, 24.06.2017

Sarah Harrison von der UK Gambling Commission

Sarah Harrison von der UK Gambling Commission will den Verbraucherschutz für Online Spieler stärken. (Bildquelle)

Der Verbraucherschutz bei Online Angeboten steht aktuell im Fokus der britischen Behörden. Die Competition and Markets Authority (CMA) des Vereinigten Königreichs hat bereits Ermittlungen gegen verschiedene Online Glücksspielanbieter in die Wege geleitet. Nun soll konkret gegen verbraucherschutzrechtliche Verstöße vorgegangen werden. Die Wettbewerbsbehörde geht davon aus, dass die Bonusaktionen, Willkommensangebote und Nutzungsbedingungen der Firmen irreführend sind und Kunden um ihr Geld bringen. So könnten Auszahlungen etwa erst nach Erfüllung bestimmter Umsatzbedingungen vorgenommen werden. Das Vorgehen gegen vermeintlich betrügerische Sonderaktionen und Lockangebote basiert auf der Zusammenarbeit von UK Gambling Commission und CMA. Die beiden Aufsichtsbehörden hatten Bedenken geäußert, ob Spieler sich auf eine faire Behandlung bei Online Angeboten verlassen können. Um welche Anbieter es sich konkret handelt, ist noch nicht bekannt.

 

Auszahlungen werden oft erschwert

Einer der Gründe, warum die Behörden gegen Online Anbieter vorgehen wollen, sind die Auszahlungsbedingungen. Sind Kunden erst durch einen verlockenden Einzahlungsbonus dazu verleitet worden, Guthaben auf ihr Konto zu laden, so hätten sie in der Folge Probleme, sich das Geld wieder auszahlen zu lassen, wenn der Bonus nicht den versprochenen Effekt entfalte. Nisha Arora leitet die Geltendmachung von Verbraucherrechten bei der Competition and Markets Authority. Sie und ihre Abteilung setzen sich dafür ein, dass Kunden die Leistung erhalten, mit der geworben wurde und dass Auszahlungen vereinfacht werden. Leider sei dies nicht immer der Fall und besonders Neukunden würden oft mit Lockangeboten getäuscht:

„Online Glücksspiel ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden, das wissen wir. Aber die Unternehmen müssen auch fair bleiben. Die Leute müssen das Angebot erhalten, das sie bei Anmeldung zu einer Aktion erwarten und sich ihr Geld jederzeit wieder auszahlen lassen können. Leider wird das nicht immer eingehalten. Neukunden werden oft mit verlockenden Sonderaktionen zum Spiel angeleitet, nur um dann herauszufinden, dass der Anbieter mit gezinkten Karten spielt. Auch werden den Spielern viele Steine in den Weg gelegt, wenn sie sich ihr Geld auszahlen lassen wollen.“

Nisha Arora machte in Bezug auf obige Feststellungen auch deutlich, dass Strafmaßnahmen gegen Anbieter verhängt werden müssen, die den Verbraucherschutz nicht einhalten:

„Aus diesem Grund leiten wir aktuell Maßnahmen ein, wenn wir den Eindruck haben, dass das Gesetz gebrochen wurde. Wir reden auch mit Personen, die akut betroffen waren und Probleme hatten, sich ihr Geld auszahlen zu lassen, wenn sie online gespielt haben. Ihre Schilderungen helfen uns, die Situation weiter zu prüfen und aufzuklären.“

Auch Fälle, in denen Kunden ihr Geld erst ausgezahlt wurde, nachdem sie sich für Werbeaktionen zur Verfügung gestellt hatten, sollen untersucht werden.

 

Nutzungsbedingungen missverständlich und unfair

Ein weiterer Kritikpunkt der CMA sind die zu den jeweiligen Willkommensaktionen zugehörigen Nutzungsbedingungen. Diese seien oftmals umständlich und unklar formuliert und für den Laien nicht verständlich. So sähen sie beispielsweise vor, dass Kunden erst eine hohe Anzahl an Runden spielen müssen, bevor es ihnen möglich ist, sich ihr übriggebliebenes Geld wieder auszahlen zu lassen. Einige Spieler berichteten, dass selbst wenn es sich nicht um eine Sonderaktion handele, manche Firmen Auszahlungslimits von enormer Höhe eingerichtet hätten, die den Einzahlungswert bei weitem überstiegen. Gesprochen wurde auch von Tages-, Wochen- oder Monatslimits, die nur geringe Auszahlungen zuließen, während eine Einzahlungsgrenze nicht vorhanden war.

 

Lizenzen stehen auf dem Spiel

Sollte sich herausstellen, dass die Firmen einen klaren Verstoß gegen den Verbraucherschutz und die geltenden Gesetze in Großbritannien begangen haben, so drohe ein Entzug ihrer Lizenzen, sagte Sarah Harrison, Vorstandsvorsitzende bei der Gambling Commission:

„Während die CMA Ermittlungen zur Einhaltung von Verbraucherschutzrichtlinien anstellt, muss sich die Glücksspielbranche darüber im Klaren sein, dass ein Verstoß gegen diese Gesetze wie ein Verstoß gegen ihre Lizenzauflagen behandelt wird und entsprechende Konsequenzen haben kann.“

Seit Ende letzten Jahres wurden rund 800 Beschwerden aufgenommen. Infolgedessen hat die CMA verschiedene Unternehmen befragt und diverse Websites untersucht. Nun soll gegen einzelne Fälle explizit vorgegangen werden.

 

Identitätskontrollen und Inaktivitätsgebühren weitere Baustelle

CMA und Gambling Commission setzen sich für eine transparente und faire Spielumgebung für Kunden im Onlinesektor ein. Online Anbieter sind bereits rechtlich verpflichtet, die Identität ihrer Kunden zu verifizieren und so ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und dem geforderten Sozialkonzept nachzukommen. Die Identitätskontrolle dient zudem der Vermeidung von Geldwäsche. Dennoch stehen auch hier Firmen im Verdacht, diese Vorgaben sehr restriktiv auszulegen und Kunden so von einer Auszahlung abzuhalten, wie Sarah Harrison erklärt:

„Identitätskontrollen sind eine ernstzunehmende Verpflichtung aller Beteiligten, um Geldwäsche zu vermeiden und verantwortungsbewusstes Spiel zu fördern. In den Fällen, wo Anbieter diese Voraussetzungen nicht erfüllen, haben wir entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Diese Kontrollen dürfen zudem nicht als Legitimation für die Verwehrung von Auszahlungen herangezogen werden. Sollte die CMA in diesem Bereich weitere Verstöße feststellen, so gibt uns dies umso größeren Anlass, die faire Behandlung von Spielern bei den betreffenden Anbietern zu bezweifeln.“

Neben den kontroversen Identitätskontrollen hat die CMA einen weiteren Kritikpunkt am Vorgehen von Online Anbietern. Dieser bezieht sich auf „Strafen“ für Inaktivität. So berechnen manche Anbieter Gebühren für Zeiträume, in denen nicht gespielt wird. Andere sehen in ihren Geschäftsbedingungen sogar vor, das komplette Guthaben einzuziehen, sollte ein Spieler eine bestimmte Zeit lang nicht aktiv gewesen sein.