, July 25, 2017

Scott Blumstein posiert mit seinem Bracelet und dem Preisgeld

Scott Blumstein posiert mit seinem ersten Bracelet und den über 8 Millionen Dollar Preisgeld. (Bildquelle)

Die Entscheidung beim Main Event der 48. World Series of Poker in Las Vegas ist gefallen. Als neuer Pokerweltmeister steht Scott Blumstein aus Morristown in New Jersey fest. Der erst 25-jährige Pokerspieler ist absoluter Neuling beim Main Event der WSOP und feiert damit einen umso größeren Erfolg. Er setzte sich im No-Limit Texas Hold’em für ein Buy-In von 10.000 $ gegen ein Feld von 7.221 Kontrahenten durch und konnte sich über ein Preisgeld in Höhe von 8.150.000 US-Dollar freuen. Mit seinem Sieg löst der 25-Jährige den Vorjahressieger Qui Nguyen als Pokerweltmeister ab. Dieser hatte 2016 8.005.310 US-Dollar Preisgeld abgeräumt. Die deutsche Bilanz kann sich mit drei Bracelets von Christopher Frank, Jens Lakemeier und Sebastian Langrock ebenfalls durchaus sehen lassen. Einen Überraschungs- und Achtungserfolg fuhr auch der Ex-Fußballprofi Mario Basler ein. Er landete beim Main Event mit Rang 789 unter den besten 11 % aller Teilnehmer und damit auch auf einem der 1.084 Geldränge.

 

Debütant holt Weltmeistertitel

Mit einem Sieg des 25-jährigen Scott Blumstein hat wohl keiner so richtig gerechnet. Am 8. Juli 2017 hatte der Kampf um die Pokerkrone begonnen. Seitdem wurde insgesamt 16 Tage lang Weltklassepoker gespielt, der mit dem Showdown der Top 3 am Samstag, dem 22. Juli, endete. Gegen Mitternacht am nächsten Tag stand schließlich Scott Blumstein als neuer Pokerweltmeister fest. Der WSOP-Neuling Blumstein startete mit 226.450.000 Chips ins Finale und setzte sich schnell gegen etablierte Größen der Branche durch. Zwar spielt der US-Amerikaner bereits seit 2012 Live Turniere, doch ein erwähnenswerter Gewinn war selten dabei, sodass er nun den größten Erfolg seiner Karriere erzielt hat. Obwohl er jetzt um über 8 Millionen Dollar reicher ist, ist Scott Blumstein auf dem Boden geblieben und schätzt die Freiheit, die er durch das Pokerspiel gewonnen hat:

„Noch vor zwei Wochen habe ich in New Jersey vor meinem Computer gesessen und im Grunde hat sich für mich nichts verändert. Ob ich mit dem Geld jetzt noch mehr Live Poker spielen werden? Wahrscheinlich. Aber jetzt kann ich nach dem Austragungsort der Turniere entscheiden und was mir am meisten zusagt, anstelle nach dem Buy-In gehen zu müssen. Geld motiviert mich nicht, es ist einfach nicht mein Motor. Ich wollte diese Sache hier nicht für die 8 Millionen gewinnen, sondern ich wollte unabhängig sein. Mein Ziel war es immer, an einen Punkt zu kommen, an dem ich völlig frei bin in meinem Leben. Ich glaube, das habe ich jetzt erreicht und wer weiß, ob ich weiter Poker spiele, arbeite oder zurück an die Schule gehe. Es steht mir alles offen und zusammen damit, sein Glück zu finden, ist das der Amerikanische Traum für mich.“

Der amtierende Weltmeister Qui Nguyen von 2016 schied bereits an Tag 2 aus und auch die Nummer 1 der Weltspitze, der Kanadier Daniel Negreanu, folgte wenig später. An den Final Table schafften es schließlich neun Spieler, die nach dreitägiger Erholungspause ihre Plätze für den großen Showdown einnahmen. Mit der Abschaffung der November Nine erfolgte die Krönung des Weltmeisters dieses Jahr zum ersten Mal direkt im Anschluss an das Main Event. Silber ging an Dan Ott aus den USA und Bronze an Benjamin Pollak aus Frankreich. Der 26-jährige Dan Ott war ebenfalls zum ersten Mal bei einem Main Event der WSOP dabei und hinterließ genauso wie sein Landsmann Scott Blumstein einen bleibenden Eindruck. Die deutsche Delegation schaffte es beim Main Event mit Florian Lohnert und Robin Hegele auf die Plätze 25 und 27. Beide konnten sich über ein Preisgeld in Höhe von 263.532 Dollar freuen. Der einzige deutsche Pokerweltmeister ist übrigens Pius Heinz, der sich 2011 am Final Table durchsetzen konnte. Sein Titel war mit 8.715.368 Dollar dotiert.

