. So soll er für eine Einsatzgrenze von 10 Pfund plädiert haben, jedoch auch die Extremlösung von 2 Pfund nicht grundsätzlich ablehnen. Zudem erklärte er, dass ein erfolgreiches, gut strukturiertes Unternehmen die zu erwartenden Verluste ausgleichen können müsse, ohne dabei Mitarbeiter zu entlassen oder Niederlassungen zu schließen. Damit entkräftet er nicht nur das Argument seines Kollegen Jim Mullen von Ladbrokes, der auf derartige Konsequenzen hingewiesen hatte, sondern führt auch einen Bruch in der bisher geschlossenen Front der Buchmacher herbei. In seinem Schreiben heißt es:

„Obwohl es keine nachweisliche Verbindung zwischen Einsatzhöhe und Spielsucht gibt, sind wir uns doch dem anhaltenden Imageschaden für die Glücksspielbranche bewusst, der in Folge des ausbleibenden Fortschritts auf dem Gebiet der FOBTs entstanden ist. Mittlerweile ist das Thema ein richtiges Gift geworden, sodass nur eine deutliche Reduzierung der Einsatzgrenzen auf 10 Pfund oder weniger die Sorgen der Gesellschaft zerstreuen kann. Ich bin zuversichtlich, dass wir unter den neuen Umständen unseren Einzelhandelsbetrieb erfolgreich und profitabel aufrechterhalten können. Das gleiche sollten auch andere gut geführte Anbieter können.“

In Großbritannien stehen FOBTs derart in der Kritik, dass sie bereits als das „Crack des Glücksspiels“ bezeichnet wurden. Presse, Aktionsgruppen und Parlamentarier kritisieren die Platzierung der Geräte in nachweislichen Problembezirken des Landes.

 

Verlust von 58 Millionen Pfund für Paddy Power

Obwohl Paddy Power im Vereinigten Königreich rund 100 Wettbüros mit noch mehr Geräten betreibt, begrüßt der Buchmacher einen radikalen Schnitt bei den Einsatzgrenzen für diese Maschinen. Das Statement von CEO Breon Corcoran ist besonders bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass sein Unternehmen in Folge einer Kürzung auf 2 Pfund mit jährlichen Verlusten von bis zu 58 Millionen Pfund rechnen muss. Dies ergab eine Studie der britischen Finanzberatungs- und Bankinggesellschaft Barclays. Für Paddy Powers Mitbewerber am Markt sind die Prognosen sogar noch düsterer. So muss Ladbrokes Coral sich im Falle einer Kürzung auf 439 Millionen Pfund Jahresverlust einstellen. Das Unternehmen betreibt ganze 3.500 Wettbüros im Vereinigten Königreich. Und auch William Hill muss sich auf Verluste in Höhe von 288 Millionen Pfund bei seinen knapp 900 Shops im Land einstellen.

 

Aktionstag in Deutschland gegen Spielsucht

Spielsucht ist nach wie vor ein wichtiges Thema in Europa. In Deutschland fand vergangenen Mittwoch ein bundesweiter Aktionstag gegen Glücksspielsucht statt. Im Rahmen dieser alljährlichen Veranstaltung wurden in allen 16 Bundesländern Aufklärungsaktionen von professionellen und ehrenamtlichen Suchthilfebegleitern durchgeführt. Durch die Verteilung von Informationsmaterial und öffentliche Aktionen in Fußgängerzonen wurde im gesamten Bundesgebiet Aufmerksamkeit für das Thema Glücksspielsucht erregt. Aber nicht nur Deutschland, sondern auch viele andere europäische Staaten bemühen sich im Kampf gegen die Krankheit. So ist in Großbritannien die Einführung einer Pflichtabgabe für einen Therapiefonds im Gespräch, während die schwedische Kindred Group (ehemals Unibet) eine in ganz Skandinavien öffentlich verfügbare und kostenlose „Gambling Therapy App“ auf den Markt bringt.