, October 26, 2016

Phil Ivey

Auch bei der zweiten Klage gegen ein Casino wegen Edge Sorting musste Pokerprofi Phil Ivey nun eine Niederlage vor Gericht hinnehmen. Auch, wenn er nicht betrogen hat, darf er seinen Gewinn nicht behalten! (Bildquelle)

Ende 2012 besuchte der Poker-Superstar Phil Ivey das Borgata Casino in Atlantic City. Er gewann an vier Abenden insgesamt 9,6 Mio. Dollar beim High Stakes Baccarat. Im April 2014 ging das Borgata dann gegen den Pokerspieler vor Gericht und forderte die Rückzahlung der Gewinnsumme. Im Juli 2014 reagierte Ivey erstmals auf die Klage und forderte mit seinen Anwälten die Abweisung der Klage. Am Wochenende wurde nun von einem Bundesrichter am Bezirksgericht New Jersey endlich ein Urteil gefällt: Ivey habe zwar nicht betrogen aber mit seiner Begleiterin in drei Punkten Vertragsbruch begangen. Damit seien die Gewinne nichtig.

 

Der Poker-Superstar Phil Ivey nutzte damals im Borgata Casino die Technik des “Edge Sorting”. Durch Druck- oder Herstellungsfehler bei den Spielkarten kann hier ein geübter Spieler die Karten „lesen“. Dies wird möglich, wenn das Kartendeck auf der Rückseite kein symmetrisches Muster hat. Iveys Begleiterin, die Chinesin Chen Yin Sun, die sich wohl besonders gut mit solchen fehlerhaften Kartendecks auskennt, soll an den beiden Abenden den Croupier unter dem Vorwand des Aberglaubens immer gebeten haben, die wichtigsten Karten im Deck nach dem ersten Aufdecken um 180 Grad zu drehen. Die umgedrehten Karten kamen dann wieder zurück ins Deck und konnten wohl so von Ivey ganz leicht wieder identifiziert werden, als sie erneut gedealt wurden. Edge Sorting verspricht aber keine Gewinngarantie. Ein Mathematiker sprach während den Verhandlungen von einem Vorteil von gerade einmal 4,5 bis 7 Prozent.

 

„Casino ist schuld, dass es fehlerhafte Kartendecks einsetzt“

 

Ivey behauptete immer er habe nicht betrogen, sondern durch Können gewonnen. Edge Sorting sei nicht illegal. Für Ivey sei die Klage des Borgata nur ein Versuch, eigene Nachlässigkeiten und Fehler zu rechtfertigen. Es sei die Schuld des Casinos, dass man fehlerhafte Kartendecks verwende. Auch Iveys Begleiterin, habe zu keiner Zeit die Karten berührt oder manipuliert. Dabei hätte jeder Casino-Angestellte die Druckfehler der Karten bemerken können.

 

Die gleiche Methode hatte Ivey an zwei Abenden im Oktober 2012 auch im Crockfords Casino in London angewandt, wo sein Gewinn in Höhe von 12,4 Mio. Dollar aber vom Casino nicht ausbezahlt wurde. Auch dieser Fall landete vor Gericht, da Ivey das Geld rechtlich einforderte. Im Oktober 2014 wurde hier folgendes Urteil gefällt: Phil Ivey habe doch betrogen. Das Crockfords müsse Ivey die Gewinne nicht ausbezahlen. Laut der Begründung des Richters habe sich Ivey einen irregulären Vorteil verschafft, welcher durch das Spiel nicht vorgesehen sei. Das sei nach seiner Ansicht Betrug.

 

Borgata: „Ivey hat vorsätzlich, wissentlich und betrügerisch gehandelt“

 

Das Borgata Casino behaupte bei seiner Klage, dass Phil Ivey und seine Begleiterin vorsätzlich, wissentlich und betrügerisch gehandelt hätten, um einen Vorteil beim Baccarat zu erhalten. Und diese betrügerische Absicht sei eben strafbar. Ivey habe bei den vier Sessions einen privaten Bereich zum Spielen verlangt, einen Dealer der Mandarin spreche, ein lila Kartendeck von der Firma Gemaco sowie eine automatische Mischmaschine. Nur so habe er so viel Geld gewinnen können.

 

Der Antragsschrift von Ivey und Sun gegen die Vorwürfe des Borgata wurde in allen Punkten bis auf den Vorwurf der Vertragsverletzung stattgegeben. Dem Gegenantrag von Borgata wurde beim Vorwurf der Vertragsverletzung entsprochen, in allen anderen Punkten wurde er abgelehnt. Die beiden hätten die Gewinnchancen beim Baccarat zu ihrem Vorteil verändert. Dies würde im kompletten Widerspruch zu den grundlegenden Zwecken und Inhalten des CCA stehen.

 

Ivey und Sun haben die vertraglichen Vereinbarungen mit dem Casino gebrochen

 

Richter Hillman führte wie folgt aus:

„Die vertraglichen Ansprüche basieren darauf, dass das Borgata seinen Verpflichtungen nach dem New Jersey Casino Control Act (CCA) nachging, als die beiden im Casino Baccarat spielen durften. Im Gegenzug haben sich Ivey und Sun automatisch damit einverstanden erklärt, nach den Richtlinien des CCA zu spielen. Doch durch den unlauteren Vorteil, haben sie diese Vereinbarung mit dem Borgata gebrochen.“

 

Der Richter Noel Hillman wies aber eine separate Klage bezüglich Betruges und Verstoß zurück. Ein Vertragsbruch sei kein Betrug. Die grundsätzlichen Regeln des Baccarat-Spiels seien nicht verletzt worden. Cheung Yin Sun und Phil Ivey haben nun 20 Tage Zeit, um Einspruch einzulegen. Danach hat das Borgata weitere 20 Tage Zeit, um ebenfalls Einspruch einzulegen.