, April 8, 2016

Panama Papers

„Oh, wie schön ist Panama!“ Nicht nur als Urlaubsland, sondern auch als Steueroase! (Quelle: https://pixabay.com/de/panama-papers-scheinfirmen-geld-1309777/)

Seit Anfang April beherrschen die sogenannten Panama Papers die internationalen Schlagzeilen. Bei den Papers handelt es sich um vertrauliche Unterlagen der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca aus Panama. Die Kanzlei verwaltet seit fast 40 Jahren über 214.000 Briefkastenfirmen. Durch ein Datenleck gelangten Inhalte an die Öffentlichkeit. Auch der Mutterkonzern hinter Online Poker Marktführer PokerStars, Amaya Gaming, könnte durch die Panama Papers in Misskredit gebracht werden.

Bei den Dokumenten handelt es sich um rund 11 Mio. E-Mails, Briefe, Faxnachrichten, Gründungsurkunden, Kreditverträge, Rechnungen, Bilder und Bankauszüge. Die Panama Papers legen Offshoregeschäfte sowie mögliche Steuer- und Geldwäschedelikte von zahlreichen Unternehmen, Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt offen. In den Unterlagen tauchen auch Namen von Spionen, Drogenhändlern und anderen Kriminellen auf. Die Daten wurden schon 2015 durch einen anonymen Whistleblower zahlreichen Medien zugespielt. An der Auswertung, die gut ein Jahr dauerte, beteiligten sich etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern.

Auch Lionel Messi hatte eine Briefkastenfirma in Panama

In den Papieren werden 12 aktive oder frühere Staats- und Regierungschefs erwähnt, auch 61 Verwandte oder enge Vertraute von Staats- und Regierungschefs. Hinzu kommen 128 hochrangige Politiker und Beamte oder deren Vertraute sowie Sportler wie Lionel Messi. Hunderte Millionäre sowie 29 Milliardäre finden sich auch in den Dokumenten.

Welche der Briefkastenfirmen legal waren oder aber für krumme Geschäfte wie Steuerbetrug oder Geldwäsche benutzt wurden, ist bisher noch unklar. In zahlreichen Ländern haben Finanz- und Strafbehörden sowie Regierungen bereits angekündigt, die durch die Panama Papers bekannt gewordenen Geldanlagen überprüfen zu wollen.

Goulissa Baazov ist Anteilseignerin von Zapha Holdings

In der Poker-Szene sorgten die Panama Papers für Schlagzeilen, als der Name von Goulissa Baazov, der Schwester von Amaya Gaming CEO David Baazov, mit einer Briefkastenfirma in Verbindung gebracht wurde. Bei den Daten tauchte der Name des Unternehmens Zapha Holdings Inc auf. Die Firma hat ihren Sitz auf den Jungferninseln und einer der wichtigsten Kunden ist das IMF Network aus Montreal in Kanada, wo auch Amaya seinen Hauptsitz hat. Eine der Anteilseignerinnen ist Goulissa Baazov. Zapha wurde in Verbindung mit Oddsmaker.ag (ehemals Oddsmaker.com) und BetonUSA.com gebracht und soll als Finanzdienstleister für Buchmacher gearbeitet haben. Der Buchmacher BetonUSA gehört wiederum Josh Baazov, dem Bruder von David und Goulissa.

Neben der Schwester des Amaya Gaming CEO ist auch Isam Mansour Anteilseigner von Zapha. Die Autorité des Marchés Financiers (AMF) hatte im März gegen Mansour und Baazov Anzeige wegen Insiderhandel erstattet. Den beiden werden fünf Vergehen vorgeworfen, darunter „Weitergabe von vertraulichen Informationen“ und „Beeinflussung des Marktes“. Daraufhin trat David Baazov für unbestimmte Zeit von seinen aktiven Posten bei Amaya zurück. Zuvor hatte Baazov noch den Plan geäußert, Amaya komplett übernehmen zu wollen. Damit wäre das Unternehmen zukünftig nicht mehr an der Börse gehandelt, sondern in privater Hand und würde viel mehr Freiheiten genießen.

Baazov ist unschuldig und geht für unbestimmte Zeit in „Urlaub“

Zu den Vorwürfen der AMF hatte sich David Baazov mit einem Statement zu Wort gemeldet, während er zu den Panama Papers bisher noch schwieg:

„Die Vorwürfe sind falsch und ich habe vor, mich gegen die Beschuldigungen zu verteidigen. Während ich zutiefst enttäuscht bin […], so bin ich zuversichtlich, dass ich für unschuldig befunden werde.“

Anfang Mai soll eine Liste mit allen Namen und Unternehmen aus den Panama Papers veröffentlicht werden. Auch Playtech-Gründer Teddy Sagi solll mindestens 16 Briefkastenfirmen genutzt haben, um bei Immobiliengeschäfte Steuer zu sparen. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Journalisten, welche die Daten analysiert haben, wohl noch einige Details aus den Panama Papers an die Öffentlichkeit bringen. Dann wird man vielleicht auch wissen, ob Auswirkungen für Amaya Gaming und PokerStars zu erwarten sind. Gerade erst hat PokerStars seine Online Poker-Lizenz in New Jersey für 6 Monate verlängert bekommen. Sollten Verbindungen zu krummen Geschäften in den Panama Papers aufgedeckt werden, dürfte es keine Verlängerung der Konzession in dem US-Staat geben.