, October 3, 2017

Menschen fliehen vor den Schüssen

Über 30.000 Menschen waren zu dem Festival im Las Vegas Village gekommen. (Bildquelle)

In der Nacht von Sonntag auf Montag, den 2. Oktober 2017, hat der 64-jährige Stephen Paddock in Las Vegas über 59 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt. Unter den Todesopfern befinden sich auch Polizisten. Entlang des berühmten Las Vegas Strips, auf Höhe des im Süden des Las Vegas Boulevard gelegenen Mandalay Bay Hotel & Casinos, ereignete sich das Verbrechen am späten Abend und verursachte Chaos bis in die frühen Morgenstunden. Die Tat erfolgte im Rahmen des Country-Musikfestivals „Route 91 Harvest“, zu dem rund 30.000 Menschen erschienen waren. Der Täter zielte aus einem Hotelzimmer der Anlage auf die darunter versammelten Festivalbesucher. Der Polizei von Las Vegas gelang es schließlich, in sein Zimmer einzudringen. Dort erschoss Paddock sich selbst. Das Motiv des Mannes ist noch unbekannt, es soll sich jedoch um einen Einzeltäter gehandelt haben. Nach einer Bekannten des Schützen wird aktuell noch gefahndet.

 

Massenpanik bei Countryfestival

Nachdem der Schütze gegen 22:08 Uhr das Feuer eröffnet hatte, brach eine Massenpanik aus. Tausende Menschen kletterten über Absperrungen, flohen vom Tatort und suchten Schutz im nahegelegenen Tropicana Hotel & Casino und im Flughafen der Stadt, während bereits Krankenwagen anrollten. Der Straßenabschnitt rund um das Festival wurde abgesperrt und das Mandalay Bay abgeriegelt. Die angerückte Polizei stürmte das Resort mit Sturmgewehren. Sowohl Einheiten der FBI SWAT als auch der Las Vegas SWAT waren vor Ort. Nachdem die Schüsse kurz nach 22 Uhr begonnen haben sollen, gelang es der Polizei kurz vor Mitternacht, den Täter im 32. Stock des Hotels zu stellen. Per kontrollierter Sprengung verschafften sich die Einsatzkräfte gewaltsam Zutritt zu seinem Hotelzimmer. Dort nahm er sich selbst das Leben. Rund 10 Waffen sollen die Beamten in Stephen Paddocks Zimmer sichergestellt haben. Mittlerweile wurde bestätigt, dass er von dort aus auch geschossen hatte. Die Beamten mussten sich per kontrollierter Sprengung gewaltsam Zutritt zu seinem Hotelzimmer verschaffen. Ein Konzertbesucher nahm das Geschehen so wahr:

„Ich bin mir sicher, dass ich zwischen 100 und 130 Schuss gehört habe. Immer in Zehnerketten, wie bei einem Ladestreifen.“

Möglicherweise feuerte der Täter aus einem Maschinengewehr oder einer Maschinenpistole. Eine andere Festivalbesucherin, die sich zum Schutz in einem Kanal versteckte, beschrieb die Tatnacht mit den folgenden Worten:

„Es war wie in einem Horrorfilm. Zuerst standen die Leute noch ganz normal herum und dann fielen sie zu Boden.“

Insgesamt sollen zum gegenwärtigen Stand mehr als 527 Personen ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Mindestens 59 Todesopfer sind zu beklagen, darunter auch Polizisten. Das Route 91 Harvest findet seit 2014 alljährlich im Las Vegas Village von MGM statt, in unmittelbarer Nähe zum Mandalay Bay und Luxor. Zum Zeitpunkt der Schüsse befand sich der Countrysänger Jason Aldean auf der Bühne. Die dreitägige Veranstaltung feierte in der Tatnacht am Sonntag, dem 1. Oktober 2017, ihren Abschluss.

 

Täter tot, vermeintliche Komplizin auf der Flucht

Polizeichef Joe Lombardo bei einer Pressekonferenz

Polizeichef Joe Lombardo (Bildquelle)

Polizeichef Joe Lombardo bestätigte in einer Pressekonferenz zur Tat, dass der Täter tot sei. Entgegen anfänglicher Berichte, es habe auch Schüsse in benachbarten Resorts gegeben, handelt es sich bei dem Mann um einen Einzeltäter. Er wurde identifiziert als der 64-jährige Stephen Paddock, wohnhaft in Nevada. Explosionen rund um den Tatort verneinte Lombardo ebenfalls. Die Beamten fahnden nun mit Hochdruck nach der Reisebegleitung des Täters. Bei dieser soll es sich um eine Frau mit Namen Marilou Danley handeln. Sie wird als asiatisch aussehend beschrieben, etwa 1,50 m groß und 50 kg schwer. Um die Ermittlungen zu beschleunigen, hat die Polizei mittlerweile ein Fahndungsfoto der Frau in Umlauf gebracht. Bisher wird sie nicht als Verdächtige behandelt, sondern lediglich zu Vernehmungszwecken gesucht. Zudem stehen zwei Fahrzeuge auf der Fahndungsliste, ein Hyundai Tucson (Nummernschild 114 B40) sowie ein Chrysler Pacifica Touring (Nummernschild 19D 401).

 

Las Vegas immer wieder Schauplatz von Verbrechen

Es ist nicht das erste Mal, dass die amerikanische Spielerstadt in der Wüste Nevadas dieses Jahr von derartigen Vorfällen heimgesucht wird. So kam es im März dieses Jahres zu einem bewaffneten Raubüberfall im Bellagio sowie zeitgleich zu einer Schießerei in einem Bus, die ein Menschenleben kostete. Einen Monat später sorgte ein Brand im Bellagio für Aufruhr. Der jüngste Vorfall hat zudem auch Auswirkungen auf den Flughafen von Las Vegas. Am McCarran International Airport muss nach der kompletten Einstellung des Betriebs immer noch mit Flugausfällen und Verzögerungen gerechnet werden. Alle Reisenden werden gebeten, sich im Vorfeld bei ihrer Airline über ihre Verbindungen zu informieren.