Rentner zocken beim DreamHack eSports Festival in Schweden

, December 15, 2017

Die Zocker von Team Silver Snipers

Die fünf Schweden vom Team Silver Sniper haben ein Durchschnittsalter von 71,2 Jahren. (Bild: dbltap.com)

Anfang Dezember hat im schwedischen Jönköping das eSports Megaevent DreamHack stattgefunden. Vier Tage lang tummelten sich rund 55.000 Besucher auf dem größten digitalen Event der Welt, das zu seinem nächsten Stopp übrigens nach Leipzig kommt. Auf der großen Bühne werden Dota 2 und CS: GO gespielt. In Schweden zum ersten Mal am Start waren auch die „Silver Snipers“, ein Team aus schwedischen Rentnern, die vom Computerhersteller Lenovo gesponsert werden. Mit einem Durchschnittsalter von 71,2 Jahren sind die Senioren die älteste Zockergruppe überhaupt, die je an einem internationalen Event teilgenommen hat.

 

Das LAN-Festival ist eins der wichtigsten Events im Kalender für eAthleten. Stars der Szene sind ebenso vor Ort wie Fans aus aller Welt. Zum Programm gehören Turniere, die DreamExpo Austellung, der DreamStore für Technikartikel aller Art, eine Streaming-Bühne, ein Cosplay Wettbewerb und eine Business Lounge. Nach den Spielen starten zusätzlich jede Nacht Partys mit Konzerten und anderen Live Acts.

 

„Knitting Knight“ und „Teen Slayer“ nehmen es mit 18-Jährigen auf

Die Seniorentruppe der Silver Snipers ist mit einem Durchscnittsalter von 71,2 Jahren das älteste Team in der Geschichte der DreamHack. Im Gegensatz dazu haben die meisten Spieler und Teams heute ein Durchschnittsalter von 24 Jahren. Mit ihrer Teilnahme wollen die fünf Rentner beweisen, dass eSports altersunabhängig ist und sowohl junge wie auch ältere Spieler gleichermaßen Computerspiele meistern und genießen können. Zum Team gehören:

Teamaufstellung und Statistiken der Silver Sniper

Teamaufstellung und Statistiken der Silver Sniper (Bild: imgur.com)

  • Monica „Teen Slayer“ Idenfors, 62 Jahre
  • Bertil „Berra-Bang“ Englund, 81
  • Öivind „Windy“ Toverud, 75
  • Abbe „BirDie“ Drakborg, 75
  • Wanja „Knitting Knight“ Gödange, 63

Der 75-jährige Öivind Toverund ist der Ingame-Leader des Clans und gibt die Befehle. In seiner Freizeit spielt er außerhalb der Trainingssessions der Mannschaft keine Computerspiele, sondern Golf, wettet auf Pferderennen oder geht Skifahren. Zu seinem Team sagt er:

„Andere Spieler mögen jünger und schneller sein, aber wir haben sehr viel mehr Lebenserfahrung. Beispielsweise haben einige Männer im Team militärische Erfahrung.“

Über eine Casting-Webseite haben sich die fünf Schweden zusammengefunden und spielen nun für ihren Sponsor seit ein paar Wochen zum ersten Mal in ihrem Leben ein Computerspiel bzw. einen Shooter.

 

Hauptsache dabei sein

Die Silver Sniper sind hauptsächlich in Show-Spielen gegen Besucher angetreten. Mit einer Gesamtspielzeit zwischen 50 und 70 Stunden kann das Team es zwar nicht mit den echten Profis aufnehmen, aber darum geht es ihnen auch nicht, wie Teamleader „Windy“ erklärt:

„Es macht sehr viel Spaß. Und es ist schön zu sehen, wie man mit jeder Trainingseinheit besser und besser wird.“

Tommy "Potti" Ingermarsson

Trainer Potti (Bild: blog.lenovo.com)

Trainiert werden die Silver Snipers von der schwedischen eSports Legende Tommy “Potti“ Ingermarsson. Potti ist Gründer der berühmten Ninjas in Pyjamas und 10-facher Weltmeister bei Counter-Strike. Die Ninjas in Pyjamas gehören heute auch ohne Potti zu Schwedens Top-Teams und sind amtierender Meister, nachdem sie nach Auflösung und Neuformation wieder aktiv sind.

 

Ihre Statistiken sind mit einem Sieg in jedem vierten bis fünften Spiel zwar noch ausbaufähig, aber den Siegeswillen und vor allem Spaß am Spiel haben die fünf Rentner in jedem Fall. In den Siegerlisten der DreamHack tauchen die Silver Snipers nicht auf, aber ihr Ziel haben sie mit der Aufmerksamkeit und Berichterstattung über ihre Mannschaft trotzdem erreicht. Neben der Integration älterer Spieler, streben übrigens auch immer mehr Frauen nach Gleichberechtigung in einem Sport, der primär von Männern dominiert wird.

 

Spieler reisen mit Schlafsäcken an

Für die Zeit der Veranstaltung können Gamer aus aller Welt 24 Stunden am Tag ihre Rechner vor Ort vernetzen und in der Kongresshalle von Jönköping ihre Lieblingstitel zocken. Mit Schlafsack, Isomatte, Energydrink und Co. ausgestattet, reisen die Besucher an. Dank eigenem Pizza-Lieferdienst ist auch für das leibliche Wohl während der Sitzungen gesorgt. Bis zu 18 Stunden am Tag sitzen manche Teilnehmer an ihren Tastaturen. Das Siegerteam der DreamHack Open in CS: GO in Schweden wurde mit 100.000 US-Dollar belohnt. Zum Vergleich: Bei der Dota 2 Weltmeisterschaft „The International“ sind mittlerweile unglaubliche 27 Millionen im Preispool.

 

In schwedischen Schulen wird eSports übrigens bereits als Schulfach angeboten. Gleiches gilt für Norwegen, wo LoL, CS: GO und Dota 2 ebenfalls auf dem Lehrplan stehen. Auch in asiatischen Ländern, wo der Sport noch populärer ist als in Europa, werden Kinder und Jugendliche in eSports unterrichtet.

 

DreamHack im Januar 2018 in Leipzig zu Gast

LAN-Hallo auf der DreamHack

LAN-Halle auf der DreamHack (Bild: jp.se)

Vom 26. bis 28. Januar 2018 findet der nächste Stopp der DeamHack Tour statt. Diesmal ist Deutschland Gastgeber, wenn Sachsens Hauptstadt Leipzig zum Treffpunkt für Gamer aus aller Welt wird. Das Programm steht bereits fest. Unter anderem wird ein Pokemon Turnier veranstaltet. Bei einer Podiumsdiskussion wird hingegen das Thema Virtual Reality diskutiert. Beim Cosplay Contest wird außerdem das beste Kostüm prämiert. Das Highlight des Festivals, die DreamHack Open, wird am letzten Tag bei CS: GO ausgetragen.