, February 1, 2017

Daniel McAuley sitzt im Rivers Casino vor seinem Spiel gegen Libratus.

20 Tage lang haben sich vier der besten Pokerspieler der Welt mit dem Pokerroboter Libratus gemessen und verloren. (Quelle: Carnegie Mellon University)

Für Daniel McAulay, Jimmy Chou, Jason Les und Dong Kim gehörten die letzten 20 Tage wohl zu den spannendsten ihres Lebens. Im Rivers Casino im amerikanischen Pittsburgh entschied sich vorgestern der Kampf Mensch gegen Maschine. Die vier jungen Männer, die zu den besten Pokerspielern der Welt gehören, waren für knappe drei Wochen Teilnehmer der „Brain vs. Artificial Intelligence Competition“. Am Montagnachmittag unterlagen sie schließlich dem Programm Libratus.

 

Carnegie Mellon University baut besten Pokercomputer der Welt

 

Verantwortlich für die Niederlage von McAulay, Chou, Les und Kim zeichnet die Carnegie Mellon University (CMU) in Pittsburgh, Pennsylvania. Der dortige Informatikprofessor Tuomas Sandholm und sein Doktorand Noam Brown sind die Schöpfer von Libratus und mehr als stolz auf ihren Sprössling. Der Roboter ist ein Algorithmus, der über einen Computer mit Namen Bridges läuft. Sein Prinzip lässt sich auch in anderen Bereichen wie etwa Medizin oder Sicherheit erfolgreich anwenden.

 

Vorsprung von 1.766.250,00 US-Dollar

 

Zur Halbzeit nach gut neun Tagen führte Libratus bereits mit Chips im Wert von 459.154,00 US-Dollar. Gespielt worden waren zu diesem Zeitpunkt 49.240 Hände. Jimmy Chou und seine Kollegen mussten zugeben, die Maschine unterschätzt zu haben. Daniel McAulay erklärt die Situation wie folgt:

 

„An Tag 10 waren wir noch optimistisch und haben uns Chancen ausgerechnet. Aber danach wussten wir ziemlich schnell, dass es vorbei war.“

 

Sein Kollege Jason Les geht noch weiter:

 

„Ich will sicher sein, dass das Programm nicht in unsere Köpfe eindringt, denn es passt seine Strategie nicht nur durch Lerneffekt an, sondern es passt sich an uns als Individuen an.“

 

Nach 20 Tagen und insgesamt 120.000 Händen war das Ergebnis schließlich nicht mehr zu leugnen. Libratus ging als eindeutiger Sieger mit Chips seiner Kontrahenten im Wert von 1.766.250,00 US-Dollar aus dem Turnier hervor. Gestartet hatte der Wettkampf am 11. Januar 2017 im Rivers Casino in Pittsburgh und verlangte den Spielern einiges ab. Das Turnier lief jeden Tag von 10:00 Uhr morgens bis 23:00 Uhr abends, Schlafenszeit war gegen 2:00 Uhr nachts. Gespielt wurden insgesamt 120.000 Hände Heads-Up No-Limit Texas Hold’em Poker.

 

Menschen hatten 2015 noch die Oberhand

 

Bereits im Mai 2015 hatte es eine Ausgabe der „Brain vs. Artificial Intelligence Competition“ gegeben, bei der ein menschliches Team gegen einen Pokerroboter antrat. Damals war das Programm unter dem Name Claudico bekannt. In über 80.000 Händen gingen damals die vier Pokerprofis als Sieger aus dem Wettkampf hervor. Mit drei Einzelsiegen und einem Triumph an fast jedem Tag hatte Claudico keine Chance.

 

Ein Meilenstein für die künstliche Intelligenz

 

Vor allem im Vergleich zur Niederlage von 2015 könnte das aktuelle Ergebnis einen Wendepunkt in der Geschichte der künstlichen Intelligenz darstellen. Zum ersten Mal konnte eine Maschine die weltbesten Pokerprofis in einem No-Limit Spiel besiegen. Hinzu kommt, dass nicht einer der vier Spieler Libratus in der Einzelwertung schlagen konnte. Lediglich vier von 20 Tagen konnten die Männer für sich entscheiden. 2015 hatten die Prognosen noch von bis zu fünf Jahren gesprochen, bis eine Maschine dem Mensch ebenbürtig sein würde. Über dieses Ziel ist Libratus nun weit hinausgeschossen.

 

In Deutschland wird am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz zu diesem Thema geforscht. In Kaiserslautern, Saarbrücken, Bremen und Berlin arbeitet das weltweit größte Team an der Erforschung künstlicher Intelligenz und ihrer Anwendung.