, 08.08.2016

Spielbank Hamburg

Gehen in der Spielbank Hamburg bald die Lichter aus? Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat weitere Warnstreiks angekündigt und will den Druck auf den Arbeitgeber weiter erhöhen. (Bildquelle)

In der Spielbank Hamburg heißt es aktuell „Rien ne va plus“, nichts geht mehr. Doch das ist ausnahmsweise Mal nicht auf die Roulettetische bezogen, sondern auf den Ablauf des regulären Spielbetriebs. In den vergangenen Wochen gab es schon vier Warnstreiks in der Spielbank Hamburg. Das für den September dieses Jahres geplante Hamburg Poker Masters musste wegen der Tarifkonfliktsituation schon abgesagt werden. Gestritten wird um die Arbeitszeiten sowie den Verdienst der Croupiers und der anderen Angestellten.

Die im Jahr 1978 eröffnete Spielbank Hamburg hat vier Dependancen: an der Esplanade, an der Reeperbahn, an der Mundsburg und am Steindamm. Von den jüngsten Streiks waren vor allem die Spielbanken Reeperbahn und Esplanade betroffen. 310 Mitarbeiter sind aktuell bei dem Betreiber, der „Spielbank Hamburg Jahr + Achterfeld KG“, angestellt. Laut der Webseite werden die Personal-Aufwendungen des Klassischen Spiels zum größten Teil aus den Trinkgeld-Einnahmen gedeckt. Die Personalkosten in den Dependancen werden überwiegend aus Mitteln der Betreibergesellschaft beglichen.

Hamburger Poker-Meisterschaft wurde als Folge der Streiks abgesagt

Schon seit Wochen gibt es eine Tarifauseinandersetzung zwischen der Dienstleistungsgesellschaft Ver.di und dem Eigentümer der Spielbank über Arbeitszeiten und den Verdienst der Croupiers und anderen Angestellten. Da man wegen der aktuellen Situation einen reibungslosen Ablauf für die September geplante Hamburger Poker-Meisterschaft nicht garantieren könne, wurde diese als Folge der Streiks abgesagt.

Die Croupiers werden grundsätzlich aus dem sogenannten Tronc bezahlt. Der Tronc ist eine Art gemeinschaftliche Trinkgeldkasse der Beschäftigten. Doch in den staatlich konzessionierten Spielbanken sind die Umsätze und Besucherzahlen seit Jahren konstant rückläufig. Viele Spieler wandern zur Konkurrenz ins Internet ab. Unabhängig von den Trinkgeldern gibt es auch einen garantierten Grundverdienst, der laut Ver.di je nach Beschäftigungszeit und Erfahrung zwischen 1.800 und 3.000 Euro brutto im Monat liegt. Dieser kommt ins Spiel, wenn nicht genug Trinkgelder zusammenkommen. Und das kam wohl in jüngster Zeit immer häufiger vor.

Hamburg hatte Spielbankabgabe von 70 auf 55 Prozent gekürzt

Vor drei Jahren hatte Hamburg auf die rückläufigen Umsätze reagiert und wie schon andere Bundesländer zuvor die Spielbankabgabe von 70 Prozent der Bruttospielerträge auf 55 Prozent gekürzt. Die Abgabe war von jährlich rund 45 Millionen Euro im Jahr 2004 auf 18 Millionen im Jahr 2011 gesunken.

Verdi fordert nun eine Erhöhung des Grundgehaltes für den Croupiers- und Servicebereich, einen Einstieg in ein Urlaubs- und Weihnachtsgeld für alle, eine Erhöhung der Nachtarbeitszuschläge für den Service, Garderobe, Rezeption und Portiers sowie die Erhöhung der niedrigen Gehaltsgruppen im Automatenspiel. Auch geht es laut Ver.di um die Arbeitszeiten. Die eine Seite verlangt mehr Flexibilität der Beschäftigten, die andere eine Verringerung der Arbeitszeiten. Ver.di.-Verhandlungsführerin Ira Gloe-Semler kündigte gegenüber dem Abendblatt weitere Streiks für die nächsten Tage an:

„Arbeitgeber sollte bedingungslos an den Verhandlungstisch kommen“

„Die hohe Teilnahme bei allen durchgeführten Warnstreiks hat deutlich gezeigt, wie die Stimmung bei den Beschäftigten der Hamburger Spielbank ist. Die Durchführung der Urabstimmung über einen Erzwingungsstreik ist eine weitere Eskalation. Der Arbeitgeber wäre gut beraten das nächste Mal bedingungslos an den Verhandlungstisch zu kommen und sich stattdessen auf unsere Forderungen zu zubewegen.“

Die Gewerkschaft hatte eine Urabstimmung beschlossen, um mit einem größeren Erzwingungsstreik noch mehr Druck auf den Betreiber auszuüben. Die Abstimmung wird nun parallel zu den Warnstreiks bei den ver.di-Mitgliedern durchgeführt. Die „Spielbank Hamburg Jahr + Achterfeld KG“ erklärte, man sei weiter „gesprächs- und verhandlungsbereit.“

17,5 Mio. Gäste seit der Eröffnung im Januar 1978

Rechtliche Grundlage der Spielbank Hamburg ist eine Konzession aus dem Jahr 1977. Der Senat hatte die Lizenz an das Unternehmen „Spielbank Hamburg Jahr + Achterfeld KG“ erteilt. Am 20. Januar 1978 eröffnete das Unternehmen im 9. Stock des Inter Continental an der Außenalster eine Spielbank mit Roulette, Blackjack und Baccara an insgesamt 15 Spieltischen. 2003 wurde die Konzession bis zum 31. Dezember 2017 verlängert. Im Dezember 2006 zog die Spielbank Hamburg dann in das Casino Esplanade. Seit der Gründung sollen nach eigenen Angaben 17,5 Mio. Gäste die Spielbank besucht haben.

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