, 19.12.2017

BBC Reporter Rob Cave bei seinem Undercover-Einsatz in Grimsby

BBC Reporter Rob Cave bei seinem Undercover-Einsatz in Grimsby. (Bild: scoopnest.com)

Ein aktueller Feldversuch der BBC hat gezeigt, wie schlecht das System zur Selbstsperre in britischen Wettbüros funktioniert. Die BBC hatte im Rahmen seiner Reihe „Radio 5 Live Investigates“ einen Undercover-Reporter losgeschickt, der sich über das britische MOSES-System bei 21 Wettbüros sperren ließ. In 19 davon durfte er trotzdem spielen, lediglich zwei erkannten ihn und verwiesen ihn der Räumlichkeiten.

 

Die Betreibergesellschaft des Systems, The Senet Group, hat das BBC Ergebnis als „Wake-up Call“ bezeichnet und will es zum Anlass nehmen, das System zu überarbeiten. In der Folge hat auch die UK Gambling Commission eine Untersuchung anberaumt, die sich mit dem geltenden Selbstsperrsystem beschäftigen und Verbesserungsmaßnahmen erarbeiten soll.

 

Nur zwei Anbieter erkennen Reporter

Straße in Grimsby

Straße in Grimsby (Bild: geograph.org.uk)

BBC 5 Live Reporter Rob Cave hatte sich für seinen Versuch Mitte Dezember über das sogenannte Multi-Operator Self-Exclusion Scheme, kurz MOSES, in insgesamt 21 britischen Wettbüros sperren lassen. Alle getesteten Shops befanden sich in Grimsby, einer Hafenstadt mit rund 87.000 Einwohnern in der Grafschaft Lincolnshire, die für ihre hohe Dichte an Wettbüros bekannt ist. Für die Selbstsperre stellte er MOSES seine Daten und ein Foto zur Verfügung. Das Programm übermittelte die Informationen dann an die ausgewählten 21 Wettbüros.

 

Zehn Tage später startet er seinen Feldversuch in Grimsby mit ernüchterndem Ergebnis. In lediglich zwei der Shops wurde er aufgrund seiner Sperre und des mit ihr übermittelten Fotos auf Anhieb erkannt. In 19 der 21 angesteuerten Wettbüros konnte er seine Wette problemlos platzieren. Gespielt hatte Rob Cave an den kontroversen fixed-odds betting terminals (FOBTs). Diese Maschinen sind in Großbritannien schon lange ein heißes Thema, da sie sehr hohe Einsätze in sehr kurzer Zeit erlauben. Nach der letzten Untersuchung der Regierung sollen die Einsatzgrenzen der Geräte jedoch zukünftig stark reduziert werden.

 

So funktioniert MOSES

Das MOSES-System wird Spielern von der Senet Group zur Verfügung gestellt, einer Vereinigung zur Stärkung der Prinzipien des verantwortungsvollen Spiels. Gegründet und finanziert wird die Senet Group von registrierten britischen Buchmachern. 75 % aller landbasierten Buchmacher sind Mitglied der Organisation. Die UK Gambling Commission hatte die Entwicklung von MOSES angeregt. Seit seiner Einführung in diesem Jahr ist über das System eine Sperre bei mehreren Buchmachern gleichzeitig möglich. Jeder zugelassene Buchmacher muss zusätzlich sein eigenes Sperrsystem anbieten.

 

Der Sperrprozess läuft zunächst übers Telefon. Im Gespräch mit einem Mitarbeiter werden die Gebiete und Wettbüros bestimmt, in denen der Anrufer sich vermehrt aufhält, wohnt und arbeitet. Per Post oder E-Mail sendet der Spieler im Anschluss seinen Ausweis sowie ein Foto an die Zentrale. Das daraus erstellte Profil wird dann von MOSES an die ausgewählten Läden verteilt. Eine Selbstsperre gilt immer für 12 Monate. Eine frühzeitige Beendigung ist nicht möglich.

 

Gambling Commission und Senet Group zeigen sich ernsthaft besorgt

Das Ergebnis des Undercover-Einsatzes zeigt, wie unzureichend das Sperrsystem in Großbritannien noch funktioniert. Menschen mit problematischem Spielverhalten kann so nur sehr schlecht geholfen werden. Mit der Veröffentlichung des Experiments durch die BBC sind zahlreiche Institutionen auf den Plan gerufen worden, die Stellung zum Thema bezogen haben, darunter auch die Association of Bookmakers, die betont, bereits an einer Lösung für das Problem zu arbeiten:

„Wir sind uns bewusst, dass das aktuelle Selbstsperrsystem nicht fehlerfrei ist, aber wir arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung des Systems.“

Reporter Rob Cave beendete seinen Beitrag hingegen mit den folgenden Worten:

„Es stellt sich die Frage, ob ein Stück Papier mit einem Namen und einem Foto darauf reicht, um denjenigen zu helfen, die wirklich aufhören wollen zu spielen, wenn aus Spiel auf einmal Ernst wird.“

Er berichtete außerdem, dass er sich am Schalter offen dem Personal gezeigt habe und auch nicht zu besonderen Stoßzeiten in den Läden gewesen sei. Die UK Gambling Commission hat als Reaktion auf die Ergebnisse des Versuchs bereits eine Untersuchung des Systems angekündigt.

 

Briten wetten anders als Deutsche

Wettbüros gehören im Vereinigten Königreich im ganzen Land zum Stadtbild. Neben Online Casinos sind Wettbüros Anlaufstelle Nummer 1 für britische Spieler, die dort besonders gern auf Pferde- und Hunderennen setzen, eine Vorliebe, die in Deutschland gegen den Dauerrenner Fußball noch kaum Fuß gefasst hat.

 

Hinzu kommen FOBTs als entscheidender Faktor in der britischen Glücksspielwelt. Insgesamt 33.611 dieser Maschinen befinden sich in Wettbüros im ganzen Land. Sie generieren pro Jahr einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Pfund für die Buchmacher, was mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes der Läden darstellt. FOBTs lassen zurzeit noch Einsätze von bis zu 300 Pfund pro Minute zu, sollen jedoch aufgrund ihres hohen Suchtpotenzials in Kürze auf Beträge um die 60 Pfund pro Minute reduziert werden. Allein im Jahr 2016 sollen 8 Millionen Pfund in die Behandlung und Therapie von Spielsucht geflossen sein.

 

Kontrollsysteme in Deutschland funktionieren besser

Deutsches Face-Check System

Deutsches Face-Check System (Bild: dpa-video.com)

Für in Deutschland niedergelassene Spielhallen und Wettbüros wird aktuell vor allem ein Zugangskontrollsystem auf Basis biometrischer Gesichtserkennung getestet. Systeme wie „Facetrakk“ von der entri GmbH und „Face-Check“ der Gauselmann-Gruppe sind wegweisend für die moderne Zugangskontrolle. Gäste werden bei Besuch einer Spielhalle per Kamera erfasst und müssen nicht mehr ihren Ausweis vorzeigen. Das System erkennt dann, ob es sich bei dem Besucher um eine minderjährige oder gesperrte Person handelt. Eine Ampel an der Eingangsschranke zeigt mit rotem oder grünen Licht an, ob der Zugang gewährt wird.

 

Das System funktioniert bisher einwandfrei, lediglich datenschutzrechtliche Bedenken müssen noch aus dem Weg geräumt werden. So werden keine persönlichen Daten erfasst und die gescannten Gesichtsmerkmale nach 30 Sekunden wieder gelöscht. An einer spielhallenübergreifenden Kontrolle wird derzeit noch gearbeitet.