, October 28, 2017

Phil Ivey vor Gericht

Phil Ivey hat vor dem UK Supreme Court gegen das Crockfords Casino verloren. (Bildquelle)

Pokerprofi Phil Ivey hat vor dem UK Supreme Court gegen das Crockfords Casino verloren. In dem kontroversen Fall zum Thema Edge Sorting hatte sich das Crockfords geweigert, dem Amerikaner seinen Gewinn in Höhe von 7,7 Millionen Pfund beim Baccarat auszuzahlen. Der Vorwurf lautet auf Edge Sorting, eine Form von unerlaubtem Kartenzählen. Bei dieser Technik können Karten anhand von produktionsbedingten Unregelmäßigkeiten auf ihren Rückseiten und Eckrändern erkannt werden. Der Vorfall liegt bereits fünf Jahre zurück und findet erst jetzt mit dem Urteil des UK Supreme Courts sein endgültiges Ende. Das Gericht ist die höchste Instanz der britischen Gerichtsbarkeit. Zuvor hatte der 40-jährige Pokerstar bereits vor zwei vorgeschalteten Instanzen verloren. Die finale Entscheidung gegen ihn fiel einstimmig aus. Sie wird nun als wichtiger Präzedenzfall in die Rechtsgeschichte eingehen.

 

Eingreifen in den Spielablauf reichte den Richtern

Phil Ivey und seine Spielpartnerin Cheung Yin Sun, die auch als Kelly Sun bekannt ist, hatten 2012 im Crockfords die Bacarratvariante Punto Banco gespielt und dabei umgerechnet 8,6 Millionen Euro gewonnen. Dabei hatte der Amerikaner den Croupier vor Beginn des Spiels mit dem Hinweis auf seinen Aberglauben gebeten, die höchsten Karten des Decks vor ihm auszubreiten. Dieses, wenn auch passive Eingreifen in den Spielablauf, reichte aus, um die Richter von dem Betrugscharakter seines Verhaltens zu überzeugen:

„Laut des Gambling Acts 2005 kann Betrug auch dann vorliegen, wenn weder Unehrlichkeit noch die Betrugsabsicht vorhanden sind: abhängig von der Situation kann es bereits ausreichen, dass eine Person lediglich in den Ablauf des Spiels eingreift.“

2016 hatte Ivey den Fall bereits vor dem Berufungsgericht verloren, bevor es ihm Anfang des Jahres gelungen war, eine Neuverhandlung vor dem UK Supreme Court zu erreichen. Die Eigentümergesellschaft des Crockfords und Prozessgegner von Phil Ivey ist Genting Casinos UK.

 

Element der Unehrlichkeit nicht nötig für Betrug

Ausschlaggebende Frage war, ob das Element der Unehrlichkeit notwendigerweise vorhanden sein muss, damit ein Verhalten als Betrug angesehen werden kann. Ivey hatte seit Beginn offen zugegeben, sich der Edge Sorting Technik bedient zu haben. Er und seine Anwälte argumentierten jedoch, dass dies keinen Einfluss auf den Hausvorteil des Casinos habe. Trotzdem entschieden die Richter nun gegen ihn. Stephen Parkinson, Anwalt der Gegenseite, erklärte zur Frage der Unehrlichkeit:

„Wir haben es hier mit einer der wichtigsten Entscheidungen der Kriminalgeschichte seit Jahren zu tun. Das Konzept der Unehrlichkeit ist grundlegend für diverse Tatbestände, darunter auch Betrug. Seit 35 Jahren lernen Jurys, dass Angeklagte nur dann schuldig sind, wenn ihr Verhalten nach dem Ermessen eines durchschnittlichen, vernünftigen und ehrlichen Menschen unehrlich war. Hinzu kommt, dass der Angeklagte für einen Schuldspruch erkannt haben muss, dass ehrliche Menschen sein Verhalten als unehrlich einordnen würden. Das Gericht hat nun entschieden, dass letzteres Kriterium nicht dem Gesetz entspricht und Gerichte es nicht mehr lehren dürfen.“

Ivey hielt bis zuletzt daran fest, dass Edge Sorting eine legitime Technik sei und er zu keinem Moment vorhatte, zu betrügen. Vielmehr sei er von der Rechtmäßigkeit seines Verhaltens ausgegangen. Obwohl das Crockfords Casino 2012 ankündigte, den Gewinnbetrag an Iveys Adresse in Las Vegas zu überweisen, kam er dort nie an. Stattdessen erhielt er seinen Einsatz in Höhe von 1 Million Pfund zurück. Die Verweigerung der Gewinnauszahlung hat der Supreme Court nun als gerechtfertigt bestätigt.

 

Phil Ivey enttäuscht und frustriert

Der „Tiger Woods des Pokers“ zeigte sich nach dem Urteil betroffen und schockiert. Er sei davon überzeugt, dass das Gericht einen Fehler gemacht habe und sagte gegenüber den Medien:

„Es ergibt in meinen Augen keinen Sinn, dass der Supreme Court gegen mich und gegen alle Fakten und jede Logik, die in unserer Branche herrscht, entschieden hat. Als ich im Crockfords gespielt haben, war ich davon überzeugt, dass Edge Sorting eine legitime Technik sei. Und das glaube ich heute immer noch, fester denn je.“

Weiter erklärte er:

 „Als Berufsspieler ist meine Integrität das Wichtigste für mich. Ich habe ein großes Ehrempfinden und ich respektiere die Art und Weise, wie professionelle Spieler, zu denen ich mich auch zähle, Glücksspiel betreiben. Aus diesem Grund habe ich diesen Fall bis zum Supreme Court weiterverfolgt mit dem Ziel, meine zurückgehaltenen Gewinne zugesprochen zu bekommen.“

Das Urteil führt er auf die mangelnde Erfahrung der Richter mit Casinos zurück. Außerdem sei der fehlende Kontakt und ein nicht vorhandenes Verständnis für die Lage zwischen Casinos und professionellen Spielern ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen:

„Es ist frustrierend, dass die britischen Richter keine Erfahrung mit und kein Verständnis für Casinos und Advantage Play haben. Geschweige denn sich mit dem anhaltenden Kampf zwischen Casinos und Berufsspielern auskennen, die versuchen, Chancengleichheit zu erreichen. Wäre dies anders gewesen, dann bin ich mir sicher, dass die Entscheidung anders und zu meinen Gunsten ausgefallen wäre.“

Advantage Play bezeichnet das Spiel mit einem Vorteil gegenüber dem Casino. Dieser wird über dem jeweiligen Spiel innewohnende Eigenschaften erreicht. Advantage Play ist dabei jedoch nicht mit Betrug zu verwechseln. Während Betrug per Gesetz verboten und strafbar ist, ist dies bei Advantage Play nicht der Fall. Hierbei unterscheidet sich die Rechtslage jedoch von Land zu Land, sodass die Grenzen fließend sind.