Sportwetten Prozess in Stuttgart: Ehemaliger Bundesliga Trainer Uwe Rapolder sagt aus

, Dezember 15, 2016

Sportwetten Prozess

Vor dem Landgericht Stuttgart müssen sich fünf Männer wegen manipulierter Fußballspiele verantworten (Symbolbild – Quelle).

In Stuttgart muss sich seit November 2015 eine Gruppe von fünf Männern wegen der Manipulation von Fußballspielen vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen Fußballer bestochen haben, um mit Wetten auf verlorene Partien hohe Summen zu gewinnen. Im Sportwetten Prozess hat jetzt der ehemalige Bundesliga Trainer Uwe Rapolder ausgesagt. Er weist die Vorwürfe von sich, von den Fünf Geld angeboten bekommen zu haben.

Darstellung von Uwe Rapolder im Sportwetten Prozess

Bei seiner Aussage als Zeuge vor dem Landgericht Stuttgart hat Uwe Rapolder die Darstellung zurückgewiesen, dass die Angeklagten auf ihn zugekommen seien. Vor Gericht ging es darum, ob der inzwischen 58-Jährige während seiner Zeit als Bundesliga Trainer Geld angeboten bekommen hätte, um eine Partie in der dritten Liga zwischen dem SG Sonnenhof Großaspach und dem MSV Duisburg zu beeinflussen. Trotz versuchter Einflussnahme der Angeklagten endete die Partie mit einem 1:1 statt mit der erhofften Niederlage für Großaspach. Im Zuge ihrer Arbeit hörten die Ermittler dennoch das Telefon von Uwe Rapolder ab. Am vergangenen Mittwoch, den 7. Dezember 2016, sagte dieser aus:

„Ich bin niemals von irgendwem in diese Richtung angesprochen worden. Es macht auch gar keinen Sinn, einen Trainer zu bestechen. Ich kann den Spielern ja nicht einfach sagen, spielt mal schlechter.“

Angeklagte im Sportwetten Prozess

Die fünf im Sportwetten Prozess angeklagten Männer sind im Alter zwischen 38 und 44 Jahre und werden der Manipulation von Fußballspielen im Zeitraum von Mitte 2014 bis Anfang 2015 beschuldigt. Dabei hatten sie es vor allem auf den dänischen Club FC Vestsjaelland abgesehen und dessen Spieler bestochen, damit diese nicht die volle Leistung auf dem Platz erbringen sollten. Auch Partien der dritten deutschen Liga befanden sich im Visier der Fünf. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Männer durch entsprechende Sportwetten auf die manipulierten Spiele mehr als 150.000 Euro an Gewinn erzielt haben.

Bestechung von dänischen Spielern

Die bestochenen dänischen Spieler waren zum Prozessauftakt im November 2015 nicht bekannt. Die Bande der Angeklagten hatte jedoch Spielern des dänischen Erstligavereins FC Vestsjaelland Geld geboten, um Spiele gegen die Mannschaften Esbjerg fB und FC Kopenhagen zu verlieren. In einem Wettbüro in Heilbronn erzielten sie so einen Gewinn von 18.000 Euro. Bei einem zweiten Spiel tätigten sie Einsätze in verschiedenen Wettbüros in ganz Deutschland. Ein Buchmacher in Cannstatt schöpfte jedoch Verdacht aufgrund der hohen Wettquote. Er weigerte sich, einen Wette von über 10.000 Euro anzunehmen und einen Gewinn von rund 30.000 Euro auszuzahlen.

Die Angeklagten sind beschuldigt, den Betreiber des Cannstatter Wettbüros daraufhin bedroht zu haben. Trotz Todesdrohungen ließ sich dieser nicht einschüchtern. In Zusammenarbeit mit der Bochumer Polizei gelang die Festnahme der Bande. Die Polizei in Bochum hatte ein Telefonat zwischen den Tätern und einem vorbestraften Mann abgehört, bei dem es um die Manipulation von Fußballspielen ging.

Eigentor als Schicksalsschlag

Die Partie, bei der Uwe Rapolder involviert gewesen sein soll, fand im Dezember 2014 statt, als der SG Sonnenhof Großaspach und der MSV Duisburg in der dritten Liga aufeinandertrafen. Unabhängig von der versuchten Manipulation durchkreuzte ein schicksalsträchtiges Eigentor sämtliche Pläne. Der SV Großaspach unterlag nicht wie von den Angeklagten erhofft, sondern die Partie endete unentschieden mit 1 : 1. Sämtliche platzierten Sportwetten der Bande gingen verloren.

Aussage eines Polizisten belastete Uwe Rapolder

Sportwetten Prozess

Im Sportwetten Prozess wies der ehemalige Trainer Uwe Rapolder Vorwürfe von sich (Quelle: Vulkahn | Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Im Oktober 2016 hatte ein Kriminalbeamter in Bezug auf die Drittligapartie vor dem Landgericht Stuttgart ausgesagt. Laut seiner Darstellung seien die fünf Beschuldigten vor der genannten Begegnung des SG Sonnenhof Großaspach gegen den MSV Duisburg an den SG Sonnenhof Trainer Uwe Rapolder herangetreten. Die Polizei in Stuttgart nahm die Ermittlungen im März 2015 auf nach einer Information durch die Kollegen in Bochum. Die Ermittler hörten das Telefon von Uwe Rapolder ab, wobei weder der Trainer noch die Mannschaft über laufende Ermittlungen informiert wurden. Wie der Beamte aussagte, wollte man keine Unruhe in die Mannschaft bringen.

Der Verlauf im Sportwetten Prozess

Der Sportwetten Prozess wird vor der 8. Großen Strafkammer am Landgericht Stuttgart verhandelt. Der Tatvorwurf gegen die fünf Angeklagten lautet gemeinschaftlicher banden- und gewerbsmäßiger Betrug. Hauptangeklagter ist ein heute 40-Jähriger, der selbst Wettbüros betrieb. Die zunächst vom 12. November bis zum 22. Dezember 2015 sechs Tage andauernde Hauptverhandlung musste wegen erforderlich gewordener Nachermittlungen ausgesetzt werden und begann am 5. Oktober 2016 erneut. Aktuell wurden Hauptverhandlungstermine am 1. und 15. Dezember 2016 sowie am 12. und 19. Januar 2017 aufgehoben. Der nächste Gerichtstermin ist damit der 22. Dezember 2016.