, 27.06.2016

Brexit

Der Brexit ist beschlossene Sache und wird definitiv Geschichte schreiben. Buchmacher und Online Poker Anbieter in Europa spüren die Auswirkungen unmittelbar. (Bildquelle)

Am Freitag früh stand die Überraschung fest: Entgegen der Prognose fast aller Buchmacher haben die Briten am Donnerstag im Referendum für den Brexit gestimmt. Nach 43 Jahren Mitgliedschaft tritt das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union aus. Die Entscheidung ging mit 51,9 Prozent denkbar knapp für den sogenannten Brexit aus. Diese historische Entscheidung könnte direkte Auswirkungen auf Glücksspiel-Anbieter wie Buchmacher oder Online Pokerräume haben.

Für die Buchmacher war der Brexit ein Wettmarkt, den man am Ende mit gemischten Gefühlen bewerten muss. Einerseits war der Brexit das politische Event mit dem höchsten Wettvolumen in der Geschichte. Etwa 20 Mio. Dollar wurden auf den Ausgang des Referendums gewettet. Bei der Wettbörse Betfair seien mehr Wetten auf das Referendum eingegangen, als auf Wettmärkte wie das Grand National, die Fußball-WM oder die TV-Show „X Faktor“. Zudem berichteten fast alle Wettanbieter, nachdem das Ergebnis feststand, von positiven Bilanzen, obwohl die meisten Wetter am Ende auf den Brexit gewettet hatten.

William Hill-Kundin verliert 100.000 Pfund mit Wette gegen Brexit

Buchmacher William Hill berichtete von einer Kundin, welche die vermutlich größte Wette zum Brexit abgegeben hatte. Die Frau aus London hatte 100.000 Pfund auf einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU gewettet. Die Quote gegen den Brexit stand bei 2/5. Als Gewinn hätte es 40.000 Pfund gegeben. Besser erging es einer anderen Wetterin aus London. Sie hatte zu einer Quote von 11/4 die Summe von 10.000 Pfund auf den Brexit gewettet. Nun darf sie sich über einen Gewinn von 27.500 Pfund freuen. Laut William Hill sei das die erste Wette ihres Lebens gewesen.

Noch am Donnerstag bezeichneten Buchmacher wie William Hill und Ladbrokes die Chancen für einen Brexit bei nur 24 oder 25 Prozent. Doch als erste Auszählungs-Ergebnisse bekannt wurden, änderte sich am Donnerstagabend die Lage dramatisch. Plötzlich lag der EU-Austritt in den Quoten vorne. Bei der Wettbörse Betfair hatte der Brexit zu dem Zeitpunkt sogar eine Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent erreicht. Lange Zeit hatten die Buchmacher ein Kopf-an-Kopf Rennen um den Verbleib prognostiziert. In den letzten Tagen vor der Abstimmung hatten die EU-Befürworter die Nase immer deutlich vorne.

Niederlage für die Vorhersage-Fähigkeiten der Buchmacher

Diese insgesamt misslungene Vorhersage bedeutete eine empfindliche Niederlage für die Buchmacher, die sich bisher immer damit gerühmt hatten, dass sie den Ausgang von politischen Abstimmungen und Wahlen besser als die Meinungsforscher voraussagen können. Buchmacher Ladbrokes versuchte über seinen Twitter-Account mit einem Statement zu erklären, wie es dazu kommen konnte, dass man so danebengelegen habe.

„Die Ära der großen, politischen Wettmärkte, in denen mehrere Mio. Pfund gesetzt werden, ist noch relativ neu für uns Buchmacher. Wir können solche Abstimmung nicht mehrmals durchführen, um zu testen, ob wir mit unseren Wahrscheinlichkeitsschätzungen richtiglagen. Zudem haben wir nicht genug Daten von vorigen Abstimmungen und Wahlen. Eine Wette von 10.000 Pfund zählt genau so viel wie 10.000 Wetten für ein Pfund. Die Mehrzahl der Wetten ging für den Brexit ein. Der Großteil des eingesetzten Geldes wurde aber gegen einen Brexit abgegeben. Und das Geld bestimmt die Quote und nicht die Anzahl der Wetten. Womöglich haben wir das in einem Wettmarkt, bei dem die Wetter auch Wähler und Teilnehmer sind, nicht genügend berücksichtigt. Wir müssen uns über mögliche Fehler Gedanken machen und schauen wie wir in Zukunft wieder bessere Prognosen treffen können.“

Pokerräume haben ab sofort nur noch eine Lizenz aus dem Nicht-EU-Ausland

In Großbritannien und ganz Europa beginnen sich nun Fans und Beschäftigte in der Online Sportwetten und Online Poker Branche Gedanken zu machen, welche Auswirkungen der Brexit auf das europaweite Glücksspiel haben könnte. Viele der Anbieter waren bisher mit einer Lizenz aus Gibraltar, Alderney oder der Isle of Man in der EU lizenziert. Der Mantel der Europäischen Union sorgte für europaweite Lizenzen sowie einen rechtlichen Rahmen und ein Mindestmaß an Schutz. Doch nun besitzen einige Anbieter wie PokerStars, 888, Bet365 oder PartyPoker nur noch eine Lizenz aus dem Nicht-EU-Ausland.

Was passiert zudem mit den zahlreichen Pokerprofis, die sich aus steuerlichen Gründen im Vereinigten Königreich niedergelassen haben? In einigen EU-Ländern muss man auf Poker-Gewinne Steuern zahlen, wenn man diese außerhalb der EU erwirtschaftet hat. Auch für die Anbieter könnte das Referendum Folgen haben. Es könnte dank spezieller Steuern teurer werden, EU-Spieler aus dem Nicht-EU-Ausland zu bedienen. Anbieter PokerStars hat aktuell eine vorläufige Umrechnungsgebühr von 4 Prozent für Spieler-zu-Spieler Transfers beschlossen, wenn dabei Währungen getauscht werden. Wer zum Beispiel Gelder von einem Euro-Konto auf ein Pfund-Konto versendet, muss extra zahlen. Grund hierfür ist der Kurs des Pfund, der nach dem Brexit auf einen historischen Tiefpunkt fiel.

Viel Arbeit für Malta!

Es scheint wahrscheinlich, dass sich die Anbieter nun innerhalb der EU neue Regulierungsbehörden suchen werden. Auf Malta und die Lotteries and Gaming Authority (LGA) kommt wohl viel Arbeit zu.

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