Verfahren gegen Wayne Shaw für „Pie-gate“

, Juli 18, 2017

Wayne Shaw isst eine Fleischpastete am Spielfeldrand

Der Verzehr dieser Fleischpastete hat jetzt ein Nachspiel für Wayne Shaw. (Bildquelle)

Die „Pie-gate“-Affäre geht in die Verlängerung. Wayne Shaw, der ehemalige Ersatztorwart des britischen Fünftligisten Sutton United, sorgte am 20. Februar für Furore, als er ein Gebäckstück auf dem Platz verspeiste. Während des Matches gegen Arsenal im Rahmen des englischen FA Cups biss der 45-Jährige in der 86. Minute in seine Teigtasche und handelte sich damit jetzt ein Verfahren ein. Wie bekannt wurde, hat die English Football Association (FA) Shaw wegen des Verstoßes gegen gleich zwei FA-Regeln im Visier, darunter die Beeinflussung von Wettmärkten. Auch die UK Gambling Commission (UKGC) untersucht den Vorfall. Pikantes Detail an der Affäre ist die Tatsache, dass das Spiel von der BBC übertragen und vom britischen Buchmacher Sun Bets gesponsert wurde. Dieser hatte im Vorfeld angeboten, auf den Snack des Keepers zu wetten. Wayne Shaw hat nun bis zum 21. Juli Zeit, auf die Anklagepunkte zu reagieren.

 

Eine Fleischpastete von zweifelhaftem Ruhm

Stein des Anstoßes ist die berühmte Szene, in der Wayne Shaw kurz vor Schluss des Spiels am Spielfeldrand in eine Teigtasche beißt. Sie wurde live von der BBC eingefangen und übertragen. Dieser Umstand alleine hätte mit Sicherheit nicht zum Verfahren gegen den 150 kg schweren Sportler geführt, wäre da nicht die Tatsache, dass der britische Buchmacher Sun Bets zuvor einen Wettmarkt mit dem Titel „Wayne Shaw isst live im TV eine Pastete“ eröffnet hat. Die Quote war mit 8/1 angegeben. Im Anschluss gab Sun Bets bekannt, einem Kunden im Rahmen der Aktion eine fünfstellige Summe ausgezahlt zu haben. Dieser Umstand rief schließlich auch die UK Gambling Commission auf den Plan. „Pie-gate“, wie die britischen Medien den Vorfall getauft haben, hat zum Rücktritt Shaws als Torwarttrainer, Platzwart und Ersatzkeeper bei Sutton geführt.

 

Beeinflussung von Wettmärkten und unangemessenes Verhalten

Die beiden Vorwürfe gegen Wayne Shaw lauten auf Wettbetrug und inakzeptables Verhalten, wodurch das Spiel als solches in ein schlechtes Licht gerückt würde. Über ein Statement auf ihrer Website hat die English Football Association die Neuigkeiten bekannt gegeben. Dort heißt es:

„Der ehemalige Torwart von Sutton United soll während der fünften Runde des Emirates FA Cups gegen Arsenal am 20. Februar 2017 vorsätzlich einen Fußball-Wettmarkt beeinflusst haben. Dies stellt einen Verstoß gegen die FA-Regel E5(a) dar. Außerdem soll er sich auf eine Art und Weise verhalten haben, die als unangemessen einzustufen ist und/oder das Spiel in Verruf gebracht hat. Dies steht im Widerspruch zur FA-Regel E3(1).“

Der 45-jährige Shaw hat bis kommenden Freitag um 18 Uhr Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Das Ergebnis der Ermittlungen durch die UKGC steht noch aus. Bisher hat Wayne Shaw sein Verhalten auf dem Rasen stets als einen Scherz abgetan und gibt an, zwar von dem Wettmarkt zu seiner Person gewusst zu haben, jedoch niemanden über seine Absichten informiert zu haben. Andere Quellen berichten, Shaw habe Freunden und Fans dennoch einen Tipp gegeben. Die Auflösung wird hoffentlich sein Statement am Freitag bringen. Die kompletten FA-Regeln zum Thema Wetten finden Sie übrigens hier.

 

Depressionen nach Verfahren

In Folge der Vorwürfe hat Wayne Shaw nicht nur seinen Job, sondern auch sein Wohlbefinden verloren. Nachdem man ihm nahegelegt hatte, seinen Posten aufzugeben, fiel der Brite in eine tiefe Depression. Öffentlich hält er fest an der Behauptung, sein Verhalten sei aus dem Kontext gerissen worden und er habe sich zur Unterhaltung der Fans lediglich einen kleinen Scherz erlauben wollen. Zudem habe er den Ermittlern bereits seine Bankdetails und Telefonverbindungen zur Einsicht übergeben, um den Vorwurf des sogenannten „Spot-fixings“, der illegalen Beeinflussung eines Spielereignisses zu Wettzwecken, aus der Welt zu räumen. In einem Interview erzählte er, wie sich der ganze Vorfall seitdem auf sein Leben ausgewirkt hat:

„Meine Welt ist zusammengebrochen. Ich bin noch nie gefeuert worden. Jeden Tag denke ich daran und werde es mit Sicherheit auch noch lange Zeit weiter tun. Ich hatte Depressionen und konnte nicht schlafen, war immer angespannt. Und es bereitet mir immer noch Magenschmerzen.“

Auch die Berichte, er habe aus der Angelegenheit Kapital geschlagen, weist er vom Tisch:

„Weder ich noch meine Freunde haben an der Sache Geld verdient. Ich habe einfach nicht weiter nachgedacht. Meine gesamte Karriere schon machen sich die Leute über mich lustig. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Am liebsten wolle er zu seinem Club zurückkehren und wieder spielen, so Shaw. Sollte er im Verfahren jedoch tatsächlich unterliegen, könnte sogar eine 2-jährige Haftstrafe auf ihn zukommen.