, 10.03.2014

 

Paddy Power Logo

Letzte Woche hat der irische Buchmacher Paddy Power wieder von sich reden gemacht, und zwar mit einer umstrittenen Anzeige in der irischen und britischen Presse.

Worum ging es  bei der Werbekampagne:

Der Prozess von Oscar Pretorius begann letzte Woche in Pretoria und die Oscar-Verleihung fand in den USA statt. Paddy Powers Werbeanzeige zeigte eine Oscar-Statue mit dem Kopf von Pistorius, und die Aktion lautete: „Es ist Oscar-Zeit. Geld zurück, wenn er freikommt. Wir werden den Einsatz aller verlorenen Wetten zurückerstatten, wenn Oscar Pretorius freigesprochen werden sollte.“

Die Werbung führte zu entrüsteten Kommentaren in allen sozialen Medien. Bis zum Donnerstag letzter Woche hatten 130.000 Menschen eine Online-Petition von Change.org gegen Paddy Powers unterzeichnet. In dieser Petition wurden Leser zur Unterstützung aufgefordert, um die Anzeigen und das Angebot von Paddy Power zu stoppen und zu fordern, das eingenommene Geld einer Stiftung zu übergeben, die sich gegen Gewalt gegen Frauen einsetzt.

Die britische Werbeaufsicht (Advertising Standards Authority) erhielt 5.200 Beschwerden. Die ASA forderte Paddy Power daraufhin auf, die Anzeige aus der britischen Presse zurückzuziehen. Normalerweise leitet die ASA erst eine längere Untersuchung ein, um herauszufinden, ob eine Werbekampagne anstößig oder beleidigend ist, aber in diesem Fall handelte die ASA sehr schnell. Sie untersucht gegenwärtig, ob die Anzeige nicht nur geschmacklos war, sondern ob sie auch eine Verharmlosung des Mordprozesses und des Todes einer Frau darstellte, ganz zu schweigen von der Behinderung des Angeklagten. Darüber hinaus will die ASA untersuchen, ob diese Anzeige dem guten Ruf der Werbeindustrie geschadet hat. Gegen die Anzeige auf Paddy Powers Webseite konnte die ASA nichts unternehmen, da Paddy Power eine irische Firma ist.

Die Oscar Pistorius Aktion des Wettbüros hat nicht nur die Öffentlichkeit schockiert, selbst einige von Paddy Powers Partnerfirmen entfernten die Anzeigen des irischen Buchmachers von ihren Webseiten, als der Prozess in Pretoria begann.

Paddy Power ist in den letzten Jahren für seine kontroversen und respektlosen Werbekampagnen bekannt geworden, und diese Marketing-Strategie scheint sich für den irischen Buchmacher auszuzahlen. Ähnlich wie Ryan Air verärgert Paddy Power Teile der Gesellschaft – und stellt auf diese Weise sicher, dass Leute über das Unternehmen reden.

Wer ist Paddy Power?

Paddy Power ist ein irisches Wettbüro, das im Jahr 1988 gegründet wurde, als drei irische Buchmacher, John Corcoran, Stewart Kenny und David Power sich zusammenschlossen. Die Firma hat ihren Sitz in Dublin und erwirtschaftet mittlerweile 650 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Es gibt viele Paddy Power Filialen, aber heutzutage kommt ein bedeutender Teil des Umsatzes aus dem Internet.

Paddy Power verfolgt eine unkonventionelle Marketing-Strategie, was sich unter anderem darin ausdrückt, dass die Firma einen „Direktor für Unfug“ hat. Ken Robertson erklärt, warum seine Rolle für Paddy Powers Erfolg so wichtig ist: „Paddy Power befindet sich in einer einzigartigen Position und benutzt Unfug  als ein Marketing-Instrument, weil Unfug eine zentrale Rolle für die Marke Paddy Power einnimmt. Es ist wirklich wichtig, von Leuten eine Reaktion zu bekommen. Das ist das Schlüsselelement. Wir starten keine Werbeaktionen, um 99 % der Leute total verärgern – darum geht es uns nicht. Uns geht es nicht um  Schock-Werbung; wir sind daran interessiert, Leute anzusprechen und witzige Werbung zu machen, um damit eine Reaktion von einem kleinen Teil der Bevölkerung zu erhalten. Dies hilft uns bei unserer Kampagne.“

Paddy Power hat dieses Ziel schon des Öfteren erreicht:

  • Die Firma veranstaltete das bisher größte Strip-Poker-Turnier und kam damit ins Guinness-Buch der Rekorde.
  • Sie verärgerte das Olympische Komitee, als sie vor der Londoner Olympiade ein riesiges Plakat in englischen Bahnhöfen aufhängen ließ, worauf stand, dass sie Sponsoren des größten Sport Events in London (Frankreich) seien.
  • Sie forderte Leute während des Europäischen Ryder Cups auf, Tweets zur Unterstützung der Golfer zu schreiben, die dann von einem Flugzeug über dem Golfplatz in den Himmel geschrieben wurden. Eine dieser Tweets war angeblich von einer Frau, mit der Tiger Woods eine Affäre gehabt hatte.
  • Paddy Powers arrangierte mit dem Fußballer Nicklas Bendtner, ein Tor der Europäischen Fußballmeisterschaft damit zu feiern, seine Shorts herunterzuziehen und der Öffentlichkeit seine Paddy Power Unterhosen zu zeigen. Er musste eine Strafe von € 100.000 bezahlen, aber die Werbekampagne brachte der Firma ein Vielfaches des Geldes ein.

Die Frage ist jedoch, ob Paddy Power bei seiner Pistorius- Kampagne zu weit gegangen ist? – Wahrscheinlich nicht! Man kann davon ausgehen, dass ein Großteil der Menschen, die sich über die Werbung beschwert haben, selbst keine Wetten bei Paddy Power oder einer anderen Buchmacher-Firma platzieren würden.

Es sieht so aus, als wenn Paddy Power es wieder einmal geschafft hat, noch bekannter zu werden.