 

Drittgrößtes Main Event der Geschichte und 231.010.874 $ in Preisgeldern

WSOP Bracelet

WSOP Bracelet (Bildquelle)

Die 48. World Series of Poker bricht alle Rekorde. Mit insgesamt 120.995 Teilnehmern ist es die größte Pokerveranstaltung der Welt und hat mit der 120.000 Marke die Bilanz von 2016 sogar noch übertroffen. Spieler aus 111 Ländern waren vertreten, von denen die deutsche Delegation in der Gesamtzahl 1.172 Entries beisteuerte und damit im Ranking auf Platz 6 landet. Die USA sind mit 94.078 Teilnehmern die mit Abstand am häufigsten vertretene Nation. Das Main Event mit 7.221 Entries verfügte über das größte Spielerfeld seit 2010 und ist hinter den Zahlen von 2006 und 2010 das drittgrößte in der Geschichte der WSOP. Als ältester Spieler überhaupt trat der Amerikaner William Wachter an. Er ist 96 Jahre alt. Insgesamt wurden 231.010.874 $ in Preisgeldern ausgeschüttet, was ebenfalls einen neuen Rekord darstellt. Die beiden Amerikaner John Racener und Chris Ferguson haben zudem mit jeweils 17 Geldrängen eine neue Bestleistung aufgestellt.

 

Deutschland mit drei Bracelets vertreten

Die deutsche Bilanz der 48. WSOP kann sich durchaus sehen lassen. Insgesamt drei der begehrten goldenen Armbänder konnte das deutsche Team einsacken. Den Anfang machte Christopher Frank bei Event 33, gefolgt von Jens Lakemeier bei Nummer 59 und Sebastian Langrock bei Turnier Nummer 64. Ihre Preisgelder belohnen die drei Profis für ihre tolle Leistung:

 

  • Christopher Frank: 384.833 Dollar beim 1.500 $ No Limit Hold’em
  • Jens Lakemeier: 112.232 Dollar beim 2.500 $ Mixed Big Bet
  • Sebastian Langrock: 268.555 Dollar beim 1.500 $ No Limit Hold’em/Pot Limit Omaha – 8 Handed

 

Aber auch jenseits der prestigeträchtigen Bracelets konnten die deutschen Pokerprofis einige Erfolge verbuchen. So verpasste der 27-jährige Kölner Johannes Becker beim zweitwichtigsten Event des Turniers, dem 50.000 $ Poker Players Championship – 6 Handed, knapp den Sieg und damit das vierte Bracelet für die deutsche Poker-Community. Trotz einem guten Start und zwischenzeitlicher Führung musste er sich am Ende dem Briten Elior Sion geschlagen geben. Sein zweiter Platz war dennoch ein großer Grund zur Freude und bescherte ihm einen sagenhaften Gewinn von 862.649 Dollar. Reiner Kempe konnte ebenfalls einen lukrativen Gewinn in Höhe von 493.089 Dollar dingfest machen, als er auf Platz 7 des 111.111 $ No Limit Hold’em – High Roller for One Drop abschloss.

 

Fußballstar Mario Basler belegt Platz 789

Ex-Fußballer Mario Basler

Ex-Fußballer Mario Basler (Bildquelle)

Neben den drei Braceletgewinnern war ein weiteres bekanntes Gesicht bei der WSOP vertreten. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Mario Basler war einer der 7.221 Teilnehmer des Main Events und schied nach einem soliden Spiel erst nach mehreren Tagen aus. Mit Rang 789 schloss er dabei wesentlich besser ab als der Großteil der Teilnehmer und strich ein Preisgeld in Höhe von 17.243 Dollar ein. Der 48-Jährige ist kein Neuling an den Pokertischen, denn seine Teilnahme bei der WSOP ist nicht der erste Poker-Auftritt des Ex-Bayern. Nach seinen Ausflügen ins Reality TV und diverse Unterhaltungsformate ist er seit Anfang des Jahres Werbegesicht und Markenbotschafter von 888poker, als dessen Vertreter er auch an der WSOP teilnahm. Im Februar feierte er sein Debut beim 888Live Festival im King’s Casino in Rozvadov und trat im Juni beim „Make it Big“ Event von 888poker in Barcelona an.

 

Max Kruse von Werder Bremen auch auf Erfolgskurs

Mario Basler ist nicht der einzige Fußballer, der sich für eine Zweitkarriere als Pokerspieler entschieden hat. Max Kruse von Baslers früherem Arbeitgeber Werder Bremen war ebenfalls bei der WSOP am Start und belegte bei insgesamt drei Events Geldränge, darunter ein toller 4. Platz bei Event Nummer 28 im 1.500 $ Limit 2-7 Lowball Triple Draw. Mit seinen drei Platzierungen fuhr er allein bei der diesjährigen WSOP über 30.000 Dollar in Preisgeldern ein. Seine Karriere begann er bereits 2014 bei der 45. WSOP und zeigte dort bereits mit einem beeindruckenden 3. Platz und 36.494 Dollar Preisgeld, was in ihm steckt. Auch in den Folgejahren war Kruse bei der WSOP vertreten und schloss jedes Mal im Geld ab. Kurses Kollege, der ehemalige Bundesligaprofi Sergej Barbarez, belegte zudem den 8. Platz beim 1.500 $ Pot Limit Omaha.