, 05.08.2017

Fußballer Christiano Ronaldo

Christiano Ronaldo muss sich in Madrid gegen den Vorwurf der Steuerhinterziehung verteidigen. (Bildquelle)

Starfußballer Christiano Ronaldo muss sich seit dem 31. Juli vor einem Gericht in Pozuelo de Alarcón bei Madrid wegen Steuerhinterziehung verantworten. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 2011 und 2014 Einnahmen in Höhe von 14,7 Millionen Euro am spanischen Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Zur ersten Anhörung am Montag erschien der Portugiese persönlich und beteuerte erneut seine Unschuld. Die Ermittlungsrichterin muss nun darüber entscheiden, ob sie Anklage gegen den Weltfußballer erhebt oder die Angelegenheit mit einem Deal beilegt. Sollte sich der Verdacht erhärten und es tatsächlich zu einer Verurteilung kommen, könnte “CR7” für mehrere Jahre hinter Gitter wandern. Eine potenzielle Haftstrafe könnte sich laut spanischen Medien auf bis zu 15 Jahre belaufen. Im Falle eines Geständnisses käme Ronaldo hingegen mit einer Bewährungs- und Geldstrafe in Höhe von 28 Millionen Euro davon. Von einer Vorstrafe würde ebenfalls abgesehen.

 

Briefkastenfirmen im Ausland und Unschuldsbeteuerungen

Christiano Ronaldo wird vorgeworfen, Einnahmen aus Bildrechten und Werbemaßnahmen in Höhe von 14,7 Millionen Euro nicht versteuert zu haben. Die spanische Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, der Superstar habe die Gelder über ein Geflecht von Briefkastenfirmen in Irland und den Britischen Jungferninseln ins Ausland geschleust. Der zweifache Weltfußballer weist die Vorwürfe jedoch von sich und soll vor Gericht mit der folgenden Aussage für Irritation gesorgt haben:

„Ich sitze hier, weil ich Cristiano Ronaldo heiße.“

Diese vielleicht etwas unüberlegte Äußerung ergänzte er nach der rund 90-minütigen Anhörung um sachlichere Argumente. Über sein Management ließ er verlauten:

„Die spanische Steuerbehörde kennt alle meine Einkünfte bis ins Detail. Ich habe immer alles gemeldet und nie etwas verheimlicht. Ich hatte nie die Absicht, Steuern zu hinterziehen. Wir alle müssen Steuern gemäß unserem Einkommen zahlen. Ich habe meine Leute angewiesen, dass alles pünktlich und ordentlich zu tun. Ich wollte ja keine Probleme bekommen.“

Großer Medienrummel begleitete den ersten Anhörungstag bei Madrid. Doch obwohl sein Management ein Podium samt Audio- und Videoübertragungsmöglichkeiten in bester Qualität für die rund 200 Journalisten und Medienvertreter aus der ganzen Welt aufgebaut hatte, vermied Ronaldo ein öffentliches Statement nach seiner Aussage vor der Ermittlungsrichterin Mónica Gómez Ferrer. Diese gilt in Fachkreisen übrigens als konsequente und unerbittliche Juristin, der wenig am Fußball gelegen ist. Ihr bleiben nach der Anhörung 18 Monate, um den Prozess gegen Ronaldo zu eröffnen.

 

„Beckham-Gesetz“ als Verteidigung

David Beckham

Namensgeber David Beckham (Bildquelle)

Ronaldos Anwälte sollen bei der Anhörung auf das sogenannte „Beckham-Gesetz“ setzen. Dieses räumt ausländischen Sportlern in Spanien immense Steuervorteile ein. Ursprünglich war das Gesetz für die Beschäftigung von nicht spanischen Spitzenkräften im Bereich Wissenschaft und Management entworfen worden. Mittlerweile nehmen es jedoch auch gerne Fußballer in Anspruch, darunter auch Namensgeber David Beckham, der als erster aus dem spanischen Recht Kapital schlug. Das Gesetz sieht einen einkommenstechnischen Spitzensteuersatz von 24 % vor. Dieser gilt für sechs Jahre und nur für ausländische Staatsbürger, die von einem spanischen Arbeitgeber beschäftigt werden. Aufgrund dieser Regelung zahlen Topverdiener in Spanien eine verschwindend geringe Summe an Einkommenssteuer. Hinzu kommt, dass das „Beckham-Gesetz“ es erlaubt, außerhalb Spaniens erzielte Einnahmen aus etwa Werbeauftritten, nicht in Spanien, sondern am Ort der Leistungserbringung, sprich im Ausland, zu versteuern. Auch im Ausland lagerndes Vermögen wird in Spanien steuerrechtlich nicht berücksichtigt. Bei Ronaldos Werbeeinnahmen soll es sich laut seinen Anwälten zu über 90 % um ausländische Honorare handeln. Zudem sei CR7 seiner Steuerpflicht im strittigen Zeitraum sogar mehr als nötig nachgekommen.

 

Auch Messi schon wegen Steuerhinterziehung verurteilt

CR7 ist nicht der einzige, der sich vor der spanischen Justiz bereits wegen Steuerhinterziehung zu verantworten hatte. 2016 wurde sein Erzrivale Lionel Messi zu einer Haftstrafe von 21 Monaten verurteilt. Diese musste der Stürmer allerdings nie antreten. Das Gericht hatte ihn und seinen Vater des Steuerbetrugs in Höhe von 4,1 Millionen Euro schuldig befunden. Messi selbst beteuerte während des Verfahrens, von nichts gewusst und seinen Beratern vertraut zu haben. Die ausstehenden Steuern in Höhe von 5 Millionen Euro und ein Bußgeld in Höhe von 2 Millionen überwies er direkt im Anschluss an das Finanzamt. Bekanntestes Beispiel aus Deutschland ist wohl Uli Hoeneß. Der Bayern-Präsident wanderte für 22 Monate ins Gefängnis, nachdem er gestand, 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Seine ursprünglich dreieinhalbjährige Haftstrafe wurde vorzeitig zur Bewährung ausgesetzt.