, October 20, 2016

Poker steuerfrei

Einnahmen aus Pokerturnieren sollen in Österreich auch in Zukunft steuerfrei bleiben (Bildquelle).

Poker Einnahmen sollen in Österreich auch in Zukunft steuerfrei bleiben. Das Finanzministerium des Landes hat die Ende August bekanntgewordenen Pläne zur Besteuerung von Pokerprofis nach eigenen Angaben gekippt. Außerdem wird diskutiert, ob im Hinblick auf Steuereinnahmen die Abschottung der nationalen Märkte in Europa zu überdenken ist. Eine Öffnung könnte das Angebot für Online Spieler verbessern.

Österreich bleibt das steuerfreie Pokerparadies

Österreich ist die Wahlheimat für viele professionelle Pokerspieler. Das Land kann im Vergleich zu beispielsweise Deutschland eine relativ klare Regulierung vorweisen. Gewinne aus Pokerspiel zählen zu den Glücksspielgewinnen und sind damit steuerfrei.

Das soll jetzt auch so bleiben. Das Finanzministerium plante, 2017 Turnierpoker zu besteuern, doch der Entwurf ist vom Tisch. Gegenüber dem Kurier bestätigte das österreichische Finanzministerium:

“Die diesbezüglichen Ausführungen im Begutachtungsentwurf sollen in der endgültigen Fassung nicht mehr enthalten sein.”

Poker steuerfrei: die Rechtslage in Österreich

In Österreich steht Poker auf einer Stufe mit dem Lottospiel. Eventuelle Gewinne sind steuerfrei. Doch Ende August 2016 wurde bekannt, dass sich die Experten der Finanzverwaltung bei Gesprächen in Salzburg für eine Besteuerung von Poker aussprachen (wir berichteten). In einem Entwurf zur Gesetzesänderung hieß es:

“Das Pokerspiel ist im Allgemeinen als Mischung aus Glücks- und Geschicklichkeitselementen anzusehen. Grundsätzlich ist Pokerspiel eine Tätigkeit der Freizeitbeschäftigung und stellt solcherart keine Tätigkeit zur Einkünfteerzielung dar.

Wird allerdings das Pokerspiel professionell in einer Art und Weise ausgeübt, die über eine bloße Freizeitgestaltung hinausgeht, können eine Einkunftsquelle und eine unternehmerische Tätigkeit vorliegen.

Ein starkes Indiz für einen hohen Professionalisierungsgrad besteht darin, dass der Pokerspieler an Turnieren mit höheren Start- bzw. Preisgeldern teilnimmt. Einkünfte eines Turnierpokerspielers sind daher grundsätzlich steuerbar.”

Die Änderungen sollten ab 2017 gelten und hätten Turnierpokerspiele in eine höhere Steuerklasse versetzt. Selbst Pokerfans, die nur ein- bis zweimal pro Jahr an einem Turnier um wenige Euros zocken, hätten für eventuelle Gewinner Steuern an den Fiskus abdrücken müssen. Es hagelte Kritik, die das Finanzministerium in Österreich offenbar beeinflusst hat. Gänzlich will man die Besteuerung nicht sein lassen, aktuell sind aber keine Änderungen geplant.

Der Fall Eddy Scharf

Eddy Scharf

Der Pokerprofi Eddy Scharf wurde zur Versteuerung seiner Gewinne verurteilt (Bildquelle).

In Deutschland ist es seit einigen Jahren Praxis, dass die Finanzämter Einnahmen aus Pokerspiel besteuern, entweder teilweise oder sogar ganz. Turnierspielern wird unterstellt, durch die Teilnahme an Poker Turnieren ein auf Gewinn abzielendes Gewerbe zu betreiben.

2015 verurteilte der Bundesfinanzhof den deutschen Pokerspieler Eddy Scharf dazu, seine Gewinne zu versteuern (wir berichteten). Dagegen läuft derzeit eine Verfassungsbeschwerde. In der Folge ergibt sich eine unsichere Rechtslage, da deutsche Pokerspieler wie Fedor Holz oder Pius Heinz nach Österreich abgewandert sind. Ungeklärt ist, wie hoch die Steuern angesetzt werden und auf welche Gewinne. Problematisch ist auch der Nachweis von Ausgaben für Turniere.

Abschottung der nationalen Märkte

Im Zuge der Ankündigung einer Besteuerung von Poker Gewinnen der Profis in Österreich hatten viele professionelle Kartenzocker damit gedroht, das Land zu verlassen. Das österreichische Finanzministerium befürchtete unter anderem, ähnliche Konsequenzen wie in Frankreich oder Italien herbeizuführen. Dort hat man eine Besteuerung von Online Poker eingeführt. In der Folge mussten die Fans des Kartenspiels aufgeben, da die Gewinne schrumpften. Im September 2016 trafen sich deshalb die nationalen Glücksspielaufsichtsbehörden der größten Märkte Europas in Paris. An dem Treffen nahmen Vertreter aus Deutschland, Italien, Portugal, Spanien, Frankreich, Österreich und Großbritannien teil. Diskutiert wurde unter anderem das Ausbleiben von erwarteten Steuereinnahmen aus Glücksspiel. Ursache ist die Abschottung der nationalen Märkte. Die Regulierungsbehörden waren sich dabei einig, dass die Abschottung “ein Fehler gewesen” sein.

Gemeinsamer Markt noch in weiter Ferne

Die unterschiedliche Besteuerung in den einzelnen europäischen Ländern (steuerfrei in Österreich, besteuert in Deutschland) ist eines der größten Hindernisse bei der Öffnung der Märkte. Ein gemeinsamer Markt wird deshalb so bald nicht möglich sein. Die Regulierungsbehörden haben jedoch nach dem Treffen in Frankreich gleich weitere Verhandlungen für 2017 angesetzt.

In Frankreich wurde bereits ein Gesetzentwurf verabschiedet, der die Einführung für eine grenzübergreifende Marktliquidität vorsieht. In Deutschland ist man längst nicht soweit. Spieler hierzulande bekommen die Abschottung der Online Poker Angebote durch Einschränkungen, hohe Besteuerung und geringe Preispools zu spüren. Ein Umdenken der Regulierungsbehörden in Bezug auf die Besteuerung stellt immerhin einen ersten Schritt in die richtige Richtung zu qualitativen und attraktiveren Angeboten dar.

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