, 07.04.2015

Stadt Werl

Werl in Nordrhein-Westfalen (Bildquelle: Wikipedia.org)

Die Stadt Werl in Nordrhein-Westfalen ist eine Hochburg für das Spielautomaten-Spiel in Nordrhein-Westfalen: Im Jahr 2014 machten die Einwohner der rund 30.000 Einwohner großen Stadt mit mehr als 4,2 Millionen Euro an den Spielautomaten in Spielhallen und Gaststätten ihren Einsatz. Die Umsätze aus dem Online-Bereich sind hier nicht enthalten.

Steigende Zahlen seit Jahren

In seinem Bericht „Angebotsstruktur der Spielhallen und Geldspielgeräte in Deutschland 2014“ veröffentlichte der Arbeitskreis Spielsucht in Unna die aktuellen Zahlen, die auf den durchschnittlichen Zahlen eines Spielautomaten im brancheninternen Betriebsvergleich beruhen. Nach diesem Papier sind die Zahlen in den letzten Jahren enorm gestiegen. Im Jahr 2012, in dem die letzte Untersuchung dieser Art in Werl durchgeführt wurde, wurden gut drei Millionen Euro verspielt – das bedeutet einen Anstieg von rund 40 Prozent in zwei Jahren. Zum Vergleich: vor zehn Jahren lag diese Zahl noch bei rund einer Million Euro.

Hohe Dichte an Spielautomaten

In Werl ist die Dichte der Spielautomaten sehr hoch. In Nordrhein-Westfalen kommt im Durchschnitt ein Spielautomat auf 381 Einwohner, in Werl sind es nur 173 Einwohner pro Automat. Vor zwei Jahren lag die Dichte in der Stadt bei 188 Einwohnern pro Spielautomat, also auch schon deutlich höher als der Durchschnitt. Diese Zahl macht vor allem dem Spielerschutz Sorgen. Schon 2012 bezeichnete Ilona Füchtenschnieder von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW die Zahl der Spielautomaten in Werl als „deutlich zu hoch“. In anderen Städten im selben Kreis sehen die Zahlen ganz anders aus: in Soest stiegen die Einsätze nur um rund 23 Prozent. In Werne – einer Stadt der gleichen Größe wie Werl – kommen auf einen Spielautomaten ganze 260 Einwohner und es wurden 2014 mehr als eine Million Euro weniger an den Spielautomaten verspielt (rund 3 Millionen).

Dabei hat sich die Zahl der Spielautomaten in Werl kaum verändert. Die Gesamtanzahl hat sich von 2012 auf 2014 lediglich von 168 auf 176 erhöht. 133 der genannten Automaten stehen dabei in Spielhallen (2012 waren es noch 128) und 43 in Gastronomiebetrieben (2012 waren es nur drei Automaten weniger). Auch die Anzahl der Spielhallen blieb konstant – in Werl gibt es sechs Spielhallen und es sind zwölf Konzessionen ausgestellt. Pro Konzession ist es den Betreibern erlaubt, je zwölf Spielgeräte aufzustellen – pro zwölf Quadratmeter Spielhallenfläche darf ein Spielautomat stehen. Damit wären also maximal 144 Spielautomaten in Werls Spielhallen erlaubt.

Die Anzahl der Spielautomaten soll nun dennoch drastisch reduziert werden. Steuererhöhungen hatten keine nennenswerte Wirkung auf die Spielfreude der Werler, also soll nun ab 2017 der neue Glücksspielstaatsvertrag für weniger Spielautomaten in der Stadt sorgen. 2017 endet die Übergangsfrist für das umstrittene Gesetz – ab dann müssen Spielhallen mindestens 350 Meter von Schulen, Jugendeinrichtungen und von anderen Spielhallen entfernt sein. In Werl würde dies drei der existenten Spielhallen betreffen.

Stadt verdient gut an den Automaten

Die Stadt Werl profitiert durch die vielen Automaten in nicht unwesentlichem Rahmen. Die Vergnügungssteuer beschert der Stadt hohe Einnahmen – im Jahr 2013 waren es insgesamt rund 673.000 Euro – auch hier ist die Tendenz steigend. 2015 sollen schon 690.000 Euro in die Kassen der Stadt fließen.

Eine simple Verringerung der Spielautomaten wird kaum Effekt haben – die meisten Spieler lassen sich von einem längeren Anmarschweg kaum von ihrem Hobby abhalten. Noch wahrscheinlicher ist es, dass die Spieler schlicht ins Internet zu den Online Casinos abwandern werden – dann hätten Stadt und Spielhallenbesitzer erhebliche Verluste zu beklagen und nichts hätte sich geändert. Es steht die Idee im Raum, die Vergnügungssteuer für die Finanzierung einer Stelle zur Spielsuchtberatung einzusetzen (in der Stadt Bielefeld ist dieses System schon im Einsatz), aber auch hier ist die richtige Umsetzung der Grundstein des Erfolges. Die letzten Jahre und viele andere Beispiele im In- und Ausland haben auf jeden Fall eines gezeigt: die Spielerschaft lässt sich das Spielautomaten-Spiel nicht verbieten.