, December 18, 2015

Pokerhand

Rentnerin verspielte Unsummen in illegalen Pokerclubs (Bildquelle: http://www.learnerds.com/)

Wie beliebt Poker bei allen Altersschichten ist, zeigt eine aktuelle Geschichte aus der Schweiz. Eine Rentnerin verbrachte ihre Freizeit gern in diversen Pokerclubs. Blöderweise verzockte sie nicht ihr eigenes Geld, sondern das Geld des mittelständischen Unternehmens, bei dem sie nach ihrer Pensionierung noch teilweise in der Buchhaltung aushalf. 2013 flog der Betrug auf. Nun muss sich die Frau vor Gericht verantworten.

Zehn Jahre lang soll die Rentnerin immer wieder Gelder von dem Unternehmen auf ihr Konto überwiesen haben. Dabei sollen über die Zeit rund 630.000 Schweizer Franken (etwa 580.000 Euro) zusammengekommen sein.

Im Jahr 2003 hatte sie mit den Überweisungen angefangen. Sie überwies jährlich Beträge zwischen 46.000 und 85.500 Franken in kleineren Häppchen auf ihr eigenes Konto.

Spielsucht vor Mann verheimlicht, aber der Hund durfte mitkommen

Da sie keine sehr gute Pokerspielerin zu sein scheint, hat sie den Großteil des Geldes in den Sand gesetzt. Zudem spielte sie nicht in den legalen Schweizer Casinos, sondern in „illegalen“ Pokerclubs in Hinterzimmern von Cafés und Restaurants. Sie habe ihre Spielsucht vor ihrem Mann verheimlichen wollen und sei auch nur zu den Pokerrunden gegangen, wenn ihr Mann nicht zu Hause gewesen sei. Als weiteren Grund gegen die Casinos führte sie an, dass sie in die Spielbanken ja ihren Hund nicht hätte mitnehmen dürfen. Neben Poker spielte sie auch Ramino, die italienische Version von Rommé. Die Einsätze sollen bei rund 1.000 Franken gelegen haben.

Zu den illegalen Pokerrunden sei sie eines Tages im Wartezimmer einer Uniklinik gekommen. Dort habe sie einen Mann aus dem Tessin kennengelernt, der sie dann zu den Spielen mitgenommen habe. Um über die geheimen Spielorte auf dem Laufenden zu bleiben, musste sie sich eine zweite SIM-Karte für ihr Handy besorgen. Per SMS wurde sie dann immer über die Termine und Orte der illegalen Spielrunden informiert.

Bei den Pokerrunden sei sie am Anfang ein gern gesehener Gast gewesen und durfte auch gewinnen. Doch mit der Zeit wurde sie immer mehr ausgenommen. Die männlichen Gegner seien einfach die besseren Spieler gewesen. Sie habe vier- bis fünfmal im Monat mitgespielt.

Keine Lust mehr zum Spielen

Wie sie beteuerte, wollte sie das Geld nach dem Spielen auch wieder dem Unternehmen zurückgeben. Es sei also eher eine Art Darlehen gewesen. Doch sie hatte irgendwann nichts mehr übrig zum Zurückzahlen. Der Betrug tue ihr sehr leid. Sie habe immer ein schlechtes Gewissen gehabt. Was sie getan habe, sei eine Katastrophe. Dabei habe sie zum Firmeninhaber ein Verhältnis „wie eine Mutter“ gehabt. Monatlich bezahlt sie aktuell schon 200 Franken zurück. Mehr könne sie allerdings nicht aufbringen. Ihr sei bewusst, dass sie so die Schulden für den Rest ihres Lebens nicht zurückzahlen könne. Eine Therapie gegen Spielsucht sei nicht nötig. Die Angelegenheit sei so schlimm gewesen, dass sie geheilt sei. Sie habe überhaupt keine Lust mehr zum Spielen. Nicht einmal mehr zum Lotto.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich im Vorfeld des Prozesses auf ein abgekürztes Verfahren geeinigt. Das vorgeschlagene Strafmaß lag bei 24 Monaten bedingter Freiheitsstrafe und einem Bußgeld von 1.000 Franken wegen Veruntreuung. Das Gericht befürwortete den Vorschlag und sprach von einer sehr milden Strafe. Bedingt bedeutet, dass die Strafe nach Ablauf einer Probezeit nicht mehr tatsächlich verbüßt werden muss. Das Gericht argumentierte weiter, dass sie ja als Buchhalterin eine berufsmäßige Vermögensverwalterin gewesen sei. Das Delikt sei eigentlich erheblich gewesen, das Vorgehen aber sehr plump. Erstaunlich, dass der Betrug erst nach 10 Jahren aufgeflogen sei. Mildernde Umstände gab es durch ihr Geständnis, ihre offensichtliche Spielsucht und ihr Alter von 75 Jahren. Das Urteil vom 10. Dezember 2015 ist noch nicht rechtskräftig.