, 03.06.2017

Das Resorts World Manila steht in Flammen.

Bei dem Angriff auf das Resorts World Manila starben sowohl Besucher als auch Angestellte. (Bildquelle)

In der Nacht auf Freitag, den 2. Juni 2017, wurde die philippinische Hauptstadt Manila Schauplatz eines dramatischen Überfalls. Gegen Mitternacht drang ein maskierter und bewaffneter Mann in den Hotel- und Casinokomplex „Resorts World Manila“ ein. Dort eröffnete er das Feuer. Er soll jedoch nicht auf Personen gezielt haben. Stattdessen verursachte er einen Brand, der über 30 Menschen das Leben gekostet hat. Obwohl der IS die Tat für sich beansprucht, dementierte die Polizei in Manila einen terroristischen Hintergrund. Der Täter beging im Anschluss an seine Tat Selbstmord in einem der Hotelzimmer der Anlage. Aufgrund sich widersprechender Angaben können zu diesem Zeitpunkt noch keine abschließenden Aussagen zur Zahl der Opfer und dem genauen Tathergang getroffen werden.

 

Missglückter Raubüberfall oder Terroranschlag

Bezüglich des Motivs der Tat wird vermehrt ein missglückter Raubüberfall diskutiert. Dafür spricht, dass der Mann Jetons im Wert von umgerechnet 2 Millionen Euro in seinem Rucksack verstaut haben soll. Hinzu kommt, dass er angeblich nicht auf Personen, sondern lediglich auf Bildschirme und andere Geräte geschossen haben soll. Aufgrund dessen schließt die philippinische Polizei einen Terroranschlag aus. Stattdessen soll es sich um einen Einzeltäter handeln, dessen Motiv womöglich Geldsorgen gewesen sein könnten. Der Polizeichef des Landes, Ronald Dela Rosa, gab gegenüber einer Nachrichtenagentur offenbar Folgendes zu Protokoll:

„Wir können nicht von Terror sprechen, er hat keine Menschen angegriffen. Wenn man Terrorist ist, will man Terror säen.“

Dela Rosas Kollege Oscar Albayalde, der Polizeichef von Manila, fügte hinzu:

„Das ist das Werk eines Verrückten. Vielleicht war er spielsüchtig, hat all sein Geld verloren und ist dann durchgedreht.“

Zudem könne es sich um einen Ausländer gehandelt haben, wie Albayalde mutmaßte. Der Angreifer habe kaukasisch ausgesehen, sei großer Statur gewesen, habe eine helle Hautfarbe gehabt und Englisch gesprochen.

 

Rauchvergiftung als Todesursache

Indem der Angreifer Teppiche und Spieltische anzündete, verursachte er einen Brand, in dessen Flammen und Rauchschwaden mehr als 30 Menschen umkommen sollten. Die Panik in Folge der Schüsse und die Angst der Menschen vor einem Anschlag, wie er sich erst kürzlich in Manchester ereignete, machten die Lage extrem unübersichtlich. Aufgrund der starken Rauchbelastung war es den Sicherheitskräften lange nicht möglich, das Gebäude zu betreten. Laut Medienberichten wurden die Leichen erst verspätet in den oberen Stockwerken des Hotels gefunden. Nachdem er in einem Schusswechsel mit den Sicherheitsbeamten verletzt wurde, soll der Täter sich später selbst in einem Hotelzimmer mit Benzin übergossen haben und durch einen Kopfschuss gestorben sein. Insgesamt soll es mehr als 50 Verletzte geben. Die Zahl der Todesopfer wird laut Medienberichten mittlerweile auf 35, teilweise auch 36, beziffert. Es sollen sich sowohl Gäste als auch Angestellte unter den Opfern befinden. Ob auch Ausländer darunter sind, ist bisher unklar.

 

Resorts World Manila war Mammutprojekt

Mit dem Resorts World Manila (RWM) wurde eine prominente Einrichtung der Hauptstadt zur Zielscheibe. Das erste integrierte Resort der Philippinen wurde 2009 eröffnet. Es verfügt über mehr als 1.500 Zimmer und zehn verschiedene Restaurants. Hinzu kommen eine Shopping Mall, ein Theater und Konferenzräume. Das RWM bietet seinen Gästen einen Casinobereich von 30.000 m2 auf drei Etagen. Zum Vergleich: Das Aria in Las Vegas erwartet seine Besucher mit einer Spielfläche von 14.000 m2. Im ebenfalls in Vegas gelegenen Rio All-Suite Hotel and Casino, wo aktuell die 48. World Series of Poker gestartet ist, sind es rund 11.000 m2. Das größte Casino Deutschlands, die Spielbank Hohensyburg in Dortmund, ist gerade einmal 4.000 m2 groß und damit ein Zwerg im Vergleich zum Haus in Manila. Anteilseigner des RWM ist die Genting-Gruppe, ein international tätiger Konzern, der Casinos auf der ganzen Welt unterhält, darunter auch renommierte Häuser in den USA, Singapur oder Großbritannien.

 

Lage auf den Philippinen kritisch

Die Lage auf den Philippinnen ist seit längerem angespannt. Das Land ist zwar mehrheitlich christlich, wird jedoch immer wieder von Angriffen islamistischer Rebellen gebeutelt. Aktuell toben im Süden des Landes Kämpfe zwischen IS-Anhängern und Regierungstruppen. Präsident Rodrigo Duterte verhängte sogar das Kriegsrecht über die betroffene Insel Mindanao. Dort sollen sich mehrere IS-Kämpfer verschanzt haben. Die Gefechte haben bisher über 150 Tote gefordert. Mit dem Vorfall in Manila hätte Staatsoberhaupt Duterte, dem ohnehin ein hitziges Temperament nachgesagt wird, einen guten Grund, den Krieg auszudehnen. Obwohl die Wirtschaftsentwicklung auf den Philippinen im Aufschwung begriffen ist, ist Korruption immer noch ein weitverbreitetes Problem im Land. Hinzu kommt, dass ein Viertel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt. Der Inselstaat im Pazifik hat über 1 Milliarde Einwohner, rund 1,6 Millionen davon leben in der Hauptstadt Manila. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um 1,6 %, wie aus den Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hervorgeht.